Harte Worte nach den Entlassungen
Der Game Director von Obsidian Entertainment hat sich gegen Kritiker gewehrt, die nach den jüngsten Entlassungen im Studio „ihre Mäuler aufreißen“. Auf die als „Cold Take Artists“ bezeichneten Kommentare reagierte er laut einem Bericht von Kotaku direkt und unmissverständlich.
- Obsidian hatte vor Kurzem Personal abbauen müssen, ein harter Schlag für das renommierte RPG-Studio.
- Die genauen Hintergründe der Entlassungen wurden nicht öffentlich gemacht.
Obsidian Entertainment wurde 2003 von ehemaligen Black Isle Studios-Mitarbeitern gegründet. Feargus Urquhart, Chris Parker und Darren Monahan verließen Interplay, um ein unabhängiges RPG-Studio aufzubauen. Ihr erstes Spiel war Star Wars: Knights of the Old Republic II (2004), ein Nachfolger zu BioWares Meisterwerk, der trotz technischer Mängel Kultstatus erreichte. Danach folgten Neverwinter Nights 2 (2006) und Alpha Protocol (2010), ein Spionagerollenspiel, das kommerziell enttäuschte. Der große Durchbruch gelang mit Fallout: New Vegas (2010), das bis heute über 12 Millionen Einheiten verkaufte.
Die Entlassungen im Februar 2025 trafen etwa 30 Mitarbeiter, rund zehn Prozent der Belegschaft. Microsoft hatte bereits 2024 über 1.900 Stellen bei Activision Blizzard und weitere bei ZeniMax gestrichen. Obsidian selbst hatte zuvor keine größeren Kündigungen bekannt gegeben.
Was steckt hinter den Gerüchten?
Parallel zu dieser Diskussion brodelt die Gerüchteküche: Quellen aus dem Umfeld des Studios berichten, dass Avowed 2 tatsächlich noch immer in Entwicklung sei. Gleichzeitig soll Obsidian ein neues Fallout-Projekt vorbereiten.
- Avowed 2 wäre die logische Fortsetzung des ersten Teils, der erst 2025 erschienen ist.
- Ein neues Fallout aus dem Hause Obsidian würde Fans der Serie elektrisieren, schließlich stammt Fallout: New Vegas von genau diesem Team.
Avowed startete am 18. Februar 2025 auf PC und Xbox Series X/S. Laut Microsoft verzeichnete das Spiel in der ersten Woche über 4 Millionen Spieler, größtenteils über Game Pass. Das Setting entstammt der Eora-Welt aus Pillars of Eternity (2015), Obsidians erfolgreicher Crowdfunding-Rückkehr zum isometrischen RPG. Pillars of Eternity finanzierte sich über Kickstarter mit 4 Millionen US-Dollar und verkaufte sich über 700.000 Mal. Ein direkter Nachfolger ist daher naheliegend.
Zu Fallout: Das geistige Eigentum liegt bei Bethesda Softworks. Ein neues Obsidian-Fallout wäre also ein Auftragswerk von Microsoft, ähnlich wie New Vegas, das in nur 18 Monaten entwickelt wurde. Fallout 5 wurde von Bethesda für nach The Elder Scrolls VI angekündigt, frühestens 2030. Ein Obsidian-Titel könnte die Lücke füllen, nachdem die Amazon-Serie Fallout (2024) einen massiven Popularitätsschub auslöste. Die Verkäufe der alten Spiele stiegen um das Zehnfache.
Keine offizielle Bestätigung bisher
Weder Obsidian noch Publisher Xbox Game Studios haben die Berichte offiziell bestätigt. Der Game Director selbst konzentrierte sich in seiner Stellungnahme allein auf die Verteidigung des Studios gegen „oberflächliche“ Kritik.
- „Running their mouths“, so beschrieb er die unbedachten Kommentare von Außenstehenden.
- Die Entlassungen seien schmerzhaft, aber kein Zeichen für eine Schieflage des Studios.
Game Director Carrie Patel (Leiterin von Avowed) oder eine andere Führungskraft? Der Kotaku-Artikel nennt keinen Namen, fest steht: Obsidians Führungsriege hat gelernt, mit Gegenwind umzugehen. Alpha Protocol (2010) floppte und brachte Sega einen Verlust von 30 Millionen Dollar ein. Trotzdem hielt das Studio durch, sicherte sich neue Aufträge wie South Park: Die Rektakuläre Zerreissprobe (2014). 2018 kaufte Microsoft Obsidian für eine nicht genannte Summe, Schätzungen liegen zwischen 100 und 200 Millionen Dollar.
Seit der Übernahme ist Obsidian Teil des Xbox Game Studios-Portfolios. Microsoft setzt auf Exklusivtitel für den Game Pass. Die Entlassungen im Februar 2025 sind keine Obsidian-Spezifität: 2024 strich Microsoft mehrere tausend Stellen, darunter auch bei 343 Industries (Halo) und Bethesda.
Ein Blick auf Obsidians Zukunft
Fakt ist: Obsidian arbeitet derzeit an mehreren Projekten gleichzeitig, das ist für ein Studio dieser Größe bemerkenswert. Avowed 2 und ein neues Fallout wären ein Traumpaar, aber ob beides tatsächlich parallel läuft, bleibt Spekulation. Die Reaktion des Directors zeigt zumindest, dass man sich nicht unterkriegen lässt.
Neben den Gerüchten ist The Outer Worlds 2 bereits offiziell angekündigt, der Trailer lief 2021 auf der E3. Ein konkretes Release-Datum fehlt. Das Studio hat rund 300 Angestellte, verteilt auf zwei Standorte in Irvine und San Diego. Zum Vergleich: Larian Studios (Baldur's Gate 3) beschäftigt über 450, BioWare etwa 200. Gleichzeitig drei Vollpreisprojekte zu stemmen, ist ambitioniert.
Der Erfolg von Avowed wird über die Zukunft entscheiden. Laut Brancheninsidern peilt Microsoft mindestens 10 Millionen Spieler (inklusive Game Pass) an. Sollte das Spiel die Erwartungen erfüllen, ist eine Fortsetzung reine Formsache. Ein neues Fallout wiederum wäre politisch heikel: Bethesda selbst hat die Marke seit Fallout 76 (2018) nicht mehr als Einzelspieler-RPG bedient. Ein Obsidian-Titel könnte den Fokus zurückbringen.