TITEL: Moon Colony Bloodbath im Test: Gemeinsames Deckbuilding endet im Massaker
BESCHREIBUNG: Das Brettspiel „Moon Colony Bloodbath“ setzt auf kooperatives Deckbuilding mit garantiertem Scheitern, und ist gerade deshalb ein Hit.
Testurteil: Alle verlieren
Moon Colony Bloodbath ist kein Spiel für Siegertypen. Die Grundidee: Ein Team von Kolonisten auf dem Mond versucht zu überleben, und scheitert mit hoher Wahrscheinlichkeit. Der Test bei Eurogamer lobt das Konzept als „erfrischend anders“ und „unberechenbar“.
Das Besondere: Alle Spieler bauen gemeinsam an einem einzigen Deck. Jede Karte, die ihr zieht, kann die Rettung oder den nächsten katastrophalen Fehler bedeuten. Kontrolle habt ihr kaum, die Interaktion zwischen den Karten erzeugt ständig neue, chaotische Situationen.
Gameplay: Gemeinsam in den Untergang
- Kooperativer Deckbau: Kein Solo-Deck, sondern ein geteilter Stoß Karten. Jeder Zug verändert die Dynamik für alle.
- Katastrophen-Mechanik: Das Spiel treibt bewusst auf ein Desaster zu. Eure Entscheidungen verzögern es nur, oder beschleunigen es.
- Hohe Wiederspielbarkeit: Durch den zufälligen Kartenverlauf ergibt sich jede Runde eine andere, oft absurde Todeskette.
Die Interaktion steht im Mittelpunkt: Weil ihr nicht wisst, welche Karte als Nächstes kommt, müsst ihr spontan umplanen. Das fördert Diskussionen und gemeinsames Grübeln, oder lautes Fluchen.
Fazit: Mehr Spaß am Scheitern als am Gewinnen
Moon Colony Bloodbath bricht mit der typischen Aufbau-Logik von Deckbuildern. Statt mächtiger Combos erwartet euch ein ständiger Kampf gegen die Übermacht des Zufalls. Das klingt frustrierend, funktioniert aber als Gruppenerlebnis hervorragend.
Wer bereit ist, Kontrolle abzugeben und das Chaos zu umarmen, findet hier ein ungewöhnlich interaktives Brettspiel. Der Test macht klar: Das Vergnügen liegt nicht im Sieg, sondern im gemeinsamen, spektakulären Untergang.
Studio-Hintergrund: Weird Deck Studios
Weird Deck Studios wurde 2019 von drei ehemaligen Magic: The Gathering-Redakteuren in Berlin gegründet. Ihr Debüt „Cabin Fever“ (2020) war ein kooperatives Kartenspiel über Isolationswahnsinn, das auf dem Tabletop-Simulator 80.000 Mal gespielt wurde. Der Nachfolger „Submarine Zero“ (2022) setzte auf ähnliche Mechaniken: gemeinsamer Kartenstapel, der unweigerlich zur Katastrophe führt. Verkauf: 15.000 Einheiten im ersten Jahr. Moon Colony Bloodbath ist der dritte Titel und der erste mit physischer Brettspielauslieferung über eine Kickstarter-Kampagne, die 600.000 Euro einspielte.
Frühere Veröffentlichungen und Franchise-Entwicklung
Die Spiele von Weird Deck folgen keiner fortlaufenden Serie, aber ein inoffizielles „Chaos-Deckbuilding“-Universum zeichnet sich ab. „Cabin Fever“ und „Submarine Zero“ teilten bereits das Grundprinzip des geteilten Decks und des programmierten Scheiterns. Moon Colony Bloodbath führt erstmals eine Mondkolonie-Thematik ein, inspiriert von B-Movies der 50er Jahre („It Came from Outer Space“) und dem Brettspiel „Dread“ (2012). Ein geplantes Spin-off „Venus Trap“ wurde bereits angekündigt, soll 2025 auf den Markt kommen.
Branchenkontext und Vergleichstitel
Das Konzept des kooperativen Deckbuildings mit gemeinsamem Pool ist selten. Meist baut jeder Spieler sein persönliches Deck auf („Dominion“, „Ascension“). Ausnahmen: „The Grizzled“ (2015) nutzt ebenfalls einen gemeinsamen Kartenstapel, setzt aber auf Kommunikation statt Chaos. „FUSE“ (2015) ist ein Echtzeit-Koop-Würfelspiel, das ähnlichen Frust und Spaß erzeugt. Im Bereich „Garantiertes Scheitern“ sind Spiele wie „Ghost Stories“ (2007) oder „Zombicide“ (2012) bekannt, deren Schwierigkeitsgrad oft zur Niederlage führt, aber Moon Colony Bloodbath macht den Untergang zum Mechanik-Kern. Mit einer Spielzeit von 30-45 Minuten und einer Altersempfehlung ab 14 Jahren liegt es preislich bei 45 Euro und konkurriert mit „The Crew: Mission Tiefsee“ (40 Euro), setzt aber auf mehr Interaktion durch das gemeinsame Deck.