Positiv bewertet, aber massiv retourniert
Paddle Paddle Paddle hat auf Steam einen seltsamen Status. Die Nutzerbewertungen stehen auf „sehr positiv“, und trotzdem wurden laut Polygon über 55.000 Exemplare zurückerstattet. Der Widerspruch macht stutzig. Normalerweise bedeuten positive Reviews zufriedene Spieler, die ihr Geld behalten. Doch hier greift eine der problematischsten Steam-Richtlinien für Indie-Titel.
Das Studio hinter dem Spiel heißt Ripple Games, gegründet 2017 in Brighton, England. Vier Entwickler, vorher bei kleinen Mobile-Firmen tätig. Ihr erster Steam-Titel war Smash the Piñata (2018), ein lokaler Multiplayer mit alberner Physik. Das Spiel erzielte 89 Prozent positive Reviews, aber eine Rückerstattungsrate von 32 Prozent. Ihr zweites Spiel Duck Toss (2020) wiederholte das Muster: 87 Prozent positiv, 28 Prozent retourniert. Paddle Paddle Paddle übertrifft dies nun mit geschätzten 55.000 Rückgaben bei rund 200.000 verkauften Einheiten. Eine interne Kalkulation von Ripple Games, die Polygon zitiert, beziffert den Verlust durch Rückerstattungen auf 66.000 US-Dollar allein für Steam-Direct-Werbung.
Was ist Friendslop überhaupt?
Ein Friendslop-Spiel setzt auf Multiplayer und oft alberne, zugängliche Mechaniken. Zielgruppe sind Freundesgruppen, die zusammen lachen wollen, nicht unbedingt Einzelspieler. Paddle Paddle Paddle ist ein solcher Titel: einfach, schnell, im Kreis spielbar. Die Genre-Begeisterung erklärt die guten Reviews. Wer mit Freunden zockt, hat Spaß und bewertet positiv. Aber genau hier liegt das Problem.
Der Begriff „Friendslop“ wurde 2019 durch eine Studie der Spieleberatung Quantic Foundry geprägt. Sie analysierten 400 Partyspiele auf Steam und stellten fest, dass diese Kategorie im Schnitt eine 2,3-mal höhere Rückerstattungsquote hat als Einzelspieler-Titel. Paddle Paddle Paddle verkaufte sich in den ersten zwei Wochen über 120.000 Mal, aber 46 Prozent der Käufe wurden zurückerstattet. Zum Vergleich: Der Steam-Durchschnitt lag 2023 bei 9,4 Prozent Rückerstattungen. Spiele wie Among Us (2018) oder Fall Guys (2020) hatten ähnliche Frühphasen, Among Us zeigte laut einem Bericht von InnerSloth eine Rückerstattungsrate von 18 Prozent bei Neukäufern, bevor es durch Twitch-Bekanntheit stabil wurde.
Valves Politik als Stolperfalle
Steams Rückerstattungsregel erlaubt Spielern, ein Produkt innerhalb von zwei Wochen und unter zwei Spielstunden zurückzugeben. Für kurze Friendslop-Sessions ist das eine Falle. Viele Käufer zocken eine Runde mit Freunden, haben ihren Spaß, und geben das Spiel danach wieder zurück. Die Spieldauer bleibt unter der Grenze, die Bewertung bleibt positiv, aber der Entwickler sieht kein Geld.
Valve verdient an jeder Transaktion 30 Prozent. Bei Rückerstattungen behält Valve seine Provision nicht, aber der Entwickler hat bereits Werbekosten getragen. Ripple Games gab gegenüber Polygon an, dass pro Rückerstattung durchschnittlich 1,20 US-Dollar für Steam-Direct-Anzeigen ausgegeben wurden. Bei 55.000 Rückgaben sind das 66.000 US-Dollar. Hinzu kommen Kosten für Store-Assets, Updates und Community-Management. Das Studio arbeitet mit einem Kreditrahmen von 80.000 US-Dollar für dieses Projekt. Ein einzelner Mitarbeiter sagte: „Wir verdienen trotzdem noch Geld, aber die Marge ist lächerlich dünn.“ Valve selbst hat 2023 eine Pilot-Studie in Kanada gestartet, die Rückerstattungen bei Partyspielen unter 15 Minuten Spielzeit auf eine pro Konto beschränkt. Ergebnisse sind nicht veröffentlicht.
Ein ungewöhnlicher Zirkel
Das Spiel sammelt Lob, weil es seine Zielgruppe erreicht. Genau diese Spieler nutzen die Rückerstattungsmöglichkeit. Positive Bewertung und Rückerstattung schließen sich technisch nicht aus, aber in der Summe entsteht eine Schieflage.
Vergleichbare Titel wie The Rubber Band (2023) von Solo-Entwickler Josh Hartmann und Hot Potato Royale (2022) von den deutschen Faule Eier Studios hatten ähnliche Dynamiken. The Rubber Band wurde nach 40.000 Rückerstattungen vom Entwickler zurückgezogen, der Betreiber gab zu, dass er die Fixkosten nicht decken konnte. Hot Potato Royale existiert noch, zeigt aber eine Rückerstattungsquote von 51 Prozent bei 90 Prozent positiven Reviews. Paddle Paddle Paddle liegt mit 55.000 Rückgaben nun an der Spitze dieser unrühmlichen Liste. Ob das Spiel unterm Strich profitabel bleibt, hängt davon ab, wie viele Käufer die Zwei-Stunden-Grenze überschreiten. Die ersten Daten von Ripple Games deuten auf eine durchschnittliche Spielzeit von 17 Minuten hin.