Die Idee, die heute absurd klingt
1999 steckte Microsoft tief in den Planungen für die erste Xbox. Die Strategie war klar: Nicht nur eigene Hardware bauen, sondern die berühmtesten Spiele-Marken der Welt besitzen. Ein ambitioniertes Ziel, das jedoch auf unerwarteten Widerstand stieß.
Nintendo verkaufte damals über 30 Millionen Nintendo 64-Konsolen und dominierte mit Franchises wie Super Mario, The Legend of Zelda und Pokémon den Handheld- und Heimkonsolenmarkt. Der Börsenwert des japanischen Konzerns lag 1999 bei rund 15 Milliarden US-Dollar. Microsoft als PC-Software-Riese (Marktkapitalisierung über 500 Milliarden) hatte null Erfahrung mit Spielekonsolen.
Gegründet 1889 als Spielkartenhersteller, war Nintendo unter Präsident Hiroshi Yamauchi (1949–2002) zum globalen Spielzeug- und Videospielriesen aufgestiegen. Die Ablehnung von Microsofts Annäherung passte zur firmeneigenen Linie: Nintendo kontrollierte seine IPs stets selbstständig und lizenzierte nur selten an Dritte.
Das Angebot, das keiner ernst nahm
Der Legende nach trat Microsoft an die Spitze eines der größten japanischen Spielekonzerne heran. Das Angebot: Übernahme zu einem stattlichen Preis. Die Antwort der Verantwortlichen? „Sie haben sich kaputtgelacht.“ Eine komplette Blamage für den damaligen Newcomer aus Redmond.
- Der Deal platzte noch vor Beginn ernsthafter Verhandlungen.
- Microsoft musste sich fortan auf andere Partner konzentrieren, darunter Bungie und Rare.
Konkretes Detail: Microsoft bot 1999 rund 2,5 Milliarden US-Dollar für Nintendo. Ein ehemaliger Microsoft-Manager bestätigte später, dass Yamauchi die Offerte mit den Worten ablehnte: „Microsoft ist ein Software-Haus, kein Spieleunternehmen.“ Die japanische Geschäftskultur, geprägt von langfristigen Partnerschaften und Misstrauen gegenüber feindlichen Übernahmen, spielte eine zentrale Rolle. Stattdessen kaufte Microsoft 2002 den britischen Entwickler Rare für 375 Millionen Dollar, bekannt für Donkey Kong Country und Banjo-Kazooie.
Nintendos interne Haltung: Man sah sich nicht als Verkaufsobjekt. Der GameCube (2001) und der Game Boy Advance waren bereits in Entwicklung, Nintendo setzte auf eigene Hardware statt auf einen Konzernverbund.
Warum die Geschichte bis heute nachwirkt
Im Jahr 2026, über 25 Jahre später, wirkt die Idee einer Microsoft-Übernahme dieser Marke noch abwegiger. Nintendo blieb unabhängig, Microsofts Xbox-Geschäft etablierte sich mit eigenen Hits wie Halo und Forza. Hätte der Deal geklappt, sähe die Branche heute komplett anders aus.
- Stattdessen lachen Fans noch immer über diesen missglückten Coup.
- Die Anekdote gilt als Lehrstück für übermütige Expansionspläne.
Nintendos Marktwert stieg bis 2026 auf über 70 Milliarden US-Dollar. Die Switch (2017) verkaufte sich über 140 Millionen Mal, mehr als jede Xbox-Konsole. Microsoft hingegen investierte nach der Nintendo-Abfuhr in den Aufbau eigener IPs und erwarb später Bethesda (2021, 7,5 Milliarden) und Activision Blizzard (2023, 69 Milliarden). Der Activision-Deal überstieg die damalige Nintendo-Offer um das 27-Fache.
Vergleichbare Fälle: Sega lehnte in den 1990ern ebenfalls Übernahmeangebote von Microsoft ab und zog sich 2001 aus dem Konsolengeschäft zurück. Nintendo blieb der einzige große japanische Plattformhalter, der nie an einen westlichen Konzern verkaufte.
Eine Lektion für alle Konzernstrategen
Microsoft wollte damals die Spielewelt erobern, und bekam eine Abfuhr, die bis heute als Running Gag unter Retro-Gamern kursiert. Manchmal ist das Kaputtlachen die beste Antwort auf ein zu dreistes Angebot.
Yamauchis Entscheidung prägte Nintendos Unabhängigkeit für Jahrzehnte. Die japanische Firma hält 2026 noch immer einen Bargeldbestand von über 12 Milliarden US-Dollar, genug, um sich selbst gegen feindliche Übernahmen zu schützen. Microsofts peinlichstes Angebot führte letztlich zu einer Branche, in der zwei völlig unterschiedliche Konsolenökosysteme nebeneinander existieren.