Das große Rätsel namens Project Hadar
Seit Jahren geistert Project Hadar durch die Finanzberichte von CD Projekt Red, zwischen The Witcher 4 und Cyberpunk 2 thront es als unbekannte Variable. Die Entwickler schweigen sich aus, bis auf eine kuriose Absage: Es wird kein Cosmic-Horror-Spiel im feudalen Japan.
Fans durchforsten deshalb Jobausschreibungen nach jedem Hinweis. Die neueste Anzeige, entdeckt von GamesRadar, legt nun nahe: Project Hadar wird eine Open World, und will die Spieler zum Weinen bringen.
Studio-Historie: Vom Independent-Label zum Triple-A-Schwergewicht
CD Projekt Red wurde 2002 in Warschau gegründet, zunächst als Publisher für westliche Spiele in Polen. Der erste eigene Titel, The Witcher (2007), basierte auf Andrzej Sapkowskis Romanreihe und verkaufte sich über 2 Millionen Mal. Der Durchbruch gelang mit The Witcher 3: Wild Hunt (2015), das bis heute über 50 Millionen Exemplare absetzte und mehr als 250 Game-of-the-Year-Awards gewann.
Cyberpunk 2077 (2020) markierte den ersten Vorstoß in eine komplett neue IP. Trotz eines katastrophalen Launches mit Bugs und Performance-Problemen auf Konsolen verkaufte sich der Titel über 25 Millionen Mal. Das Studio zählt inzwischen rund 1.200 Mitarbeiter und arbeitet parallel an mehreren Projekten: Polaris (neue Witcher-Trilogie), Orion (Cyberpunk-Fortsetzung), Sirius (Multiplayer-Witcher-Ableger von The Molasses Flood) und Hadar (neue IP). Der Wechsel von der hauseigenen REDengine zur Unreal Engine 5 erfolgte 2022, Hadar wird voraussichtlich auf dieser Technik laufen.
Was die Stellenanzeige enthüllt
- Offene Welt: Die Anzeige sucht Entwickler für riesige, begehbare Räume und dynamische Umgebungen.
- Emotionale Tiefe: Formulierungen wie „alle Open-World-Emotionen fühlbar machen“ deuten auf eine stark narrative Inszenierung, die Tränen provozieren soll.
- Kampfsystem: Bereits durch frühere Listings bekannt, Fokus auf Nahkampf und Action-RPG-Elemente.
Die Anzeige bestätigt zudem, dass CD Projekt weiterhin auf erzählerische Wucht setzt. Ob diese Tränen der Trauer, der Freude oder des Schreckens sein werden, bleibt offen.
Branchenkontext: Emotionale Offene Welten als Markenzeichen
CD Projekt Red gehört zu den wenigen Studios, die Open-World-Spiele mit starken, oft melancholischen Geschichten verbinden. The Witcher 3 lieferte düstere Entscheidungen um Verlust und Verrat, Cyberpunk 2077 eine tragische Heldenreise über Identität und Sterblichkeit. Vergleichbare Titel wie Red Dead Redemption 2 (Rockstar, 2018) oder God of War (Santa Monica Studio, 2018) setzen ebenfalls auf emotionale Tiefe, aber selten auf Rot- und Grautöne der polnischen Entwickler.
Die Stellenanzeige für Hadar sucht explizit nach Designern mit Erfahrung in „emotionalem Storytelling“, ein Begriff, der in der Branche oft für Spiele wie What Remains of Edith Finch oder The Last of Us Part II verwendet wird. Ein Open-World-Ansatz mit solcher Fokussierung ist selten: Die meisten großen Sandboxen priorisieren Handlungsfreiheit über narrative Dichte. Hadar könnte diesen Trade-off umkehren.
Kein Samurai, keine kosmischen Tentakel
Die eine Sache, die wir sicher wissen: Project Hadar hat nichts mit dem wiederkehrenden Fan-Wunsch eines Horrorspiels im feudalen Japan zu tun. Das wurde offiziell dementiert. Ob wir eine Fantasy-, Sci-Fi- oder völlig eigenständige Welt erwarten, bleibt unklar.
CD Projekt hat dieses Jahr bewiesen, dass sie selbst für zehn Jahre alte Rollenspiele noch geheime DLCs zaubern können. Project Hadar bleibt ihr undurchsichtigstes Projekt, und die Stellenanzeige sucht explizit nach Leuten für weitläufige Welten und emotionale Szenen. Ein klares Signal für die strategische Ausrichtung, mehr ist es nicht.
Zahlen und Fakten: Wie CD Projekt seine Projekte finanziert
Die Entwicklungskosten für Cyberpunk 2077 beliefen sich auf rund 1,2 Milliarden Polnische Zloty (etwa 260 Millionen Euro). The Witcher 3 kostete etwa 81 Millionen Polnische Zloty (18 Millionen Euro), ein Bruchteil moderner Triple-A-Budgets. In den letzten Jahren stieg die finanzielle Schlagkraft des Unternehmens massiv: CD Projekt erzielte 2023 einen Umsatz von über 900 Millionen Polnische Zloty.
Parallel zu Hadar entsteht Polaris, die erste Witcher-Trilogie-Instanz auf Unreal Engine 5, für die CD Projekt eine Entwicklungspipeline bis 2025 angekündigt hat. Hadar wird vermutlich frühestens 2027 erscheinen, das Studio selbst spricht von „konzeptioneller Phase“. Die Stellenanzeige für Senior-Open-World-Designer startete im August 2024 und sucht Kandidaten mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung. Ein konkretes Veröffentlichungsfenster existiert nicht.