Ein Schiffbruch an den Kinokassen
Das Live-Action-Remake von Moana ist angelaufen, und die Zahlen sind ernüchternd. Das Eröffnungswochenende fällt ähnlich schwach aus wie bei den gefloppten Neuauflagen Dumbo und Snow White, wie Polygon berichtet. Laut Branchenquellen spielte der Film in den USA etwa 42 Millionen US-Dollar ein, verglichen mit 45 Millionen bei Dumbo (2019) und 44 Millionen bei Snow White (2025). Bei einem Produktionsbudget von geschätzten 200 Millionen Dollar und zusätzlichen Marketingkosten von 100 Millionen bedeutet dieser Start einen klaren Fehlschlag.
Der Befund ist klar: Das Publikum zeigt wenig Begeisterung für eine Neuverfilmung, die erst zehn Jahre nach dem Original kommt.
Disneys Remake-Maschine: Ein Überblick
Disney begann 2010 mit Alice im Wunderland (Regie: Tim Burton) den Trend der Realverfilmungen. Seitdem entstanden 13 Live-Action-Remakes, darunter Cinderella (2015), Das Dschungelbuch (2016) und Aladdin (2019). Die Produktion oblag meist dem hauseigenen Team unter der Aufsicht von Sean Bailey, der von 2010 bis 2023 die Live-Action-Sparte leitete. Die Erfolgsquote sinkt: Während Die Schöne und das Biest (2017) 1,26 Milliarden Dollar einspielte, blieben Dumbo und Snow White unter 400 Millionen. Das Moana-Remake, produziert von Dwayne Johnson und Beau Flynn, fällt in die Kategorie der schnellen Umsetzungen ohne kreativen Mehrwert. Johnson, der im Original die Stimme von Maui sprach, übernimmt die Rolle auch im Remake und trieb das Projekt seit 2020 voran.
Ein Jahrzehnt ist scheinbar zu knapp
- Moana (2016) ist noch frisch im kollektiven Gedächtnis.
- Viele Zuschauer sehen keinen Mehrwert in einer Eins-zu-eins-Neuauflage mit echten Schauspielern.
- Die magische Aura des Originals, inklusive der ikonischen Songs von Lin-Manuel Miranda, wird durch das Remake nicht neu belebt, sondern nur kopiert.
Disney hat sich mit dem engen Zeitabstand selbst ein Bein gestellt. Während Klassiker wie Der König der Löwen oder Aladdin nach 20+ Jahren noch funktionierten, wirkt Moana 2026 wie eine überflüssige Wiederholung. Zum Vergleich: Das Live-Action-Remake von Der König der Löwen (2019) erschien 25 Jahre nach dem Original und erzielte ein Eröffnungswochenende von 191 Millionen Dollar.
Moana: Vom Zeichentrickhit zum Remake, eine kurze Chronik
Das Original Moana (2016) unter der Regie von Ron Clements und John Musker war ein kritischer und finanzieller Erfolg. Es spielte weltweit 690,8 Millionen Dollar ein und gewann den Oscar für den besten Song („How Far I‘ll Go“). Als erster Disney-Film mit polynesischer Protagonistin setzte es kulturelle Maßstäbe. Ein animierter Nachfolger, Moana 2, wurde 2024 angekündigt und soll im November 2024 erscheinen, also nur acht Jahre nach dem ersten Teil. Die Entscheidung, parallel ein Live-Action-Remake zu produzieren, verwässert die Marke zusätzlich. Ursprünglich war das Remake für 2025 geplant, wurde aber wegen Streiks auf 2026 verschoben.
Parallelen zu Videospiel-Remakes
- In der Gaming-Welt beobachten wir ähnliche Muster: The Last of Us Part I (2022) wurde nur neun Jahre nach dem Original veröffentlicht und traf auf gemischte Reaktionen.
- Ein Remake oder Remaster braucht einen echten Grund, technische Sprünge, inhaltliche Erweiterungen oder eine grundlegende Neuinterpretation.
- Fehlt dieser Mehrwert, bleibt es ein reines Cash-Grab, den die Fangemeinde durchschaut.
Disney scheint aus den Fehlern der Spieleindustrie nicht gelernt zu haben. Moana ist kein Einzelfall, sondern folgt einer Reihe von uninspirierten Live-Action-Produktionen.
Branchenkontext: Warum Remakes jetzt häufiger floppen
Der Markt für Neuverfilmungen ist gesättigt. Von 2010 bis 2025 veröffentlichte Disney elf Live-Action-Remakes. Die durchschnittliche Rendite sinkt: Laut Box Office Mojo lag der Median der Einspielergebnisse bei 650 Millionen Dollar, aber die jüngsten drei Filme (Dumbo, Peter Pan & Wendy, Snow White) blieben alle unter 400 Millionen. Das Publikum zeigt eine Präferenz für Originalstoffe oder qualitativ hochwertige Adaptionen. Ein Gegenbeispiel ist Der König der Löwen (2019) mit fotorealistischer CGI, ein echter technischer Schritt. Das Moana-Remake setzt dagegen auf klassische Kulissen und Schauspieler, ohne visuelle Innovation. Hinzu kommt die Krise der Lichtspielhäuser: 2025 lagen die US-Kinobesuche 15 Prozent unter dem Niveau von 2019.
Eine Lehre für die Zukunft
Das schwache Abschneiden des Moana-Remakes sendet ein deutliches Signal. Zuschauer und Spieler gleichermaßen erwarten Substanz, nicht einfache Kopien. Bereits 2016 warnte Produzent Jason Reed, dass „Remakes nur dann funktionieren, wenn sie eine neue Perspektive bieten“. Das Moana-Remake liefert diese nicht. Wer zu schnell remaked, riskiert nicht nur schlechte Einnahmen, sondern auch den Wert des Originals.