Eine Warnung aus der Redaktion
Eine aktuelle Kolumne auf Kotaku schlägt Alarm: Nintendo solle nicht dem Trend zu hyperrealistischen Renderings erliegen. Die Entwicklung von Cross-Media-Tie-Ins mache Spaß, doch ein fotorealistisch gerenderter Nasenhöcker würde das liebenswerte Cartoon-Gesicht ruinieren.
Der Appell zielt auf die Identität des japanischen Traditionsunternehmens. Nintendo hat sich über Jahrzehnte einen unverwechselbaren, stilisierten Look aufgebaut, und sollte ihn nicht für kurzlebige Grafik-Trends opfern.
Cartoon-Figuren, keine Fotokopien
- Mario, Link oder die Inklinge aus Splatoon leben von überzeichneten Proportionen und klaren Farben.
- Realistische Texturen und Schatten würden diese Ausdruckskraft verwässern.
- Ein hyperrealistischer Look könnte die Figuren austauschbar machen.
Nintendo hat mit The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom gezeigt, wie viel Atmosphäre ein Cel-Shading-Ansatz bietet. Die Mischung aus cartoonhafter Ästhetik und dynamischen Effekten funktioniert bis heute.
Der Film als Lehrstück
Der Super Mario Bros. Film von 2023 bewies, dass sich der cartoonhafte Stil perfekt auf die Leinwand übertragen lässt. Illumination blieb der Vorlage treu, mit großem Erfolg.
- Ein hyperrealistischer Film hätte die Komik und Dynamik erstickt.
- Nintendo sollte diese Lektion behalten, wenn weitere Projekte anstehen.
Die Geschichte des Nintendo-Looks
Die visuelle Identität des Unternehmens reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Shigeru Miyamoto und sein Team setzten bei Super Mario Bros. (1985) auf klare Silhouetten und leuchtende Paletten, weil die technischen Grenzen des NES keine realistischen Texturen zuließen. Diese Einschränkung wurde zur Stärke, und zur Designphilosophie.
Mit dem Sprung ins 3D-Zeitalter hielt Nintendo am stilisierte Ansatz fest. Super Mario 64 (1996) zeigte runde, fast kugelförmige Charaktere. The Legend of Zelda: The Wind Waker (2002) spaltete die Fangemeinde mit seinem Cel-Shading-Look, verkaufte sich aber über 4,6 Millionen Mal. Heute gilt der Titel als Klassiker. Splatoon (2015) führte die Tradition fort: Tintenfische mit übergroßen Augen, Neonfarben, kein Pixel realistischer Haut. Das Spiel erreichte über 12 Millionen Einheiten auf der Wii U und Switch.
Die Entwicklung von Nintendo EPD (Entertainment Planning & Development), dem Hauptentwicklungsstudio, zeigt Kontinuität. Vor Tears of the Kingdom arbeitete das Team an Breath of the Wild (2017), das ebenfalls Cel-Shading mit sanften Übergängen nutzt. Beide Titel gehören zu den meistverkauften Spielen der Switch: Breath of the Wild über 31 Millionen, Tears of the Kingdom über 19,5 Millionen Einheiten (Stand 2024).
Markterfolg und Branchenkontext
Während Sony und Microsoft auf fotorealistische Grafik setzen, The Last of Us Part II, Forza Motorsport, liefert Nintendo konstant hohe Verkaufszahlen mit stilisierter Optik. Mario Kart 8 Deluxe (2017) verkaufte sich über 60 Millionen Mal. Zum Vergleich: Gran Turismo 7 (2022) erreichte rund 12 Millionen Einheiten. Der cartoonhafte Look ist kein Hindernis, sondern ein Verkaufsargument.
Ein Blick auf die Auszeichnungen bestätigt den Trend. The Legend of Zelda: Breath of the Wild gewann 2017 den Game Developers Choice Award für „Beste visuelle Kunst“. Die Jury lobte die „konsequente Abstraktion“. Ein hyperrealistischer Ansatz hätte diese Anerkennung nicht eingebracht.
Die Branche selbst experimentiert mit Stilisierung. Arcane (2021, Netflix) zeigte, dass ein cel-shading-inspirierter Look Serien zu Milliarden-Streaming-Erfolgen machen kann. Spider-Man: Into the Spider-Verse (2018) nutzte bewusst Comic-Ästhetik und gewann einen Oscar. Nintendo steht also nicht allein da, aber es ist der bekannteste Verfechter dieser Linie.
Der Super Mario Bros. Film in Zahlen
Illumination Entertainment, das Studio hinter Minions und Ich, Einfach unverbesslich, produzierte den Film für 100 Millionen Dollar. Das Einspielergebnis: 1,36 Milliarden Dollar weltweit. Platz zwei der erfolgreichsten Animationsfilme aller Zeiten (hinter Die Eiskönigin II). Der Look, originalgetreue Charaktere mit übertriebenen Gesichtern und leuchtenden Farben, trug maßgeblich zum Erfolg bei. Ein realistischer Mario mit Poren und Haarwuchs hätte diese Massenwirkung verfehlt.
Nintendo plant weitere Filme: Eine Zelda-Verfilmung wurde 2023 angekündigt. Kotakus Warnung adressiert genau dieses Projekt. Sollte der Film auf Realismus setzen, würde er gegen die DNA der Serie verstoßen.
Kein Grund für Realismus
Warum sollte Nintendo etwas reparieren, das nicht kaputt ist? Die Fangemeinde schätzt den unverwechselbaren Look. Solange die Figuren ihr Gesicht behalten, bleiben sie unvergesslich. Kotakus Warnung ist mehr als Nostalgie, sie ist eine Erinnerung an Nintendos Markenkern.