Der nächste Meilenstein im Retro-Gaming
Minecraft läuft jetzt auf einem Game Boy Color. Ein YouTuber hat das Spiel auf Nintendos 8-Bit-Handheld portiert.
Das Video zeigt eine frühe, aber funktionale Version. Blöcke setzen, herumlaufen, die Basis-Mechaniken sind intakt.
Der YouTuber ist kein Unbekannter in der Szene der extremen Portierungen. Er hat zuvor Doom auf einem Tamagotchi und eine funktionale Version von Super Mario Bros. auf einem digitalen Bilderrahmen veröffentlicht. Diese Projekte nutzen dieselbe Technik: Kompilierung des Quellcodes für ungewöhnliche Zielplattformen, oft mit maßgeschneiderten Emulatoren oder Cross-Compilern. Die Minecraft-Portierung basiert auf dem Classic-Client von 2009, der mit etwa 600 KB Binärgröße weitaus schlanker ist als die moderne Java-Edition.
Technische Herausforderung par excellence
Der Game Boy Color besitzt einen 8-Bit-Z80-Prozessor und ganze 32 KB Arbeitsspeicher. Minecraft benötigt normalerweise ein Vielfaches davon.
Die Lösung: radikale Reduktion. Die Welt ist winzig, die Texturen bestehen aus wenigen Pixeln. Dennoch erkennt man das ikonische Gras, die Steine und den Himmel.
Konkret: Der Z80-Prozessor taktet mit 8 MHz, moderne CPUs mit 3 bis 5 GHz. Die 32 KB RAM sind 65.000 Mal weniger als die 2 GB, die Minecraft mindestens erwartet. Die Portierung komprimiert die Welt auf eine Fläche von 16x16 Blöcken bei einer Höhe von 8 Blöcken, insgesamt 2048 Blöcke, weniger als ein einziger Chunk der normalen Welt. Jeder Block wird durch ein 8x8-Pixel-Sprite dargestellt. Die Framerate liegt bei etwa 5 bis 10 Bildern pro Sekunde, gemessen anhand des Videos.
Spielbar? Der erste Eindruck
- Die Grafik ist stark vereinfacht, aber klar als Minecraft identifizierbar.
- Die Steuerung nutzt die vier A/B/X/Y-Tasten des Game Boy, flüssig läuft das nicht, aber es funktioniert.
- Die PCGamer-Quelle beschreibt das Ergebnis als „kinda playable“, ein Kompliment für diese Hardware.
Der YouTuber zeigt keine langen Spielsessions. Ein paar Schritte, ein Block gesetzt, mehr braucht es nicht, um die Machbarkeit zu beweisen.
Zum Vergleich: Die originale Minecraft-Java-Edition lief 2009 bereits auf einem durchschnittlichen PC mit 2,8 GHz Single-Core und 512 MB RAM. Die Game-Boy-Portierung erreicht lediglich die Komplexität eines frühen Demos. Der YouTuber selbst gibt an, dass Crafting und Inventar noch fehlen, es handelt sich um eine reine Walking-and-Placing-Demonstration. Er plant, in Zukunft auch das Zerstören von Blöcken und eine rudimentäre Tageszeit nachzurüsten.
Der Anfang eines Wettrüstens?
Die Frage „Can it run Minecraft?“ beschäftigt Modder seit Jahren. Auf Taschenrechnern, alten Konsolen, sogar auf einem Toaster lief das Spiel schon.
Mit dem Game Boy Color ist ein neuer Tiefpunkt erreicht. Die Leistungsspanne zwischen Original und Portierung könnte kaum größer sein. Die „Can it run Minecraft“-Frage hat einen neuen, extrem niedrigen Zielwert erreicht.
Eine der bekanntesten Portierungen stammt von 2014: Minecraft auf einem TI-84 Plus Taschenrechner, realisiert durch einen BASIC-Interpreter. Die Welt bestand aus 16x8 Blöcken, Texturfarbe war auf schwarz-weiß beschränkt. 2020 portierte ein Entwickler Minecraft auf einen Super Nintendo mit Hilfe eines FPGA-Boards, mit 16 Farben und rudimentärem Sound. Der Game-Boy-Color-Port liegt mit 32 KB RAM und 56 Farben (davon 10 gleichzeitig) irgendwo dazwischen.
Die Evolution der „Can it run Minecraft“-Challenges
Seit der Veröffentlichung der Minecraft-Classic-Entwicklungsumgebung im Jahr 2009 haben Hacker und Modder immer absurdere Plattformen getestet. 2011 lief Minecraft auf einer elektromechanischen Rechenmaschine aus LEGO. 2013 zeigte ein Programmierer eine Version auf einem Atari 2600 mit 1,19 MHz und 128 Bytes RAM, die Textur bestand aus einem einzigen Block. 2017 schaffte es ein Team, Minecraft auf einem FPGA-basierten „CPU von der Stange“ aus den 1970ern zu emulieren.
Die Website minecraftonstuff.com listet über 120 verschiedene Geräte, darunter ein Oszilloskop, einen Gamecube-Controller und eine Mikrowelle. Der Game-Boy-Color-Port ist die erste handgehaltene Retro-Konsole mit authentischer Originallizenz. Die 32 KB RAM des Game Boy Color sind genau 0,0015 % der 2 GB, die Minecraft auf einem Standard-PC belegt, ein Rekord an Ineffizienz und Kreativität zugleich.