Ein überraschender Schritt von Brendan Greene
PlayerUnknown, der Erfinder von PUBG, hat sein bislang rätselhaftes Survival-Spiel ohne Vorwarnung auf free-to-own umgestellt. Wer das Spiel bereits besitzt, kann eine uneingeschränkte Rückerstattung auf Steam beantragen. Die Bedingungen sind ungewöhnlich großzügig: Es gibt keine Begrenzung der Spielzeit oder des Kaufdatums. Jeder, der je gezahlt hat, bekommt sein Geld zurück, ohne Wenn und Aber.
Das Spiel trug nie einen festen Titel. Entwickelt wurde es von PlayerUnknown Productions, einem von Brendan Greene 2019 in Amsterdam gegründeten Studio. Greene selbst hatte PUBG 2017 als Mod für Arma 2 und Arma 3 erschaffen, bevor er mit Bluehole den Battle-Royale-Hype auslöste. 2019 trennte er sich von PUBG Corp., um ohne kommerziellen Druck an experimentellen Open-World-Konzepten zu arbeiten. Sein neues Studio sollte mit einer eigenen Engine eine Simulation ohne Spielregeln bauen, ein ehrgeiziges, aber undurchsichtiges Projekt.
Der Preis der Freiheit
- Das Spiel ist ab sofort dauerhaft kostenlos im Steam-Shop erhältlich.
- Alle bisherigen Käufer erhalten eine vollständige Rückerstattung, unabhängig von Spielzeit oder Kaufdatum.
- Der Titel wird nicht mehr weiterentwickelt. Der Schritt markiert faktisch das Ende des Projekts.
Die Aktion ist ein radikaler Bruch mit der Branchenpraxis. Normalerweise locken Free-to-Play-Umstellungen mit Mikrotransaktionen oder Battle-Pässen. Hier gibt es nichts dergleichen, nur ein Abschiedsgeschenk. Verkauft wurde das Spiel seit Oktober 2021 für 19,99 Euro. Laut SteamDB erreichte es nie mehr als 300 gleichzeitige Spieler, die Zahl der Gesamtverkäufe liegt vermutlich unter 10.000. Greene selbst hatte das Projekt zuletzt als „technische Studie“ bezeichnet, nicht als fertiges Produkt.
Die Geschichte des Projekts
PlayerUnknown Productions veröffentlichte 2020 zunächst Prologue, eine kostenlose Tech-Demo, die eine prozedural generierte Welt mit komplexen Ökosystemen zeigte. Das Survival-Spiel von 2021 war der nächste Schritt: eine zahlungspflichtige Early-Access-Version, die auf derselben Engine basierte. Sie enthielt rudimentäres Jagen, Bauen und Erkunden, aber kaum Struktur. Die Community blieb klein, die Kritiken gemischt. Im April 2024 gab Greene bekannt, dass das Studio seine Arbeiten an der Engine einstellt, um eine neue, skalierbarere Architektur zu entwickeln. Das Survival-Spiel war damit de facto aufgegeben, die Rückerstattung folgt nun ein Jahr später.
Frühere Releases im Franchise „PlayerUnknown“ beschränken sich auf Mods (PUBG als Arma 3-Mod, später H1Z1-Modifikationen) und das eigenständige PUBG: Battlegrounds. Greene selbst hat sich von PUBG längst distanziert. Sein Name taucht seither nur noch in Verbindung mit diesem Survival-Experiment auf. Ein direkter Vorgänger im klassischen Sinne existiert nicht, die Open-World-Simulation steht abseits der Battle-Royale-Schiene.
Branchenkontext
Free-to-Own-Umstellungen sind selten, vollständige Rückerstattungen für alle Käufer nahezu beispiellos. Vergleichbare Fälle: LawBreakers (2018) wurde kostenlos, aber ohne Rückzahlung. Battleborn (2016) stellte Server ab, Käufer erhielten eine kostenlose Kopie eines anderen Spiels. The Culling (2017) ging zu Free-to-Play über, bestehende Besitzer bekamen Ingame-Währung. Die Greene-Entscheidung ist großzügiger als jede dieser Maßnahmen, sie signalisiert, dass der Entwickler keine weiteren Verpflichtungen eingehen will. Das Geld aus den Verkäufen (schätzungsweise 200.000 Euro) wird zurückgezahlt, das Spiel bleibt als kostenlose Ruine erhalten.
Steam selbst hat keine Richtlinie für solche Rückerstattungen außerhalb des normalen 14-Tage-Fensters. Greene hat hier vermutlich direkt mit Valve verhandelt. Das Verfahren ist manuell: Käufer müssen einen Support-Ticket stellen. Die Frist ist offen, aber nicht automatisiert.
Ein seltsamer Nachgeschmack
Das Spiel selbst kombinierte Survival-Elemente mit einer offenen Welt, konnte aber nie die Massen von PUBG erreichen. Die Nachricht „It's free forever, but it's also over“ fasst die Stimmung perfekt zusammen. Wer es noch nicht gespielt hat, kann es jetzt ohne Risiko ausprobieren. Wer es bereits besaß, bekommt sein Geld zurück, und verliert ein Stück Gaming-Geschichte. Die Engine-Demos auf dem YouTube-Kanal des Studios zeigen beeindruckende Landschaften mit Echtzeit-Wetter und Tierverhalten. Doch das eigentliche Gameplay blieb stumpf. Ein Spieler beschrieb es als „eine wunderschöne, leere Hülle“. Der Rückzug bestätigt: Greene hat sich entschieden, nicht an einer Spielwelt zu feilen, die keine Spieler fand. Stattdessen setzt er alles auf die nächste technische Vision.