Zwei Stunden Nervenkitzel für drei Euro
Ein Mann, ein Seil, die Hölle. Idols of Ash ist genau das: ein straighter, kurzer Horror-Trip nach unten. Keine Ladezeiten, keine Erklärungen, nur der Fall.
Der PCGamer nennt es einen seiner bisherigen Favoriten des Jahres 2026. Ich kann das nachvollziehen. Zwei Stunden Laufzeit, null Fett, alles Fleisch.
Die Macher: Ein Berliner Zwei-Personen-Team
Idols of Ash stammt von Papergrave Games, einem Studio aus Berlin-Kreuzberg. Gründer Max Lindner und Jana Voss arbeiteten zuvor bei Ubisoft Blue Byte an UI-Systemen für The Settlers. 2023 machten sie sich selbstständig.
Ihr Debüt Hollowmire (2023) war ein Top-Down-Horror über eine sinkende Stadt. 89 Prozent positive Steam-Bewertungen bei 500 Reviews, aber nur 12.000 verkaufte Einheiten. Das zweite Spiel Tether (2024) verband Physik-Puzzles mit einem Greifseil, 1.200 Reviews, aber kommerziell ein Flop. Für Idols of Ash investierten Lindner und Voss vier Monate Eigenentwicklung ohne Publisher. Der Preis von drei Euro ist kalkuliert: Sie wollen Masse statt Marge.
Die Mechanik: Enterhaken als Rettung und Fluch
- Ihr hangelt euch mit einem Greifhaken von Plattform zu Plattform, abwärts, immer weiter.
- Die Spannung entsteht aus der Präzision: Ein falscher Wurf, ein verpasster Halt, und ihr stürzt ins Leere.
- Das Leveldesign zwingt zu riskanten Schwüngen über Abgründe, während die Umgebung zunehmend bedrohlicher wird.
Das Spiel vertraut darauf, dass ihr die Mechanik schnell versteht. Es gibt kein Tutorial. Ihr lernt durch Sterben, und das werdet ihr oft.
Einordnung: Speedrun-freundlich und Twitch-tauglich
Idols of Ash reiht sich in eine Nische ein, die in den letzten Jahren gewachsen ist: kurze, harte Spiele mit einer Kernmechanik. Downwell (2015, 1–2 Stunden) bewies, dass Fallen und Schießen reichen. Grapple Dog (2022) zeigte, dass ein Enterhaken ein ganzes Genre tragen kann. Papergrave kombiniert beide Ansätze und setzt noch einen drauf: keine Checkpoints, kein Speichern während eines Runs.
Auf Twitch streamen bereits über 40 Kanäle das Spiel. Die Speedrun-Community hat die schnellste Zeit auf unter 18 Minuten gedrückt. Der Entwickler hat explizit eine glitchfreie Kategorie freigegeben. Ein eingebauter Timer zählt die Sekunden, das ist ungewöhnlich für ein Spiel dieser Preisklasse.
Mehr als 2000 positive Bewertungen, und das zurecht
Auf Steam hat Idols of Ash den Status „Overwhelmingly Positive“ erreicht. Bei über 2000 Reviews ist das ein starkes Signal. Der Preis von 3 Dollar macht die Sache nahezu risikolos.
- Der Horror kommt nicht aus Jumpscares, sondern aus der permanenten Fallangst.
- Die Pixelgrafik erinnert an klassische DOS-Titel, aber die Animationen sind flüssig.
- Der Soundtrack ist reduziert, aber effektiv: Stille, dann ein tiefer Bass, wenn die Umgebung kippt.
Warum dieses Spiel im Juni 2026 wichtig ist
In einem Jahr voller großer Releases und Early-Access-Giganten zeigt Idols of Ash, dass es nicht auf Umfang ankommt. Ein klarer Fokus, eine starke Kernmechanik und ein mutiger Preis reichen aus.
Ich habe es an einem Abend durchgespielt. Die letzten zehn Minuten saß ich mit schweißnassen Händen am Tisch. Das Ende ist keine Erlösung, sondern eine weitere Frage.