Netflix-Charts: Ein unerwarteter Comeback-Versuch
Passengers aus dem Jahr 2016, mit Jennifer Lawrence und Chris Pratt, schießt aktuell in den deutschen Netflix-Charts nach oben. Die Plattform meldet Top-10-Platzierungen, aber die Fachpresse rät ab. Polygon nannte den Film „eine der schlechtesten Liebesgeschichten aller Zeiten“. Der Hype basiert auf Algorithmus-Zufall oder Nostalgie, nicht auf Qualität.
Sony Pictures investierte 110 Millionen US-Dollar in die Produktion. Regisseur Morten Tyldum hatte zuvor mit The Imitation Game (2014) einen Oscar-nominierten Erfolg geliefert, der weltweit 233 Millionen Dollar einspielte. Das Drehbuch von Jon Spaihts lag seit 2007 in Hollywood herum. Ursprünglich als düsterer Psychothriller konzipiert, wurde es für die große Besetzung umgeschrieben. Spaihts schrieb später Prometheus und Doctor Strange, beides Filme mit klaren moralischen Konflikten, die hier fehlen.
Warum ihr die Finger davon lassen solltet
- Die Handlung: Ein Raumschiff-Passagier erwacht 90 Jahre zu früh aus dem Kälteschlaf und weckt aus Einsamkeit eine Frau. Diese Entscheidung wird als romantische Geste verklärt, obwohl sie faktisch ihre Lebensentscheidung und Einwilligung ignoriert.
- Kritiken damals: Rotten Tomatoes zeigt nur 30 % positive Bewertungen, Metacritic gibt 41 Punkte. Das Publikum war gespalten: CinemaScore B+ deutet auf gemischte Reaktionen hin.
- Das Urteil von Polygon: Ein Love-Story-Desaster, bei dem die Moral fragwürdig bleibt und die Chemie der Hauptdarsteller nicht trägt.
Das weltweite Einspielergebnis von 303 Millionen Dollar deckte kaum die Marketingkosten. Der Film galt als kommerzieller Flop, weil Sony mit über 400 Millionen gerechnet hatte. Zum Vergleich: Avatar, Aufbruch nach Pandora (2009) hatte ein ähnliches Budget, spielte aber das Zehnfache ein.
Die enttäuschende Produktionsgeschichte
Das Drehbuch von Jon Spaihts war ursprünglich eine düstere Sci-Fi-Story über einen Mann, der aus Verzweiflung eine Frau weckt und die Konsequenzen durchlebt. Sony entschied sich für ein Romantik-Rebranding, nachdem Lawrence und Pratt gecastet wurden. Der Ton des Films wechselte mehrmals während der Postproduktion, Testvorführungen zeigten, dass das Publikum die dunklen Elemente ablehnte.
Das Studio ließ rund 30 Millionen Dollar für Nacherzählungen und neue Szenen nachschießen. Ein alternatives Ende, das die moralische Ambivalenz betonte, wurde verworfen. Stattdessen endet der Film mit einer versöhnlichen Zusammenarbeit der beiden Protagonisten, als ob das Problem der Einwilligung gelöst wäre.
Was das mit Gaming zu tun hat?
Nichts direkt, aber als Gaming-Journalist sehe ich Parallelen: Die Zeit, die ihr für Passengers opfert (2 Stunden 5 Minuten), investiert ihr besser in ein gutes Spiel. The Last of Us Part II (2020) erzählt eine emotional dichtere Geschichte über Verlust und Rache, mit einer Laufzeit von etwa 25 Stunden und einem Metacritic-Score von 93.
- Alternativ-Vorschlag: Life is Strange (2015) behandelt Zeitreisen und die Verantwortung gegenüber anderen Menschen, mit echten Konsequenzen und keiner toxischen Grundprämisse.
- Firewatch (2016) zeigt eine einsame Begegnung in der Wildnis, die auf Dialog und Wahlfreiheit setzt, nicht auf Manipulation. Beide Spiele haben Budgets unter 10 Millionen Dollar, aber bessere Kritiken (über 80 auf Metacritic).
- Oder schaut euch den Sci-Fi-Klassiker Moon (2009) an. Budget: 5 Millionen Dollar. Der Film zeigt Einsamkeit und Identitätskonflikte ohne die sexuelle Komponente.
Gaming hat das Thema „Einwilligung in Beziehungen“ besser behandelt, etwa in Beyond: Two Souls (2013) oder Tacoma (2017). Beide vermeiden die Fallstricke, die Passengers so problematisch machen.
Fazit: Ein Netflix-Trend, den ihr ignorieren solltet
Passengers steht auf Platz 1 der Netflix-Charts. Das ist kein Qualitätssiegel, sondern ein Kuriosum, vermutlich getrieben von der Besetzung und dem Algorithmus. Sony hat den Film nie offiziell als Erfolg verbucht, sondern schrieb ihn intern ab. Der Hype wird verpuffen, sobald der nächste Blockbuster auf der Plattform erscheint.
Interstellar (2014) von Christopher Nolan ist der bessere Sci-Fi-Liebesfilm. Er kostete 165 Millionen Dollar, spielte 773 Millionen ein und bekam 73 % auf Rotten Tomatoes, ohne die moralischen Verrenkungen von Passengers. Holt euch lieber einen Controller.