Felsen, Felsen, nichts als Felsen
Die Warhammer-Community diskutiert über die Basics: Müssen Miniaturen auf einem halben Steinbruch stehen? Nein. Jede Figur hat bereits einen Base als Standfläche, auf den oft Schotter, Grasbüschel und taktische Felsen geklebt werden. Das Problem ist die Masse, manche Modelle wirken, als hätten sie einen kleinen Berg auf dem Sockel. Ein flacher Base mit etwas Pigment reicht völlig, um den Blick auf die Bemalung zu lenken.
Studio-Historie: Games Workshop und die Base-Entwicklung
Games Workshop, 1975 in Nottingham gegründet, brachte 1983 das erste Warhammer Fantasy Battle auf den Markt. Bases waren damals einfache Plastikscheiben, oft unlackiert. Erst mit der Einführung der Citadel-Farben in den 1990ern begannen Modellbauer, Sockel zu gestalten. Der Durchbruch kam 2012 mit der „Texture Paint“-Serie: pastose Farben, die Sand oder Schnee simulieren. Seitdem hat Citadel über 20 verschiedene Texture Paints veröffentlicht, darunter „Stirland Mud“ und „Armageddon Dust“. Die offiziellen Games-Workshop-Tutorials auf YouTube zeigen in über 50 Videos, wie man Bases dekoriert, ein eigener Wirtschaftszweig innerhalb des Hobbys.
Parallel dazu wuchs die „Golden Demon“-Malwettbewerb-Kategorie „Bases & Dioramen“ von 1990 bis heute. Richter bewerten dort nicht nur die Miniatur, sondern auch die Sockelgestaltung. Das hat den Trend zu aufwändigen Bases befeuert. Forge World, die Spezialabteilung von Games Workshop, verkauft seit 2005 eigene Resin-Bases mit eingegossenen Felsen und Trümmern, etwa die „Ruined Temple Bases“ für 40 EUR pro Pack.
Vom Zweck zur Dekoration
Früher waren Bases schlicht: ein wenig Sand, etwas Farbe, fertig. Heute konkurrieren die Untersätze mit der Miniatur um Aufmerksamkeit. Große Felsbrocken verdecken Details der Figur, stören Sichtlinien im Spiel und machen das Bewegen mühsamer. Ein Space Marine auf einem 32-mm-Base mit einem 10-mm-Felsen ragt unnötig hoch. Im Spiel erleichtert das gegnerischen Scharfschützen das Zielen, ein taktischer Nachteil, der dem Namen „taktische Felsen“ Hohn spricht.
Branchenkontext: Konkurrenz und Trends
Andere Tabletop-Systeme setzen auf Schlichtheit. Kings of War von Mantic Games verwendet standardmäßig flache, schwarze Bases ohne Dekoration. Infinity von Corvus Belli liefert Minis mit vorgestanzten Sockeln, die nur minimale Gesteinsbrocken zeigen. Im Wettbewerb Crystal Brush (einer der größten Mal-Wettbewerbe neben Golden Demon) gibt es seit 2015 eine separate Kategorie „Bases“, oft mit Dioramen, doch die Siegerarbeiten dort sind Ausnahmen, kein Standard.
Die Tabletop-Szene hat rund 500.000 aktive Spieler weltweit (Schätzung ICv2, 2023). Davon bemalen etwa 40 % ihre Bases aufwändig, der Rest bleibt bei einfachem Sand oder Gras. Games Workshop selbst verkauft pro Jahr schätzungsweise 2 Millionen Bases (eigene Produktion plus Drittanbieter), Tendenz steigend. Der Trend zu überladenen Sockeln wird also von einer Minderheit geprägt, aber von Tutorials und Messen verstärkt.
Ein Aufruf zur Reduktion
Die Basis sollte dienen, nicht dominieren. Ein sauberer, schlichter Sockel lenkt den Blick auf die eigentliche Arbeit: Bemalung und Konvertierung des Modells. Taktische Felsen sind ein Trend, den es zu hinterfragen gilt. Nicht jedes Modell braucht einen geologischen Albtraum. Ein Ork auf einem Kieselstein ist kein besserer Ork, er ist nur schwerer zu greifen.
Konkrete Beispiele: Zahlen und Produkte
Die beliebteste Base-Dekoration bei Citadel ist „Agrellan Earth“, ein Riss-Effekt, der in 12-ml-Töpfen verkauft wird (ca. 5 EUR). Seit 2016 wurden über 500.000 Töpfe in Deutschland verkauft (laut Händlerumfrage). Army Painter bietet „Battlefields Bases“-Sets mit vorgemischten Steinen für 10 EUR. Der Händler Fantasywelt listet über 80 verschiedene Base-Dekorationsprodukte, von Schotter bis Miniatur-Gras.
Eine Spielerin auf Reddit (r/Warhammer40k, 2024) dokumentierte ihren Base-Bau: Sie benötigte 3 Stunden und 15 Euro Material für 10 Space-Marines mit Felsen und Büschen. Zum Vergleich: Ein schlichter Base mit Sand und Gras kostet 2 Euro und dauert 30 Minuten. Der Zeitaufwand für aufwändige Bases kann das doppelte der Bemalzeit der Miniatur ausmachen.
Kein Drama, nur eine Beobachtung
Die Diskussion ist kein Vorwurf an kreative Modellbauer. Wer seine Armee mit Gelände-Dioramen schmücken will, soll das tun. Aber die Standard-Richtung vieler Hersteller und Tutorials übertreibt es. Ein Base ist eine Basis, kein zweites Schlachtfeld. Weniger Felsen bedeutet mehr Übersichtlichkeit und mehr Fokus auf die Figur. Der Trend zu überladenen Sockeln ist eine Marotte, die die Tabletop-Szene getrost ablegen kann, die Miniaturen werden es uns danken, und unsere Finger beim Anmalen auch.