PC-Verkäufe sinken, Kasse klingelt trotzdem
Der aktuelle IDC-Report liefert widersprüchliche Signale für 2026. Die weltweiten PC-Auslieferungen fielen um fünf Prozent, aber der Umsatz blieb stabil oder stieg sogar. Die Zahlen: Im ersten Quartal 2026 gingen 68,2 Millionen Desktops und Notebooks über die Ladentheken, ein Minus von 5,1 Prozent zum Vorjahresquartal. Der Umsatz kletterte dagegen um 2,3 Prozent auf 49,8 Milliarden US-Dollar.
Laut IDC treiben die Hersteller die Preise schneller nach oben, als die Nachfrage einbricht. „Vendors are pushing through price increases faster than demand is dropping“, heißt es in der Studie. Das ist kein Ausreißer, sondern eine bewusste Strategie. Schon 2023, nach dem Ende des Pandemie-Booms, setzte ein ähnlicher Trend ein: Nvidia erhöhte die UVP der RTX-40-Serie um 20 bis 30 Prozent gegenüber der RTX-30-Serie. AMD folgte mit der RX-7000-Familie. Intel zog bei den Core-Prozessoren der 13. und 14. Generation nach. Die durchschnittlichen Verkaufspreise (ASP) stiegen von rund 700 Dollar (2020) auf über 900 Dollar (2025).
Der Report zeigt auch, dass die Hersteller die Produktion bewusst drosseln. IDC-Analystin Linn Huang erklärte, die Lieferketten seien nicht mehr auf maximale Ausstoßung getrimmt. Statt Rabatten setzen die Firmen auf „Value Capture“, sie geben Einsparungen bei Logistik oder Komponenten nicht an Kunden weiter. Das erinnert an die Konsolidierungsphase nach 2012, als PC-Verkäufe jahrelang sanken, aber Dell, HP und Lenovo höhere Margen erzielten, indem sie auf Business-Kunden mit teureren Geräten setzten.
Was bedeutet das für Gamer?
Neue Gaming-PCs und Komponenten könnten trotz sinkender Stückzahlen teurer werden. Hersteller wie Nvidia, AMD oder Intel müssen keine Rabatte gewähren, der Umsatz bleibt hoch. Besitzer älterer Hardware zahlen drauf: Nachrüsten wird zum Luxus.
Konkrete Beispiele: Eine RTX 4060 kostet 2026 immer noch knapp 300 Euro, während die RTX 3060 zur Einführung 2021 bei 250 Euro lag. Die RX 7600 von AMD startete 2023 bei 270 Euro, der Nachfolger RX 7600 XT kam 2024 für 330 Euro auf den Markt. Intel Arc A770, eigentlich als Preisbrecher gedacht, blieb mit 329 Euro UVP knapp unter der Konkurrenz, wurde aber schnell aus den Regalen genommen. Die Hersteller haben die Einstiegsklasse ausgedünnt: Nvidia bietet keine Desktop-RTX-4050 an, AMD ließ die RX-7500-Reihe komplett ausfallen. Wer einen neuen Gaming-Rechner zusammenstellt, merkt die gestiegenen Preise für GPUs, CPUs und Mainboards direkt im Portemonnaie.
Der Trend trifft vor allem den Mid-Range-Sektor. Dort kaufen Gamer mit einem Budget zwischen 800 und 1200 Euro. Laut Marktforscher Jon Peddie Research lag der Durchschnittspreis einer Gaming-GPU im Jahr 2025 bei 480 Dollar, 2019 waren es noch 320 Dollar. Gleichzeitig sinken die Stückzahlen: 2024 wurden weltweit 45 Millionen Gaming-Grafikkarten verkauft, 2025 nur noch 41 Millionen. Die Hersteller konzentrieren sich auf Highend-Modelle (RTX 4080, RTX 5090), die hohe Margen bringen. Ein i5-14600K mit RTX 4060 kostet im Bundle rund 900 Euro, vor fünf Jahren bekam man dafür einen i7-10700K mit RTX 3070.
Ein Markt im Umbruch
Der Report zeigt: Die Branche hat gelernt, mit sinkender Nachfrage umzugehen. Preiserhöhungen werden nicht mehr durch Rabattaktionen ausgeglichen. IDC erwartet für die zweite Jahreshälfte 2026 eine Stabilisierung der Stückzahlen. Die Umsatzentwicklung bleibt das eigentliche Steuerungsinstrument der Hersteller.
Historische Parallelen verdeutlichen das Muster. Nach dem GPU-Mining-Boom 2017/2018 brachen die Verkaufszahlen ein, aber die Preise blieben hoch, Nvidia und AMD hatten ihre Lager gefüllt und verkauften Überschuss zu Premiumpreisen. Nach dem Corona-Boom 2020/2021 folgte der Einbruch 2022, den die Firmen mit Preisstabilität abfederten. Jetzt wird die Taktik verfeinert: Nvidia lieferte 2025 nur 18 Millionen Einheiten der RTX-40-Serie aus, 2023 waren es 22 Millionen der RTX-30-Serie. Die Umsätze pro Chip stiegen von 580 auf 680 Dollar.
Der zweite Markt für Gebraucht-Hardware blüht parallel. Plattformen wie eBay oder Kleinanzeigen verzeichnen 2026 einen Anstieg der GPU-Angebote um 15 Prozent gegenüber 2025. Gamer kaufen lieber eine gebrauchte RTX 3080 für 350 Euro als eine neue RTX 4060 für 300 Euro, die Performance ist ähnlich, der Preis aber niedriger. Hersteller reagieren mit Treiber-Updates, die ältere Karten künstlich langsamer machen sollen (umstrittene Benchmarks bei Nvidia DLSS 4), um den Neukauf attraktiver zu machen.
Ob dieser Kurs langfristig trägt, ist fraglich. Kurzfristig freuen sich die Aktionäre, die Spieler zahlen die Zeche. IDC prognostiziert für 2027 einen leichten Anstieg der Stückzahlen, falls die Hersteller die Preise wieder senken. Ohne Konkurrenz aus dem Cloud-Gaming-Sektor, der 2025 nur 3 Prozent des PC-Spielemarktes ausmachte, bleibt der Druck aber gering.