Der Einbruch in nackten Zahlen
Die Verkäufe von Sonys First-Party-Titeln sind im Geschäftsjahr 2024 auf 28,9 Millionen Einheiten gefallen. Das ist der schwächste Wert seit mindestens sechs Jahren, wie aktuelle Finanzdaten zeigen, die unter anderem von Eurogamer aufgegriffen wurden. Zum Vergleich: Im Vorjahr lagen die Verkaufszahlen noch bei rund 60,7 Millionen, ein Minus von über 50 Prozent.
Vergleich mit den Vorjahren
- FY2022: 63,8 Millionen Einheiten (Höhepunkt der PS4-Ära mit The Last of Us Part II und Ghost of Tsushima)
- FY2023: 60,7 Millionen, leichter Rückgang, aber noch solide
- FY2024: 28,9 Millionen, regelrechter Absturz
Der Einbruch trifft besonders hart, weil Sony im selben Zeitraum große Exklusivtitel wie Spider-Man 2 (12 Millionen verkauft) und Helldivers 2 (ein Erfolg, aber als Live-Service anders verbucht) veröffentlichte. Offenbar reichen solche Blockbuster nicht mehr, um eine breite Käuferschaft zu gewinnen.
Mögliche Gründe für den Absturz
- Weniger Releases: Sony brachte 2024 nur zwei neue First-Party-Spiele auf den Markt, im Vergleich zu sieben noch 2022.
- Entwicklungskosten explodieren: AAA-Titel wie The Last of Us Part I kosten über 200 Millionen Dollar, die Gewinnmargen schrumpfen.
- Fokus auf Service-Spiele: Mit Helldivers 2 und dem eingestellten The Last of Us Online verschiebt sich die Strategie weg von Single-Player-Blockbustern.
- Konkurrenz durch Game Pass und Multiplattform-Titel: Baldur’s Gate 3 oder Elden Ring verkaufen sich auf allen Systemen besser als mancher PlayStation-Exklusivtitel.
Hinzu kommt, dass Sony immer mehr Spiele auf den PC portiert, das schmälert die Motivation für PS5-Besitzer, zum Release zuzugreifen.
Was das für die Zukunft bedeutet
Sony-Chef Jim Ryan hatte vor seinem Abgang eine Neuausrichtung angekündigt: mehr Multiformat-Strategien, stärkere Betonung von Margen und weniger Risiko bei teuren Exklusivprojekten. Die neue Führung um Hermen Hulst und Hideaki Nishino setzt nun auf eine Mischung aus Live-Service-Titeln und gelegentlichen Single-Player-Highlights.
Ob die Verkaufsflaute nur eine Durststrecke ist oder ein dauerhafter Trend, hängt von den nächsten Releases ab: Death Stranding 2 und ein neuer God of War-Ableger könnten die Zahlen 2025 wieder nach oben treiben. Bis dahin bleibt die Frage, ob Sony den Spagat zwischen Qualität, Kosten und Zeitplan hinbekommt, oder ob die Ära der unangefochtenen First-Party-Dominanz endgültig vorbei ist.
Die First-Party-Studios und ihre aktuelle Lage
Sony unterhält 18 interne Studios. Naughty Dog veröffentlichte seit The Last of Us Part II (2020) kein neues Spiel; ein Standalone-Multiplayer-Teil wurde 2023 eingestellt. Santa Monica Studio lieferte God of War Ragnarök (ca. 15 Mio. Verkäufe, 2022), der nächste Teil wird nicht vor 2026 erwartet. Insomniac Games brachte Spider-Man 2 (12 Mio.) und arbeitet an Marvel's Wolverine.
- Guerrilla Games: Horizon Forbidden West (8,4 Mio., 2022) und ein Multiplayer-Projekt in der Entwicklung.
- Sucker Punch: Ghost of Tsushima (9,7 Mio., 2020), nächstes Projekt unbekannt.
- Polyphony Digital: Gran Turismo 7 (13 Mio., 2022) weiterhin unterstützt durch Updates.
Viele Studios befinden sich in einer Latenzphase: teure AAA-Titel benötigen 5–7 Jahre Entwicklung, gleichzeitig fehlen Zwischentitel. Sonys Output an First-Party-Spielen pro Jahr sank von 7 (2022) auf 2 (2024), das sind halbierte Chancen, Umsatz zu generieren.
Vergleich mit Nintendos und Microsofts First-Party-Strategie
Nintendo verkaufte im FY2024 über 100 Mio. First-Party-Titel, darunter The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom (20,6 Mio.) und Super Mario Bros. Wonder (13,5 Mio.). Die Switch-Ära zeigt, wie regelmäßige Releases auf bewährten IPs mit moderaten Budgets funktionieren. Microsoft setzt dagegen auf Game Pass: Starfield erreichte 13 Mio. Spieler, aber viele zahlten kein Vollpreis. Nintendos Model schützt die Exklusivität, Microsofts Modell untergräbt den Einzelverkauf, Sony sitzt zwischen den Stühlen.
- Nintendo gibt etwa 50–100 Mio. Dollar pro Titel aus, Sony oft über 200 Mio.
- Microsoft verzeichnete im FY2024 First-Party-Verkäufe von geschätzt unter 10 Mio. Einheiten (nicht durch Game Pass subventionierte Käufe).
- Sonys 28,9 Mio. sind immer noch mehr als Microsofts Exklusiv-Umsatz, aber der Trend zeigt nach unten.
PC-Portierungen: Einnahmen versus Exklusivität
Seit 2020 portiert Sony seine Exklusivtitel auf den PC: Horizon Zero Dawn (2020, 3,3 Mio. PC-Verkäufe laut Schätzungen), God of War (2022, 2,5 Mio.), Spider-Man (2022, 1,5 Mio.), The Last of Us Part I (2023, 1 Mio. mit schlechtem Launch). Diese Ports bringen zusätzliche Einnahmen bei niedrigen Kosten, aber sie zerstören Kaufanreize für PS5-Besitzer.
- Laut Ampere Analytics sanken die PS5-Hardware-Verkäufe 2024 um 20 % im Vergleich zu 2023.
- Spieler warten häufiger auf PC-Fassungen, was die Day-1-Verkäufe schwächt, ein Problem, das in der PS4-Ära kaum existierte.
- Sony verspricht kürzere Exklusivfenster (1–2 Jahre statt 3–4), was den Druck auf die PS5-Plattform erhöht.
FY2025: Hoffnungsträger und Risiken
Angekündigt sind Death Stranding 2: On the Beach (2025, Kojima Productions, PS5-exklusiv). Der Vorgänger verkaufte sich 10 Mio. Mal, aber das Genre bleibt eine Nische. Marvel's Wolverine (Insomniac) ist für 2026 spekuliert, God of War-Nachfolger frühestens 2026/27. Dazu zwei Live-Service-Titel: Fairgame$ (Haven Studios) und Concord (Firewalk Studios). Helldivers 2 bewies, dass ein Live-Service-Game zum Preis von 40 Dollar Erfolg haben kann, 12 Mio. Verkäufe in 12 Wochen. Doch die Konkurrenz durch Fortnite, Call of Duty und Genshin Impact ist erdrückend.
Sony fehlen kurzfristig sichtbare Hits. Die 28,9 Mio. Einheiten könnten 2025 leicht auf 35–40 Mio. steigen, falls Death Stranding 2 und ein weiterer Unannounced-Titel stark starten. Aber die strukturellen Probleme, weniger Studios, höhere Kosten, schwächere Exklusivität, bleiben bestehen.