Frische Gesichter nach zehn Jahren
Rust bekommt erstmals seit dem Early-Access-Release eine komplette Überarbeitung seiner Spielermodelle. Facepunch Studios hat angekündigt, dass die Charaktere ab sofort mit neuen Gesichtern ausgestattet werden.
Die bisherigen Modelle galten als funktional, aber wenig variantenreich. Spieler konnten lediglich zwischen wenigen vorgegebenen Gesichtern wählen.
Facepunch Studios: Vom Mod zum Millionen-Seller
Facepunch Studios wurde 2009 von Garry Newman gegründet. Newman hatte zuvor mit Garry's Mod einen der erfolgreichsten Half-Life 2-Mods erschaffen. Das Studio sitzt in Bracknell, England, und beschäftigt rund 40 Mitarbeiter.
Nach Garry's Mod (über 20 Millionen Verkäufe) begann das Team 2013 mit der Entwicklung von Rust als Reaktion auf den DayZ-Hype. Der Early Access startete im Dezember 2013, die Vollversion folgte 2018. Seitdem hat Rust über 12 Millionen Exemplare verkauft.
Der Erfolg basiert auf regelmäßigen, oft kontroversen Updates, aber Facepunch hat selten große visuelle Überarbeitungen priorisiert. Die Spielermodelle stammten noch aus den frühen Alpha-Tagen und wurden seit 2014 nicht mehr grundlegend verändert.
Was genau sich ändert
- Über 800 neue Gesichtskombinationen werden ins Spiel integriert
- Jedes Gesicht lässt sich aus verschiedenen Merkmalen zusammensetzen
- Die Animationen wurden auf den aktuellen Stand gebracht
Bisher gab es für die Charaktere kaum Individualisierungsmöglichkeiten. Das ändert sich mit diesem Update grundlegend.
Charakteranpassung in Survival-Spielen, ein Vergleich
Andere Survival-Titel haben Charaktereditoren schon früher eingeführt. ARK: Survival Evolved bot seit 2015 einen Editor mit Schiebereglern für Körperformen und Gesichtszüge. 7 Days to Die setzt auf zufällig generierte Gesichter, aber keine manuelle Anpassung.
DayZ erhielt 2020 ein umfangreiches Character-Respawn-System, bei dem Spieler zwischen vordefinierten Gesichtern wählen können. Rust blieb hier hinterher, vor dem Update gab es nur eine Handvoll Gesichts-Modelle, die alle männlich und weiß wirkten.
Die neue Überarbeitung bringt Rust auf den Stand von 2015. Facepunch nannte als Grund für die Verzögerung die Priorisierung von Gameplay-Features wie dem Farming 2.0-Update (2021) oder der Unterwasser-Erweiterung (2022). Charaktermodelle standen auf der Wunschliste der Community weit oben, aber technisch waren sie aufwändig umzusetzen.
So funktioniert die neue Anpassung
Spieler können Augenbrauen, Nasenform, Kinnlinie und Wangenknochen separat einstellen. Das System erinnert an moderne Charaktereditoren aus Rollenspielen.
Facepunch betont, dass die neuen Modelle die gleiche Hitbox behalten. Kein Spieler erhält durch bestimmte Gesichtsformen einen unfairen Vorteil.
Technische Details: Keine neuen Meshes, sondern modulare Bauweise
Die 800 Gesichtskombinationen entstehen nicht aus 800 einzelnen 3D-Modellen. Facepunch verwendet ein modulares System aus fünf Gesichtsmerkmalen, Augen, Nase, Mund, Kinn, Wangen, mit jeweils vier bis fünf Varianten. Das ergibt 4^5 = 1024 theoretische Kombinationen, von denen 800 als optisch sinnvoll freigeschaltet sind.
Bisher zeigten die Gesichter nur starre Ausdrücke. Jetzt kommen Blend Shapes zum Einsatz, die Mimik bei Schmerz, Hunger oder Überraschung darstellen, ohne die Spielmechanik zu beeinflussen.
Performance-Einbußen sind laut Facepunch nicht zu erwarten. Die Polygonzahl der Modelle steigt nur geringfügig, da die neuen Gesichter auf demselben Basis-Mesh aufbauen. Spieler mit älterer Hardware müssen keine Abstriche machen.
Kein kosmetisches Drumherum
Die Überarbeitung betrifft ausschließlich die Spielermodelle. Kleidung, Rüstungen und Items bleiben unverändert.
Für ein Survival-Spiel, das auf Sichtkontakt und Tarnung setzt, sind klare, wiedererkennbare Silhouetten wichtig. Die neuen Gesichter fügen sich laut Entwickler nahtlos in diese Designphilosophie ein.
Gemischte Resonanz, und eine optionale Beibehaltung der alten Modelle
Die Ankündigung spaltete die Rust-Community. Auf dem offiziellen Discord und Reddit begrüßen viele Spieler die Individualisierung. Kritiker befürchten, dass die neuen Gesichter die Wiedererkennbarkeit von Gegnern erschweren, ein wichtiger Faktor in einem Spiel, in dem man Freunde von Feinden unterscheiden muss.
Facepunch reagierte: Die alten Modelle bleiben als Option im Menü wählbar. Spieler können entweder das neue System nutzen oder das alte Gesicht aus der Alpha-Ära behalten. Diese Entscheidung soll verhindern, dass die Überarbeitung den Spielstil erfahrener Veteranen stört.
Ein Datum für den Stable-Release fehlt noch. Facepunch testet derzeit auf dem Staging Branch. Historisch gesehen dauerte die Testphase bei vergleichbaren Patches wie dem Unterwasser-Update zwischen einer und drei Wochen, ein Rollout im Januar 2025 gilt als wahrscheinlich.
Wann ist das Update verfügbar?
Der Patch ist bereits auf dem öffentlichen Testserver von Rust live. Ein Termin für den Stable-Release wurde nicht genannt.
Facepunch hat in der Vergangenheit Updates meist innerhalb von zwei Wochen nach dem Testphase-Finale ausgerollt. Spieler sollten also bald im Hauptspiel mit den neuen Modellen rechnen dürfen.