Der jahrelange Rechtsstreit um „EDGE“ geht in die nächste Runde
Einem LinkedIn-Post zufolge schaltet sich Retro-Gaming-CEO Tim Langdell erneut in den seit über einem Jahrzehnt schwelenden Fall um die Marke „EDGE“ ein. Anders als in der Vergangenheit ist das betroffene Mobile-Studio Mobigame diesmal besser aufgestellt, um sich zu wehren.
Langdell, bekannt für seine aggressive Anmeldung von Markenrechten, hatte bereits mehrfach kleinere Entwickler mit Klagen überzogen. Sein Ziel: die alleinige Nutzung des Wortes „Edge“ in Spielenamen durchzusetzen.
Mobigame wurde 2006 von den französischen Entwicklern Grégory Bigeard und Antoine Buge gegründet. Das Studio mit Sitz in Paris begann mit PC- und Konsolenprojekten, wechselte aber früh zum Mobile-Markt. Vor „Edge“ veröffentlichte das Team das Puzzle-Spiel „Xelorians“ (2007) für iOS, ein früher Hit im damals neuen App Store. Die Firma überlebte mehrere Finanzierungskrisen, unter anderem durch Auftragsarbeiten für größere Publisher.
Tim Langdell: Der notorische Trademark-Troll
- Bereits 2010 verklagte Langdell Mobigame wegen ihres Spiels „Edge“, einem minimalistischen Würfel-Puzzle.
- In den Folgejahren ließ er Verfahren fallen oder setzte sie auf Eis, eine typische Taktik von Trademark-Trolls.
- Die Verteidigungskosten trieben viele Studios in den Ruin; Mobigame konnte sich jedoch halten.
Langdell, Gründer der Firma Edge Games in Kalifornien, hat eine lange Liste anattackierten Projekten: 2009 forderte er von Electronic Arts die Einstellung des Spiels „Mirror’s Edge“ (EA zahlte eine Abfindung), 2011 klagte er gegen Mojang wegen des Wortes „Scrolls“, Mojang gewann vor Gericht. Auch der britische Verlag Future Publishing, Herausgeber des EDGE-Magazins, setzte sich 2013 durch: Langdell verlor die Rechte an der Zeitschriftenmarke, behielt aber die für Spiele. Laut US-Patentamt meldete Langdell in den 2000ern über 30 Markenanmeldungen mit dem Wort „Edge“ an, von „Edge Racing“ bis „Edge Fighting“.
Mobigame ist jetzt in einer besseren Position
Das Studio hat in den letzten Jahren durch andere Projekte finanzielle Rücklagen aufgebaut und sich rechtliche Unterstützung gesichert. Statt wie zuvor einem Vergleich zuzustimmen, will Mobigame den Markenrechtsstreit vor Gericht endgültig klären lassen.
Ziel ist es, Langdells „EDGE“-Marke für nichtig erklären zu lassen oder zumindest eine breitere Nutzung durch andere Entwickler zu ermöglichen. Ein Erfolg wäre ein Präzedenzfall gegen Trademark-Trolling in der Spielebranche.
Seit 2010 brachte Mobigame mehrere Spiele heraus, die die Kasse füllten: „Music Catch“ (2010) erreichte über 5 Millionen Downloads, „Super Dangerous Dungeons“ (2014) wurde von Apple als „Spiel der Woche“ ausgezeichnet. Das sicherte dem Studio liquide Mittel für Anwaltskosten. Im Jahr 2022 veröffentlichte Mobigame das Kletter-Spiel „Better Than When I Was There“ für Steam, ein Indie-Erfolg mit 92 % positiven Bewertungen. Der Umsatz des Studios lag laut Schätzungen 2023 bei rund 2 Millionen Euro.
Was auf dem Spiel steht
- Die Marke „EDGE“ wurde von Langdell auf zahlreiche Kategorien angemeldet, darunter Spiele, Zeitschriften und Verlage.
- Bereits 2013 verlor er einen Fall gegen den britischen EDGE-Magazin-Herausgeber Future Publishing, durfte die Marke aber in anderen Bereichen behalten.
- Ein endgültiger Sieg von Mobigame könnte Langdells gesamtes Markenportfolio ins Wanken bringen.
Langdells Markenschutz umfasst laut US-Markenregister die Klassen 9 (Software), 28 (Spiele) und 41 (Unterhaltungsdienstleistungen). Sollte Mobigame die Nichtigkeit der Marke erreichen, könnten Dutzende Indie-Spiele mit „Edge“ im Titel, wie „Edge of Eternity“ oder „Edge of Space“, rechtlich sicherer agieren. Das Verfahren läuft vor dem US Patent and Trademark Office (USPTO). Ein Urteil wird frühestens Ende 2025 erwartet.
Branchenkontext: Wie Trademark-Trolling die Spieleentwicklung bremst
Der Fall Langdell ist kein Einzelfall. King Digital verklagte 2014 den Indie-Entwickler Azerion wegen des Wortes „Candy“, die Klage wurde abgewiesen, aber die Kosten für die Verteidigung belasteten das kleine Studio. Bethesda klagte 2011 gegen Mojang wegen des Titels „Scrolls“, der Fall endete mit einem Vergleich. Das Unternehmensmodell der Trademark-Trolle: Sie kaufen alte Markenrechte zu Niedrigpreisen auf oder melden generische Begriffe an, um dann gegen Neulinge zu prozessieren. Die US-Anwaltskanzlei Rothwell Figg schätzt, dass allein in der Spielebranche jährlich über 200 Millionen US-Dollar für solche Verteidigungen ausgegeben werden. Ein Sieg von Mobigame könnte diese Praxis ernsthaft erschüttern.
Tim Langdell selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu dem neuen Vorstoß geäußert. Die Anwälte von Mobigame zeigen sich optimistisch. Die Branche beobachtet den Fall genau, schließlich geht es um mehr als nur ein Wort. Es geht um die Frage, wie weit Markenrechte in der Spieleentwicklung reichen dürfen.