13 Jahre Stille, dann ein kurzes Lebenszeichen
2013 sammelte ein ambitioniertes JRPG auf Kickstarter über eine Million US-Dollar ein. Damals klangen die Versprechungen vielversprechend. Danach wurde es fast komplett still, jahrelang.
Im Juli 2026 meldet sich der Entwickler nun überraschend zurück. Die Kernbotschaft: Die Arbeit am Spiel wird mindestens bis 2031 fortgesetzt. Ein veröffentlichtes Releasedatum gibt es nicht, die Entscheidung falle erst danach.
Studio und Team: wenig Erfahrung, große Pläne
Der Entwickler ist Creative Intelligence Arts (CIA), ein Studio ohne nennenswerte Veröffentlichungen vor dem Kickstarter. Gründer James Stant arbeitete zuvor als Programmierer an kleineren Mobile-Titeln und war an keinem bekannten JRPG beteiligt. Das Team bestand anfangs aus rund zehn Personen, darunter einige ehemalige Square-Enix-Mitarbeiter, aber keiner mit Leitungsrolle in einem AAA-Projekt. Die Kickstarter-Kampagne versprach Unterstützung von renommierten Künstlern wie dem Komponisten Nobuo Uematsu (Final Fantasy) und dem Character Designer Yoshitaka Amano, doch beide traten später von ihren Rollen zurück.
Was die Ankündigung verrät (und was nicht)
- Der Entwickler spricht erstmals seit über einem Jahrzehnt öffentlich über den Stand des Projekts.
- Die Entwicklungsarbeiten seien weiterhin aktiv, ein konkreter Zeitplan fehlt jedoch.
- Das Spiel gilt als eines der umstrittensten Crowdfunding-Vorhaben der Videospielgeschichte.
- Viele der ursprünglichen Unterstützer hatten längst jede Hoffnung aufgegeben.
Branchenkontext: Crowdfunding-Flops als Lehrstücke
Der Fall reiht sich in eine Liste gescheiterter Kickstarter-Titel ein. Mighty No. 9 (2013, 4 Mio. USD) erschien 2016 mit katastrophalen Kritiken. Unsung Story (2014, 1,2 Mio. USD) wechselte mehrfach den Entwickler und wurde erst 2025 in stark abgespeckter Form veröffentlicht. The Stomping Land (2014, 1,1 Mio. USD) stellte die Entwicklung 2015 komplett ein. Project Phoenix ist das einzige Projekt dieser Größenordnung, bei dem weder ein fertiges Spiel noch eine offizielle Einstellung vorliegt. Der Kommunikationsstil von CIA, jahrelanges Schweigen, dann vage Ankündigungen, gilt als Negativbeispiel in der Branche.
Der lange Weg des Crowdfunding-JRPGs
- Ursprünglich sollte der Titel schon vor Jahren erscheinen.
- Die Kickstarter-Kampagne von 2013 versprach eine Rückkehr zu klassischen JRPG-Werten.
- Stattdessen folgten jahrelange Stille, fehlende Updates und wiederholte Verzögerungen.
Was 2013 versprochen wurde
Die Kickstarter-Seite nannte konkrete Plattformen: PC, Mac, Linux, PlayStation 4 und PlayStation Vita. Ein Release wurde für 2015 avisiert. Als Besonderheit pries man ein „dynamisches Echtzeit-Kampfsystem“ und eine „organische Welt, die auf Spielerentscheidungen reagiert“. Die Kampagne sammelte 1.014.000 USD von rund 36.000 Unterstützern. Im Laufe der Jahre wurden alle Konsolenversionen außer PC gestrichen, ohne dass die Backer offiziell informiert wurden. Ein Playable-Demo-Kapitel, das für 2016 angekündigt war, erschien nie.
Was bedeutet das für die Backer?
Wer 2013 über 1 Million Dollar mitfinanziert hat, muss sich weiter gedulden. Die Ankündigung, bis 2031 zu arbeiten, ohne konkretes Datum, lässt viele Fragen offen.
Ob das JRPG jemals erscheint, bleibt ungewiss. Der Entwickler hat zumindest das Schweigen gebrochen. Ob das reicht, um das Vertrauen zurückzugewinnen, ist eine andere Sache.
Die finanzielle Realität
Von den 1.014.000 USD Kickstarter-Geldern wurden nach öffentlichen Steuererklärungen von CIA bis 2018 etwa 800.000 USD ausgegeben. Weitere Einnahmen aus einem späteren Early-Access-Verkauf auf Steam (2018–2020) kamen hinzu, genaue Zahlen sind nicht bekannt. Rückerstattungen wurden nie angeboten. Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter haften nicht für gescheiterte Projekte. Laut Branchenanalysten lägen die Gesamtentwicklungskosten für ein JRPG dieses Umfangs bei mindestens 3 bis 5 Millionen Dollar. CIA verfügte nie über diese Summe und finanzierte die Arbeit zuletzt aus privaten Darlehen des Gründers.