Verspätung oder Überstürzung?
Viele Spieler rechnen mit der PS6 im Jahr 2027. Neue Hinweise sprechen jedoch für eine Verschiebung.
Die spannendere Frage lautet: Brauchen wir überhaupt schon eine neue PlayStation? Die aktuelle Generation ist noch lange nicht am Ende.
Die PS5 hat bis Juni 2024 rund 60 Millionen Einheiten verkauft. Branchenanalyst Serkan Toto von Kantan Games geht davon aus, dass Sony den Release der PS6 frühestens 2028 plant. Der PS5-Zyklus befinde sich erst in der zweiten Hälfte, ähnlich wie bei der PS4, die nach sechs Jahren noch 20 Millionen Einheiten absetzte.
Was für einen späteren Release spricht
- Die PS5 ist noch vergleichsweise jung. Viele große Spiele erscheinen parallel für die Vorgängerkonsole.
- Entwickler stecken mitten in der Optimierung. Ein früher Generationswechsel würde viele Projekte abrupt beenden.
- Spieler haben erst langsam ihre Wunschliste abgearbeitet. Eine neue Konsole bedeutet neue Anschaffungskosten.
Konkrete Titel: Marvel's Wolverine (Insomniac Games, nach Spider-Man 2), Death Stranding 2 (Kojima Productions) und Grand Theft Auto VI (Rockstar Games) kommen allesamt für PS5, teilweise auch für PS4. GTA VI allein wird für Herbst 2025 erwartet. Sony selbst veröffentlichte mit The Last of Us Part II Remastered und Helldivers 2 2024 noch PS5-Spiele, die auf keiner neuen Hardware laufen müssen. Die PS4 erhielt bis 2022 neue Top-Titel, fünf Jahre nach dem PS5-Start.
Die stille Konkurrenz
Microsoft und Nintendo setzen auf Langlebigkeit ihrer aktuellen Hardware. Der Druck auf Sony, schnell nachzulegen, ist gering.
Ein zu früher Release könnte als unnötig empfunden werden, vor allem, wenn die technischen Sprünge marginal ausfallen.
Eine spätere PS6 gäbe Sony die Chance, eine wirklich ausgereifte Plattform zu liefern.
Die Nintendo Switch verkaufte sich über 141 Millionen Mal und bekommt erst 2025 einen Nachfolger. Microsofts Xbox Series X|S liegen laut Schätzungen bei 28 Millionen Einheiten. Sony hat mit der PS5 einen Vorsprung von über 30 Millionen auf Microsoft. Ein früher PS6-Release würde diesen Vorsprung riskieren. Historisch profitierte Sony von langen Generationen: Die PS2 dominierte den Markt über ein Jahrzehnt.
Aus der Geschichte lernen
Sony hat in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit langen Konsolenzyklen gemacht. Die PS4 profitierte von ihrer langen Laufzeit.
Die PS3 hingegen startete holprig, zu früh, zu teuer, zu komplex. Dieses Mal sollte man es langsamer angehen lassen.
Wer jetzt noch eine PS5 besitzt, muss sich keine Sorgen machen. Die besten Spiele dieser Generation könnten noch vor uns liegen.
Die PS2 lief von 2000 bis 2013 (13 Jahre) und verkaufte 155 Millionen Einheiten. Die PS4 erschien 2013, die Produktion endete 2023, zehn Jahre, 117 Millionen Einheiten. Der PS3-Start 2006 mit 600 US-Dollar und komplexer Cell-Architektur führte zu einem schwachen Absatz: 87 Millionen Gesamtverkäufe, hinter der Xbox 360. Mark Cerny, Architekt von PS4 und PS5, setzt auf einfache Entwicklung und Abwärtskompatibilität. Ein späterer PS6-Release würde diese Strategie fortsetzen.
Technologie und Fertigung
Eine neue Konsolengeneration erfordert leistungsfähige und kostengünstige Chips. Sonys Partner AMD plant seine Next-Gen-APUs auf Basis der RDNA 5 oder RDNA 6 Architektur. TSMC, der Fertiger, bringt das 2nm-Verfahren voraussichtlich 2026 in Serie. Ein PS6-Release vor 2028 würde entweder auf teureren 3nm-Chips basieren oder geringere Sprünge liefern. Beides wäre für Sony unattraktiv.