Von Godzilla zum Unsichtbaren
1960 brachte Toho The Human Vapor in die japanischen Kinos, ein Science-Fiction-Film, der bis heute als einer der besten Nicht-Godzilla-Filme des Studios gilt.
Regisseur Ishirō Honda, bekannt für Godzilla (1954), erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich unsichtbar machen kann und seine Kräfte für ein Verbrechen nutzt.
Netflix hat sich dieses obskuren Stoffes angenommen und eine neue Serie produziert. Human Vapor soll ein düsterer Sci-Fi-Thriller sein, der die Originallogik aufgreift.
Was macht den Originalfilm so besonders?
- Ungewöhnliches Konzept: Ein unsichtbarer Mann, der als „menschlicher Dampf“ durch die Luft schwebt, kein Monster, aber ein faszinierender Antiheld.
- Zwischen Horror und Drama: Der Film mischt Krimi-Elemente mit tragischer Romanze und sozialer Kritik.
- Showa-Charme: Typische Toho-Ästhetik mit Miniaturen, Spezialeffekten und einem markanten Score.
Die Serie übernimmt diese Zutaten und verlegt sie in ein modernes Setting. Ob Netflix die retro-schräge Atmosphäre einfangen kann, bleibt abzuwarten.
Warum Gaming-Fans hier zugreifen sollten
Toho ist nicht nur für seine Monster-Filme bekannt, sondern auch für zahlreiche Videospiele, von Godzilla: Destroy All Monsters Melee bis zu den unzähligen Kaiju-Koop-Titeln.
Human Vapor bietet einen seltenen Blick auf die experimentellere Seite des Studios, die in Spielen oft nur als Randnotiz vorkommt.
- Wer die originellen Showa-Filme schätzt, wird hier eine kurze, knackige Serie finden.
- Fans von unkonventionellen Sci-Fi-Storys (wie The Thing oder Primer) könnten ebenfalls auf ihre Kosten kommen.
Netflix hat mit Human Vapor einen Nischentitel wiederbelebt, der in Vergessenheit geraten war. Ob er den Kultstatus des Originals erreicht, zeigt sich nach den ersten Folgen.
Produktion und Studio-Hintergrund
Die Serie wird von Tohos hauseigener TV-Sparte Toho Studios produziert, in Zusammenarbeit mit Netflix’ japanischer Abteilung. Toho hat in den letzten Jahren mehrere internationale Koproduktionen realisiert: Godzilla: Singular Point (2021, animiert) und Shin Ultraman (2022, Kino).
Der Originalfilm The Human Vapor entstand in einer Hochphase von Tohos Sci-Fi-Welle. Zwischen 1954 und 1965 drehte das Studio 15 Nicht-Godzilla-Fantasyfilme, darunter The H-Man (1958) und The Mysterians (1957). Keiner erreichte die Bekanntheit von Godzilla, aber alle teilten dieselben Effekttechniker und Komponisten, etwa Akira Ifukube, der auch den Score für Human Vapor schrieb.
Netflix hat sich für die Serie den Drehbuchautor Tetsuya Oishi gesichert, bekannt für die Anime-Serie Psycho-Pass (2012) und den Film Gantz: O (2016). Regie führt Koji Yamamoto, der zuvor die Netflix-Eigenproduktion The 8 Show (2024) inszenierte.
Einordnung in den Streaming-Markt
Human Vapor ist Teil einer Reihe von Netflix-Adaptionen obskurer japanischer IPs. 2023 startete der Streamingdienst Yu Yu Hakusho (Live-Action), 2024 folgte City Hunter (Realverfilmung). Der Trend: Nischenstoffe, die in Japan Kultstatus haben, werden für ein westliches Publikum aufbereitet.
Die Serie bewegt sich im Segment düsterer Sci-Fi-Thriller, vergleichbar mit Dark (Netflix, 2017) oder The Signal (2014). Allerdings mit einem Budget, das unterhalb großer Blockbuster liegt: Laut Branchenberichten investierte Netflix für die acht Folgen rund 15 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Godzilla: Singular Point kostete 20 Millionen.
Der Originalfilm spielte 1960 in Japan knapp 1,1 Millionen US-Dollar ein, ein Achtungserfolg für einen Nicht-Monster-Film. Ob die Serie ähnliche Quoten erzielt, hängt von der internationalen Resonanz ab. Netflix setzt auf asiatische Inhalte: 30% der 2024 neu bestellten Serien stammen aus Südkorea oder Japan, so der Quartalsbericht Q2 2024.