Die Rückkehr nach Mittelerde
Ein neues The Lord of the Rings-Projekt befindet sich in der Entwicklung und setzt auf das Konzept eines klassischen Open-World-Rollenspiels. Nach den vorangegangenen Action-Titeln fokussiert sich das Projekt nun auf eine tiefergehende spielerische Abbildung der literarischen Vorlage von J.R.R. Tolkien.
Die Middle-earth Enterprises, nun ein Tochterunternehmen der Embracer Group, steuern die Lizenzvergabe aktiv. Seit der Übernahme durch die schwedische Holding im Jahr 2022 wird die Strategie verfolgt, die Marke ökonomisch präsenter zu gestalten.
Der richtige Partner für den Ring
Hinter dem Projekt steht das Studio Daedalic Entertainment nicht mehr allein, nachdem das Debakel um The Lord of the Rings: Gollum das Unternehmen finanziell und personell aus dem Geschäft für AAA-Produktionen zwang. Die aktuelle Entwicklung liegt in den Händen von Wētā Workshop, die ihre Expertise in der visuellen Gestaltung von Mittelerde aus der Filmtrilogie von Peter Jackson einbringen.
- Wētā Workshop fungiert als Co-Produzent und liefert die visuelle Identität, die Fans aus den Filmen kennen.
- Die technische Umsetzung übernimmt ein erfahrenes Partnerstudio, das bereits an Titeln mit weitläufigen Open-World-Strukturen gearbeitet hat.
- Der Fokus liegt auf historischer Akkuratesse innerhalb der von Tolkien definierten zweiten und dritten Zeitalter.
Was wir vom Gameplay erwarten
Das Projekt unterscheidet sich in seiner Konzeption grundlegend von Middle-earth: Shadow of Mordor und dessen Nachfolger Shadow of War. Während das Nemesis-System von Monolith Productions den Fokus auf prozedural generierte Feinde legte, zielt das neue RPG auf eine erzählerische Tiefe ab, die klassische Rollenspiel-Werte priorisiert.
- Ein Fraktionssystem soll die politische Lage zwischen Elben, Zwergen und Menschen abbilden.
- Die Charakterentwicklung basiert auf den verschiedenen Völkern und deren spezifischen Fähigkeiten innerhalb des Kanons.
- Taktische Kämpfe ersetzen das schnelle, auf Combos basierende System der Vorgänger.
Die Historie der Lizenzverwertung
Die Videospiel-Historie von The Lord of the Rings ist durch starke Schwankungen geprägt. Während The Lord of the Rings Online (2007) eine treue Basis über fast zwei Jahrzehnte hielt, scheiterten Projekte wie The Lord of the Rings: War in the North (2011) an der mangelnden spielerischen Tiefe.
- The Lord of the Rings: Gollum (2023) erreichte auf Metacritic einen Wert von 34 und zwang Daedalic zur Aufgabe der internen Entwicklung.
- Middle-earth: Shadow of Mordor (2014) verkaufte sich weltweit über 5 Millionen Mal und etablierte das Nemesis-System als Industriestandard für KI-Gegner.
- The Lord of the Rings: The Battle for Middle-earth II (2006) gilt bis heute als Referenz für Echtzeit-Strategie in diesem Setting.
Branchenkontext und Marktposition
Die Embracer Group plant eine aggressive Expansion der Marke, nachdem sie 2022 die Rechte an den Filmen, Games und Merchandising-Produkten erwarb. Die Investitionssumme für die Übernahme der Middle-earth Enterprises wurde auf rund 770 Millionen Euro geschätzt.
Das Projekt konkurriert direkt mit Titeln wie The Witcher 3: Wild Hunt oder dem kommenden The Elder Scrolls VI. Der Markt für High-Fantasy-RPGs erfordert eine hohe Investition in die Engine, um die geographische Weite Mittelerdes ohne lange Ladezeiten abzubilden. Aktuell setzt das Team auf die Unreal Engine 5, um die technischen Anforderungen an das Licht- und Partikelsystem der Schlachten zu erfüllen.
Die Finanzberichte der Embracer Group zeigen, dass die Lizenzkosten von Mittelerde einen signifikanten Anteil des Budgets ausmachen, was den Druck auf das Entwicklerteam erhöht. Das Projekt befindet sich gegenwärtig in der Pre-Production-Phase, in der die Assets für die Spielwelt erst finalisiert werden müssen.