Yoko Taro will nicht mehr arbeiten
Yoko Taro hat auf die Frage nach laufenden Projekten oder Plänen für ein neues Spiel eine deutliche Antwort gegeben. Ob er derzeit an etwas arbeite, verneinte er mit einem knappen “nothing really”. Danach folgte der Satz, der die Runde machte: “I’m done with working. I don’t want to do it anymore.”
Der Mann, der NieR und Drakengard verantwortet, spricht also offen über Rückzugsgedanken. Eine offizielle Ankündigung, dass er die Branche verlässt, gibt es nicht. Stattdessen nennt er einen Grund, warum er trotzdem weitermacht.
Warum er trotzdem bleibt
- Nach eigenen Angaben ist es nicht die Freude am Beruf, die ihn hält.
- Als Motiv nennt er die Angst vor Demenz.
- Die Beschäftigung mit Spielen und Geschichten hält ihn demnach geistig in Bewegung.
- Ein konkretes neues Projekt hat er in dem Gespräch nicht benannt.
- Einen Rücktritt mit Datum oder Zeitplan gibt es ebenfalls nicht.
Das ist ein bemerkenswert ehrlicher Umgang mit dem eigenen Alter. Statt von Leidenschaft redet er von Prophylaxe. Seine Antwort bleibt dabei vage genug, dass weder Publisher noch Fans daraus einen Fahrplan ableiten können.
Wer hinter dem Namen steckt
Yoko Taro wurde 1970 in Japan geboren und trug schon bei frühen Stationen seiner Laufbahn den Ruf, eigene Wege zu gehen. Über Human Entertainment kam er zu Cavia, wo er als Regisseur an Drakengard arbeitete. Später wechselte er zu Square Enix, wo seine bekanntesten Arbeiten entstanden.
Öffentlich tritt er fast nur mit einer großen Maske auf, dem Kopf der Figur Emil aus der NieR-Reihe. Diese Inszenierung hat ihn zu einer der auffälligsten Figuren der japanischen Entwicklerszene gemacht. Hinter dem Kostüm steckt ein Regisseur, dessen Spiele selten geradlinig erzählt sind und oft mehrere Enden sowie Perspektivwechsel bieten.
Die Reihe, die ihn bekannt machte
- Drakengard erschien 2003 und verband Action mit einer düsteren Fantasy-Erzählung.
- NieR folgte 2010 als Ableger, der in mehreren Fassungen auf den Markt kam.
- NieR: Automata erschien 2017 und wurde bei PlatinumGames entwickelt.
- NieR Replicant ver.1.22474487139… brachte 2021 eine überarbeitete Fassung des ersten Teils.
- Mit Voice of Cards und 404 GAME RE:SET folgten kleinere Projekte abseits der Hauptreihe.
NieR: Automata ist bis heute der Titel, der mit seinem Namen am engsten verbunden wird. Die Geschichte um Androide und Maschinen, die sich gegenseitig auslöschen, gilt als eines der einflussreichsten japanischen Spiele der vergangenen Dekade. Dass ihr Regisseur nun von Müdigkeit spricht, hat Gewicht.
Ein alterndes Gewerbe
Die japanische Spieleindustrie kennt das Thema seit Jahren. Viele Designer, die in den 1980er und 1990er Jahren angefangen haben, sind inzwischen im Rentenalter oder darüber hinaus. Shigeru Miyamoto, Jahrgang 1952, arbeitet weiterhin bei Nintendo in einer Beraterrolle. Hideo Kojima, Jahrgang 1963, gründete 2015 sein eigenes Studio und produziert dort weiter.
Der Unterschied liegt in der Begründung. Während andere von neuen Ideen und Technik sprechen, nennt Yoko Taro ein Gesundheitsrisiko. Das macht seine Aussage zu etwas anderem als der üblichen Andeutung, man habe noch so viel zu erzählen.
Was das für Fans bedeutet
- Eine neue NieR-Fortsetzung ist damit nicht angekündigt.
- Auch zu einem anderen Projekt mit ihm als Regisseur gibt es keine Bestätigung.
- Seine früheren Arbeiten bleiben weiterhin verfügbar und werden nach wie vor gespielt.
- Ob und wann er wieder in leitender Rolle auftaucht, ist offen.
Für Spielerinnen und Spieler ändert die Aussage kurzfristig nichts. Es gibt kein Datum, keine Plattform, keine Ankündigung, die daran hängt. Wer auf ein neues Spiel unter seiner Regie hofft, hat weiterhin nur diese eine vage Aussage als Anhaltspunkt.
Ältere Werke bleiben im Gespräch
Die Drakengard-Reihe hat bis heute eine kleine, sehr treue Anhängerschaft. NieR: Automata wurde mehrfach für verschiedene Plattformen umgesetzt und ist damit einem Publikum zugänglich, das die ursprünglichen Konsolen längst nicht mehr besitzt. Auch die Musik von Keiichi Okabe, die eng mit der Reihe verbunden ist, wird weiterhin live aufgeführt.
Diese Fortführung durch Portierungen und Konzerte sorgt dafür, dass der Name Yoko Taro präsent bleibt, obwohl er selbst kaum neue Spiele vorlegt. Ein Großteil seiner Bekanntheit speist sich heute aus Arbeiten, die vor fast einem Jahrzehnt erschienen sind.
Der aktuelle Stand
Yoko Taro hat kein neues Spiel angekündigt und keinen Rücktritt erklärt. Seine Aussage, er sei mit der Arbeit durch, steht im selben Gespräch wie die Begründung, warum er es trotzdem nicht lässt. Die Angst vor Demenz ist damit das einzige Motiv, das er öffentlich nennt.
Das ist ein selten nüchterner Blick auf ein Handwerk, das sonst gern mit Leidenschaft erklärt wird. Ein Regisseur, der weiterarbeitet, weil er Angst hat, sonst abzubauen. Wer seine Spiele kennt, wird diesen Ton wiedererkennen.