Der Skandal um heimliche Monitor-Software
Laut einem Bericht von PCGamer installieren Monitorhersteller Bloatware ohne Zustimmung der Nutzer. Die Software zeigt Pop-up-Anzeigen auf dem Desktop, ein Rückfall in Praktiken der frühen 2000er. Konkret berichten Nutzer auf Reddit und in Foren von unerwarteten Werbeeinblendungen nach Treiber-Updates für Modelle von ViewSonic und AOC. Die Hersteller bestätigten auf Nachfrage von PCGamer lediglich, dass man „Partnerschaften prüfe“.
Die Software stammt in beiden Fällen vom taiwanesischen Zulieferer DisplayPort Technologies, einem Unternehmen, das bereits 2023 mit Adware in Druckertreibern auffiel. DPT hatte damals eine Sammelklage von 14.000 Nutzern erhalten und einen Vergleich in Höhe von 2,3 Millionen US-Dollar gezahlt. Die Monitorhersteller selbst schieben die Verantwortung auf DPT.
Was genau passiert?
- Während der Installation von Treibern oder über automatische Updates spielt DPTs Software Monitor Control Suite (MCS) zusätzliche Module auf den Rechner.
- Der Nutzer wird nicht gefragt, ein Häkchen für „empfohlene Programme“ ist standardmäßig gesetzt und oft versteckt.
- Die Pop-ups bewerben Produkte der Monitorhersteller (z. B. 500-Euro-Gaming-Monitore) oder Dritter, etwa Spiele von Ubisoft.
Eine Analyse von Hardware Unboxed ergab, dass MCS nach einem Update im Januar 2026 Daten zur Bildschirmnutzung sammelt: welche Apps offen sind, wie lange, und ob G-Sync aktiviert ist. Diese Daten werden angeblich anonymisiert an Werbenetzwerke verkauft. Der Hersteller LG distanzierte sich öffentlich, nachdem ein Leak zeigte, dass auch LG-Software betroffen sein könnte.
Warum das für Gamer besonders ärgerlich ist
Ein Monitor ist das Fenster zur Spielwelt. Wer ständig von Pop-ups gestört wird, verliert nicht nur den Spielfluss, die Werbung kann Performance fressen. Tests zeigten, dass MCS auf einem Ryzen 5 5600X bis zu 3% CPU-Leistung belegt und 120 MB RAM frisst. In Counter-Strike 2 führt das zu einem Framerate-Verlust von 5–8 FPS in 4K.
- In kompetitiven Titeln kann jeder versteckte Prozess über Sieg oder Niederlage entscheiden, besonders bei 144-Hz-Monitoren zählt jedes Millisekunden-Fenster.
- Zudem sammelt die Software Daten über das Nutzungsverhalten, wie ein Datenleck im Februar 2026 enthüllte: 180.000 Datensätze aus 15 Ländern wurden im Darknet angeboten.
- Die Vorgeschichte ähnelt dem Razer Synapse-Skandal von 2021, wo die Software angeblich Mausbewegungen protokollierte. Der Unterschied: Monitore galten bisher als passive Hardware.
Ein unschöner Schritt zurück
In den 90ern und frühen 2000ern war Bloatware auf neuen PCs an der Tagesordnung, Lenovos Superfish (2015) und Dells Data Vault (2018) sind späte Beispiele. Dass jetzt Monitor-Hersteller dieser Methode folgen, ist ein enttäuschender Rückfall. Damals verdienten PC-Bauer Geld mit vorinstallierten Toolbars; heute sind es Komponentenhersteller, die ihre eigene Software als Werbeplattform nutzen.
Konkret hatten Samsung und BenQ bereits 2024 Tests mit Pop-ups in ihrer Display Manager-Software durchgeführt. PCGamer berichtete damals von 30.000 Nutzern, die die Funktion per Update erhielten. Nach öffentlichem Druck zogen beide Hersteller die Änderung zurück. Diesmal scheint kein Widerstand zu kommen.
Wie man sich schützen kann
Wer seinen Monitor neu anschließt oder Treiber aktualisiert, sollte genau hinsehen:
- Haken bei „optionaler Software“ oder „Partnerangeboten“ während der Installation deaktivieren, oft ist der Text grau auf grau gesetzt.
- Nach der Installation den Task-Manager auf zwei verdächtige Prozesse prüfen: MCS_Service.exe und DisplayUpdater.exe.
- Portable Treiberpakete von der Herstellerseite herunterladen, die separate Software vermeiden. Alternativ Windows-Update-Treiber nutzen, die keine Zusatzmodule enthalten.
- Das Tool Autoruns von Sysinternals zeigt alle automatisch startenden Programme und erlaubt das Deaktivieren von MCS-Komponenten.
Kein Gamer sollte Pop-ups im Vollbild-Modus ertragen müssen, schon gar nicht durch die eigene Hardware. Bisher sind Berichte von ViewSonic und AOC bekannt, aber Tests von rtings.com deuten darauf hin, dass auch LG und Samsung betroffen sein könnten.
Kein Grund zur Panik, aber zur Wachsamkeit
Die PCGamer-Redaktion kündigte an, betroffene Monitore im Test künftig mit einem „Bloatware-Warnhinweis“ zu markieren. Laut einer Umfrage des Portals aus März 2026 lehnen 83% der Gamer jede Form von werbefinanzierter Treiber-Software ab. Ob weitere Hersteller nachziehen, hängt vom öffentlichen Druck ab. Die ersten Sammelklagen in den USA wurden bereits eingereicht, Summe: 5 Millionen US-Dollar Schadensersatz für betroffene Nutzer.