Vom Express in die Einöde
Train to Busan war ein Kammerspiel auf Schienen. Peninsula wirft seine Figuren in die zerstörte Hafenstadt Busan.
Die Prämisse klingt größer, doch genau hier beginnt das Problem.
- Train to Busan: Ein Zugabteil, enge Flure, Überlebenskampf gegen eine Horde.
- Peninsula: Eine leere Stadt, Autos, Scharfschützen und eine Mischung aus Mad Max und Escape-Room.
Das südkoreanische Studio Next Entertainment World (NEW) produzierte den Film mit einem Budget von rund 16 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Der Vorgänger kostete lediglich 8,5 Millionen Dollar, spielte weltweit aber über 98 Millionen Dollar ein. Regisseur Yeon Sang-ho inszenierte zuvor den gefeierten Animationsfilm Seoul Station (2016), der als Prequel zum ersten Realfilm dient. Nach dem weltweiten Erfolg von Train to Busan auf dem Filmfestival in Cannes wuchs der Druck auf das Studio massiv.
Mehr Action, weniger Horror
Regisseur Yeon Sang-ho tauschte den Survival-Horror gegen actionlastiges Kino. Wo der Vorgänger jeden Meter durch den Zug erkämpfte, gibt es in Peninsula Verfolgungsjagden und B-Movie-Charme.
Das funktioniert über weite Strecken. Es fehlt jedoch die klaustrophobische Dichte des Originals.
Die visuelle Umsetzung lag zu großen Teilen in den Händen von VFX-Studios aus Seoul, die stark auf digitale Hintergründe setzten. Diese Entscheidung entfremdete den Film von der greifbaren Härte des ersten Teils, der physische Stunts und echte Masken in den Vordergrund stellte. Im Kontext des asiatischen Blockbuster-Kinos reiht sich Peninsula damit in eine lange Tradition von Sequels ein, die das Budget verdoppeln, aber den Fokus verlieren. Die Kritiker auf Rotten Tomatoes honorierten diesen Stilwechsel mit mageren 54 Prozent, während der Vorgänger dort eine Zustimmung von 94 Prozent hält.
Was schiefging
Die Rettungsmission um eine geladene Goldlieferung ist simpler gestrickt. Die Figuren bleiben blass. Die emotionale Wucht aus Train to Busan entsteht fast ausschließlich durch das Setting.
- Der Zug war die perfekte Falle. Die Stadt ist nur eine Bühne.
- Die Zombies wirken zweitrangig. Die Menschen sind die eigentlichen Bösewichte.
Das Drehbuch von Yeon Sang-ho und Park Joo-suk reduzierte die moralischen Dilemmata des Originals zugunsten einer genretypischen Miliz-Handlung. Die Antagonisten der sogenannten Unit 631 erinnern stark an postapokalyptische Klischees aus Filmen wie Mad Max 2: The Road Warrior oder Doomsday. Diese Verlagerung schwächte das Kammerspiel-Gefühl, das den südkoreanischen Zombie-Film international bekannt gemacht hatte. Das weltweite Einspielergebnis von Peninsula blieb mit rund 42 Millionen US-Dollar weit hinter den Erwartungen des Studios zurück, was vor allem an der globalen Kinosituation im Jahr 2020 lag.
Ein anderes Werk
Peninsula ist kein schlechter Film. Er ist nur ein völlig anderer als sein Vorgänger. Fans des ersten Teils warten vergeblich auf ähnliche Dichte.
Yeon Sang-ho zeigt sein Können mit Actionsetpieces. Der untote Charme der ersten Fahrt bleibt jedoch im Abteil zurück.
Im selben Jahr veröffentlichte Yeon Sang-ho zudem die Serie Hellbound für Netflix, die thematisch nahtlos an die düsteren Menschenbilder seiner Zombie-Filme anknüpft. Die Marke Train to Busan selbst liegt seit dem enttäuschenden Einstand von Peninsula auf Eis. Ein US-Remake unter dem Arbeitstitel Last Train to New York, produziert von James Wan und inszeniert von Timo Tjahjanto, wurde von Warner Bros. mehrfach verschoben und aus dem aktuellen Kinokalender gestrichen.