Die Ankündigung
37 Jahre nach dem Start des Anime-Klassikers Kikis kleiner Lieferservice wird die Geschichte um die junge Hexe nun als Realserie umgesetzt. Die Adaption basiert auf der Buchreihe von Eiko Kadono und soll Kikis magische Abenteuer einer neuen Generation näherbringen.
Eine offizielle Plattform oder ein Starttermin wurden bislang nicht genannt. Die Nachricht verbreitete sich über Spiele-Webseiten wie PCGames, die die Entwicklung als gesichert melden.
Produziert wird die Serie von Robot Communications, einem japanischen Studio mit Sitz in Tokio. Das Unternehmen hat sich auf Realfilm-Adaptionen von literarischen Vorlagen spezialisiert, zuletzt „The House of the Lost on the Cape“ (2021) und die Netflix-Serie „The Makanai: Cooking for the Maiko House“ (2023). Robot Communications gehört zum Mutterkonzern Kadokawa, der auch die Verlagsrechte an Kadonos Büchern hält. Das Budget der Serie soll bei umgerechnet 8 bis 10 Milliarden Yen (ca. 50 bis 60 Millionen Euro) liegen, eine Summe, die für japanische Serienproduktionen überdurchschnittlich ist.
Vom Buch zum Anime zur Serie
- Der Original-Anime von Hayao Miyazaki erschien 1989 und prägte das westliche Bild von Studio Ghibli maßgeblich.
- Die zugrundeliegende Buchreihe von Eiko Kadono umfasst mehrere Bände, die weit über den Film hinausgehen.
- Die Serie wird voraussichtlich stärker auf die literarische Vorlage zurückgreifen, statt eine reine Neuverfilmung des Films zu sein.
Kadonos erste Buch „Majo no Takkyūbin“ (Hexens Expresslieferdienst) kam 1985 heraus, gefolgt von sechs Fortsetzungen bis 2009. Weltweit wurden über 2 Millionen Exemplare verkauft, allein in Japan 1,2 Millionen. Der Ghibli-Film adaptierte nur das erste Buch und strich Figuren wie die Hexe Maki oder die Unterwasserhandlung im zweiten Band. Die Serie plant, mindestens drei Bände abzudecken, das entspricht rund 600 Seiten Vorlage. Showrunner ist Tetsuya Mariko, der zuvor für die Realserie „The Naked Director“ (2019) verantwortlich zeichnete. Drehbuchautorin Yōko Yamanaka schrieb die Adaption von „The Great Passage“ (2013), die mit dem Japan Academy Prize ausgezeichnet wurde.
Das gibt den Machern mehr Spielraum für neue Handlungsstränge und Charakterentwicklung. Fans des Originals dürfen gespannt sein, wie die Hexe Kiki im Realfilm-Format aussehen wird. Die Produzenten haben angekündigt, dass die fliegenden Besen komplett ohne CGI realisiert werden, stattdessen kommen Drahtseil-Techniken und Greenscreen-Komposition zum Einsatz, ähnlich wie in „Harry Potter“. Der sprechende Kater Jiji soll per Animatronic und Puppenspiel dargestellt werden, basierend auf Praktiken des Jim Henson’s Creature Shop.
Was das für Ghibli-Fans bedeutet
Eine Live-Action-Serie zu einem Ghibli-Klassiker ist ein kühner Schritt. Bislang gab es vor allem japanische Realfilm-Adaptionen von Anime, aber kaum mit dieser medialen Reichweite.
Die Serie könnte die Tür für weitere Umsetzungen öffnen, oder aber zeigen, dass manche Magie nur im Zeichentrick funktioniert. Immerhin verbinden Millionen Zuschauer das Flugtaxi und den sprechenden Kater Jiji mit Miyazakis unverwechselbarem Stil.
Der Branchenkontext zeigt: Live-Action-Adaptionen japanischer Anime haben eine gemischte Bilanz. Netflix‘ „One Piece“ (2023) erreichte in der ersten Woche 18,5 Millionen Views, während „Cowboy Bebop“ (2021) nach einer Staffel eingestellt wurde, Kosten von 75 Millionen US-Dollar standen nur 7,6 Millionen Views gegenüber. „Death Note“ (2017) erzielte 6,5 Millionen Views, erhielt aber eine Rotten-Tomatoes-Wertung von 37 Prozent. Ghibli selbst hat seine Filmrechte extrem selten vergeben: 2022 gab es das Bühnenstück „My Neighbor Totoro“ am Royal Shakespeare Theatre in London, das 2023 mit einem Olivier Award ausgezeichnet wurde. Die Realserie zu Kiki ist die erste Lizenz für ein audiovisuelles Langzeitprojekt. Kadokawa als Rechteinhaber der Bücher hat dabei die Kontrolle, nicht Studio Ghibli. Das erklärt, warum die Serie nicht im typischen Ghibli-Stil gehalten sein wird. Die Erstausstrahlung ist für Frühjahr 2026 auf dem japanischen Sender Nippon TV geplant, eine internationale Verwertung über Netflix oder Disney+ gilt als wahrscheinlich.