Der Aufstand gegen die Schließung
Schon vor einigen Jahren wollte Sony die digitalen Stores für PlayStation 3 und PS Vita abschalten. Die Spieler reagierten mit heftigem Widerstand. Sammler und Gamer fürchteten um ihre digitalen Bibliotheken.
Ein aktuelles Interview mit einem Branchenkenner greift den Vorfall wieder auf. Darin heißt es: „Irgendwann wird jeder digitale Storefront an einem Punkt sein, an dem es sich für den Betreiber nicht mehr lohnt, ihn zu unterhalten.“ Der Versuch war demnach nicht der erste dieser Art.
Sony Interactive Entertainment startete den PlayStation Store im November 2006 parallel zur PS3. Das Unternehmen, 1993 als Sony Computer Entertainment gegründet, hatte zuvor nur physische Distribution betrieben. Der Vita-Store folgte 2011. Bereits 2012 versuchte Sony mit dem PlayStation Mobile Store ein separates Ökosystem für mobile Geräte, eingestellt 2015. Die Kosten für zwei alte Stores stiegen, während die Nutzerzahlen sanken: Laut Sony nutzten 2021 nur rund 1,5 Prozent der aktiven PlayStation-Kunden regelmäßig PS3 oder Vita.
Die bittere Pille für Sammler
- Digitale Only-Titel und exklusive Releases wären für immer verloren gewesen. Viele Spieler hatten über Jahre hinweg Käufe getätigt.
- „Als Spieler und Sammler ist das eine bittere Pille zu schlucken“, lautete der Tenor in den Diskussionen. Der Druck der Community zwang Sony schließlich zum Einlenken.
Die Shops blieben geöffnet. Der Vorfall machte jedoch deutlich, wie verletzlich digitaler Besitz ist. Ein einmal geschlossener Store bedeutet für viele Titel das endgültige Aus.
Die PS Vita beherbergte über 1.300 Spiele, davon schätzungsweise 400, die nie eine physische Version erhielten. Titel wie Gravity Rush, Tearaway oder Uncharted: Golden Abyss waren vollständig auf die digitale Distribution angewiesen. Demon’s Souls (2009, FromSoftware) hatte auf PS3 kein physisches Release in allen Regionen, in Europa nur digital. Persona 4 Golden (Atlus, 2012) erhielt eine limitierte physische Auflage, der Großteil der Nutzer griff aber auf die digitale Version zurück. Der Protest war auch eine Reaktion auf die fehlende Abwärtskompatibilität: PS5 kann weder PS3- noch Vita-Spiele nativ abspielen.
Kein Einzelfall in der Branche
PlayStation hatte bereits früher mit der Abschaltung alter Shop-Infrastrukturen geliebäugelt. Die Aussagen im Interview bestätigen einen generellen Trend: Alte Stores werden für Unternehmen zunehmend unwirtschaftlich.
Für Retro-Fans bleibt die Frage, wie lange die Tore zu Klassikern wie Demon’s Souls oder Persona 4 Golden noch offen stehen. Die Rettung damals war ein Erfolg der Community. Eine Garantie für die Zukunft gibt es nicht.
Microsoft schloss im Juli 2022 den Xbox 360 Marketplace für Neukäufe, nachdem bereits der Xbox-Original-Dienst 2010 eingestellt worden war. Nintendo beendete im März 2023 den eShop für Wii U und 3DS; Nutzer konnten keine neuen Käufe mehr tätigen, Downloads bleiben aktiv. Sony widerrief seine Entscheidung nach fünf Tagen Protest, während Microsoft und Nintendo die Pläne durchzogen. Die Wartungskosten alter Stores liegen laut Branchenschätzungen bei mehreren Millionen Euro pro Jahr, bei gleichzeitigem Umsatzrückgang auf unter ein Prozent des Gesamtumsatzes.