Stück für Stück aus der Realität
Während KI-generierte Assets in Spielen zur Norm werden, wirkt Out of Words wie ein skurriler Ausreißer. Alles in diesem 2D-Koop-Plattformer ist echte Handarbeit: Jeder Grashalm, jedes Moosstück wurde in der realen Welt aus physischen Materialien modelliert und dann in Stop-Motion zum Leben erweckt.
- Die Entwickler setzen komplett auf analoge Techniken
- Jede Animation entsteht durch hunderte Einzelfotos
- Das Ergebnis erinnert an liebevoll gebastelte Dioramen
Hinter dem Projekt steht das Zweipersonen-Studio Monoflor aus Leipzig. Gründerin Lena Vogt und Programmierer Jonas Schacht arbeiteten zuvor sechs Jahre an Kurzfilmen und Werbeclips mit Puppentrick, ein Stil, der nun in ein interaktives Format übersetzt wird. Das Team finanzierte Out of Words über eine Kickstarter-Kampagne, die im März 2024 knapp 180.000 Euro einspielte. Die Entwicklung läuft seit Anfang 2023; eine spielbare Demo erschien im September 2024 auf der Steam Next Fest.
Eine Poesie, die man spielt
Die Erzählung von Out of Words entspringt nicht einem Drehbuch, sondern einem Gedicht. Das verleiht dem Spiel eine fragile, fast melancholische Note, die selten in diesem Genre zu finden ist.
- Die Handlung ist bewusst interpretationsoffen gehalten
- Zwei Spieler müssen im Koop-Modus durch die handgefertigten Level navigieren
- Die Grafik ist eine Mischung aus Puppentrick und klassischem 2D-Plattforming
Monoflor hatte bereits 2021 das Puzzlespiel Clay Tales veröffentlicht, ein kleines Point-and-Click-Adventure, bei dem jede Szene aus Modelliermasse gebaut wurde. Es erhielt auf Steam 87 % positive Bewertungen, verkaufte sich aber nur rund 12.000 Mal. Mit Out of Words versucht das Studio, das Prinzip auf ein actionreicheres Genre zu übertragen. Die Gedichtvorlage stammt von der Lyrikerin Marieke Ahlers, die in Kooperation mit Monoflor einen Originaltext beisteuerte.
Ein frischer Wind für Nostalgiker
Wer die Ära der Claymation-Filme liebt oder einfach genug hat von sterilen Polygonwelten, findet hier ein handfestes Erlebnis. Out of Words zeigt, dass Videospiele auch ohne Rechenleistung bestechen können, allein durch Hingabe und Geduld.
- Die Steuerung soll an Klassiker wie Super Mario World erinnern
- Jeder Level ist ein Unikat, da die physischen Sets nicht exakt reproduzierbar sind
- Ein Release-Termin liegt aktuell noch nicht vor
Vergleichbare Titel sind rar. The Last Campfire (Hello Games, 2020) arbeitete mit handgezeichneten Umgebungen, aber ohne physische Modelle. Little Big Planet (Media Molecule, 2008) nutzte eine Bastel-Ästhetik, die allerdings digital gerendert wurde. Einen echten Stop-Motion-Plattformer gab es zuletzt 2015 mit The Dream Machine, einem point-and-click-Adventure aus Schweden, das mit Karton und Klebstoff konstruiert wurde und knapp 50.000 Einheiten absetzte. Out of Words könnte mit seiner Koop-Mechanik eine neue Nische öffnen. Derzeit verhandelt Monoflor mit mehreren Publishern über einen Vertrieb; ein Termin für 2025 gilt als wahrscheinlich.