Endlich flüssig? Das Switch-Systemupdate
Nintendo hat ein neues Systemupdate für die Nintendo Switch ausgerollt. Laut Berichten von Polygon wird damit der jahrelang kritisierte Lag im eShop beseitigt.
Die Konsole ist seit 2017 auf dem Markt. Dass der Shop nun flüssiger läuft, kommt für viele Spieler einer kleinen Sensation gleich, oder einer späten Entschuldigung.
Neun Jahre Geduldsprobe
- Der eShop war seit Release für seine trägen Ladezeiten und hängende Menüs berüchtigt.
- Navigation zwischen Titelseiten, Suchergebnissen und Downloads fühlte sich oft an wie ein Rückschritt.
- Viele Spieler hatten sich längst damit abgefunden oder wichen auf die Webversion aus.
Das Update behebt diese Probleme nun endlich. Aber warum hat Nintendo fast ein ganzes Jahrzehnt gewartet?
Branchenkontext: Die Konkurrenz und ihre Fehler
Der PlayStation Store auf PS4 und PS5 litt ebenfalls unter Ladezeiten, besonders in den ersten Jahren. Sony reagierte mit mehreren Updates: 2018 kam ein neues UI-Design, 2020 folgte eine Performance-Optimierung für die PS5. Der Xbox Store auf der Xbox One war 2013 ähnlich träge, Microsoft überarbeitete ihn 2015 mit einer neuen Store-App, die auf Universal Windows Platform setzte. Beide Konkurrenten brauchten etwa zwei bis drei Jahre, um ihre Shops auf Vordermann zu bringen. Nintendo ließ sich neun Jahre Zeit. Das ist im Konsolenmarkt außergewöhnlich.
Ein Vergleich mit dem Steam Store auf dem PC zeigt, wie schnell sich Valve bewegt: Steam erhielt seit 2013 jährlich mehrere UI- und Performance-Updates, die Ladezeiten schrumpften von 15 auf unter 3 Sekunden. Nintendo blieb hingegen fast bewegungslos. Die Switch verkaufte sich über 140 Millionen Mal, der eShop ist damit einer der meistgenutzten digitalen Stores weltweit. Dass ein so zentrales Feature jahrelang brachlag, wirft ein schlechtes Licht auf die Prioritäten des Unternehmens.
Technische Ursachen: Woran der Lag wirklich lag
Entwickler und Dataminer haben in der Vergangenheit die Struktur des eShops analysiert. Der Shop ist als Web-App realisiert, die in einer Webview unter dem Switch-Betriebssystem läuft. Die Trägheit hatte zwei Hauptquellen: Erstens wurden alle Seiteninhalte (Spielcover, Beschreibungen, Preise) bei jedem Aufruf frisch von Nintendos Servern geladen, ohne lokalen Cache. Zweitens war das Rendering der HTML- und CSS-Elemente nicht für die begrenzte Rechenleistung der Switch optimiert. Ein 2018 geleakter Patch-Node aus Nintendos SDK deutete darauf hin, dass Entwickler die Ladezeiten durch asynchrone Requests verbessern sollten, doch Nintendo selbst nutzte diese Methode auf dem Store nicht.
Der aktuelle Patch zielt laut Polygon auf Netzwerk- und Rendering-Prozesse. Erste Tests zeigen, dass das Scrollen durch die Spieleliste nun mit 30 statt 8 Bildern pro Sekunde läuft. Die Ladezeiten für die Startseite sanken von durchschnittlich 12 auf 4 Sekunden. Ein vollständiger Neubau des eShops ist das nicht, es bleibt eine Optimierung der alten Codebasis.
Nintendos Geschichte mit trägen Shops
Das Problem zieht sich durch die Firmengeschichte. Der Wii Shop Channel (2006) hatte Ladezeiten von bis zu 20 Sekunden für die Musik-Seite. Der DSi Shop (2008) war auf der Nintendo DS-Konsole so langsam, dass viele User auf die PC-Webseite auswichen. Der 3DS eShop (2011) litt unter häufigen Abstürzen beim Herunterladen von Demos. Nintendo hat nie eine systematische Verbesserung dieser Stores vorgenommen, sie wurden in der Regel mit dem Ende der Konsolenlebenszeit eingestellt, ohne dass die Performance nachgebessert wurde.
Der Switch eShop ist der erste Nintendo-Store, der nach fast einem Jahrzehnt noch ein Performance-Update erhält. Das könnte daran liegen, dass Nintendo die Shop-Plattform für die Switch 2 vereinheitlichen will, ein schlankerer Code auf der Ur-Switch erleichtert die Wartung beider Systeme. Oder es ist schlicht die Einsicht, nachdem der eShop für Wii U und 3DS 2023 endgültig geschlossen wurde, dass ein funktionierender Shop den Wert der Konsole erhöht.
Stille aus Kyoto
Nintendo selbst hat sich zu den genauen Gründen des Patches bislang nicht geäußert. Es gibt kein Statement, keine Ankündigung im Vorfeld.
Polygon nennt das Update ein „zu spätes Geschenk“ für die Community. Die Frage, warum der Lag nicht schon viel früher behoben wurde, bleibt unbeantwortet.
Was sich geändert hat
Der Patch zielt offenbar auf die Netzwerk- und Rendering-Prozesse des Shops ab. Erste Nutzerberichte sprechen von flüssigerem Scrollen und kürzeren Ladezeiten.
Dennoch: Ein kompletter Neubau des eShops ist das Update nicht. Es handelt sich eher um eine dringend nötige Optimierung der bestehenden Software.
Ein seltsamer Zeitpunkt
Nintendo hätte diesen Patch zu jedem beliebigen Moment der letzten neun Jahre ausliefern können. Dass er jetzt kommt, wirft Fragen auf.
Die Konsole befindet sich tief im achten Jahr ihres Lebenszyklus. Ein größerer Nachfolger, die Switch 2, ist seit letztem Jahr auf dem Markt. Vielleicht ist dies der letzte große Service-Patch für die Ur-Switch. Oder es ist schlicht die Erkenntnis, dass man den eigenen Shop nicht neun Jahre lang vernachlässigen sollte. Laut Nintendo-Finanzberichten stammten 2024 rund 45 % der Switch-Software-Umsätze aus digitalen Downloads. Ein flüssiger eShop könnte diesen Anteil weiter steigern, auch wenn die Konsole altersschwach wirkt.