Die Maus, die als Torte ankommt
Nein, das ist kein Scherzartikel. Pulsar hat seine neueste Gaming-Maus buchstäblich in der Mitte durchgeschnitten und schickt sie als „crazy-light“-Modell ins Rennen. Der Hersteller verspricht ein Gewicht, das selbst Hardcore-Spielern die Augenbrauen hochziehen dürfte. In einem ersten Testbericht meint der Kollege von PCGamer trocken: „I swear it came like that,“ als er eine halbe Maus in der Hand hält. Die Kernfrage ist offensichtlich: Wie viel Maus braucht ein Mensch wirklich?
Die Antwort von Pulsar lautet offenbar: weniger als man denkt. Statt eines geschlossenen Gehäuses bietet die neue Maus lediglich die linke und rechte Hälfte, verbunden durch eine minimale Mittelbrücke. Das Design erinnert eher an ein Skelett als an ein vollwertiges Input-Gerät. Grip-Flächen, Mausrad und Tasten bleiben erhalten, aber jede unnötige Gramm Masse wurde geopfert. Das Ergebnis soll spielerisch kaum zu toppen sein, zumindest in puncto Leichtigkeit.
Was die Halbierung praktisch bedeutet
- Extremes Gewicht: Die Maus soll nur noch einen Bruchteil dessen wiegen, was selbst leichte Modelle wie die Logitech G Pro X Superlight (63g) oder die Razer Viper V2 Pro (58g) auf die Waage bringen.
- Reduziertes Gehäuse: Die Seitenteile sind komplett offen, der Akkublech und die Platine liegen frei. Der Hersteller setzt auf eine offene Bauweise, die an Custom-Modder erinnert.
- Fokus auf Performance: Die Komponenten (Sensor, Switches, Kabel oder Dongle) stammen aus der aktuellen High-End-Reihe, nur das Gehäuse wurde radikal entschlackt.
- Haltbarkeit als Frage: Ob die offene Konstruktion Stürze oder Schweiß übersteht, ist unklar. Pulsar scheint das Risiko bewusst einzugehen, um die 40-Gramm-Marke zu knacken.
Die Anmutung ist bewusst provokant. „Ich kaue an einer halben Maus“, schreibt der Tester weiter, ein Bild, das zwischen Faszination und Absurdität schwankt. Die Frage, ob ein solches Produkt überhaupt den Alltag eines Turnierspielers übersteht, bleibt vorerst unbeantwortet. Aber genau diese kühne Wucht macht den Reiz aus: Pulsar zeigt, was möglich ist, wenn man jede Designkonvention über Bord wirft.
Pulsars Weg zum Leichtgewicht-Spezialisten
Das südkoreanische Unternehmen Pulsar Gaming Gears machte sich in der Szene zunächst mit der Xlite-Serie einen Namen, einer leichten, ergonomischen Maus mit traditionellem Design. Seit 2021 hat sich die Marke auf ultra-leichte Modelle konzentriert und dabei mehrfach die 50-Gramm-Marke unterboten. Mit der X2-Serie (ca. 47–52g) und der Xlite V2 (ca. 53g) etablierte sich Pulsar als Alternative zu etablierten Größen wie Finalmouse oder Glorious.
- Die Xlite V2 zählte zu den ersten kabellosen Leichtgewichten mit optischem Sensor und holte sich positive Kritiken für ihre ausgewogene Form.
- Die X2 brachte eine symmetrische Variante und lockte FPS-Spieler an, die eine flache Bauweise bevorzugen.
- Mit der X2H und Xlite V3 folgten Iterationen mit verbesserten Schaltern und Akku-Management.
Der neue, halbierte Ableger ist eine logische Zuspitzung dieser Strategie. Wo andere Hersteller auf perforierte Schalen („Honeycomb“) setzen, geht Pulsar jetzt einen Schritt weiter und opfert die äußere Kontur komplett. Das erinnert an die frühen Experimente von Custom-Moddern, die aus teuren Mäusen ein Gerüst aus Filament und Kleber schnitzten. Pulsar macht daraus nun ein serienreifes Produkt, mit allen Konsequenzen.
Branchenkontext: Der Wettlauf um den leichtesten Klick
Der Peripherie-Markt erlebt seit Jahren einen Wettlauf nach unten: Immer dünnere Gehäuse, immer kleinere Akkus, immer sparsamere Leiterplatten. Finalmouse setzt mit der Starlight-12 (42g) Maßstäbe, Glorious’ Model D- (45g) und die HyperX Pulsefire Haste (59g) sind nur einige Konkurrenten. Doch keine dieser Mäuse kommt der 40-Gramm-Grenze so nahe wie Pulsars neue Kreation, wenn sie nicht sogar unterschritten wird.
- Gewichts-Kaskade: 2020 galt eine Maus unter 80g als leicht, 2023 sind 50g der Standard im Pro-Bereich, nun liegt die Latte bei 40g.
- Material-Experimente: Von Karbonfaser bis zu magnesiumlegierten Gehäusen war alles dabei, Pulsar scheint nun einfach einen Teil des Gehäuses wegzulassen.
- Verstärkter Zulauf von Enthusiasten: Kleine Hersteller wie Pulsar oder Ninjutso gewinnen an Einfluss, weil sie schneller auf Community-Wünsche reagieren als Großkonzerne.
Dieser Schritt dürfte die Diskussion über Komfort und Robustheit neu entfachen. Denn eine Maus, die nur noch aus zwei Griffhälften besteht, wird nicht jedem Händchen passen. Spieler mit großen Händen werden sich schwer tun, eine stabile Auflagefläche zu finden. Andererseits: Bei Bewegungen bis zu 2000 DPI zählt vor allem die Agilität, und die liefert die Maus mit Sicherheit.
In Foren und auf Discord-Servern wird die Halbierung heftig diskutiert. Manche feiern den Mut zur Absurdität, andere warnen vor zu viel Innovation. Der Satz „I swear it came like that“ aus dem Testbericht ist längst zu einem Meme geworden, das die ambivalente Haltung vieler Spieler perfekt einfängt. Der Zungenschlag zeigt: Hier kollidieren Perfektionismus und Pragmatismus.
- Pro-Stimmen: „Wenn es am Ende 35g wiegt, ist es ein Geniestreich. Ich habe schon mit kaputten Mäusen gezockt, die besser liefen.“
- Contra-Stimmen: „Ich will meine Handfläche auf etwas Hartes legen können, nicht auf eine halbe Kartoffelchips.“
- Humor-Posts: Zahlreiche Memes zeigen halbierte Tastaturen, geteilte Headsets oder sogar geschnittene Monitore als satirische Antworten.
Pulsar selbst hält sich mit offiziellen Statements bislang zurück. Der Hersteller veröffentlichte lediglich ein Bild der Maus auf Twitter mit dem Untertitel „Form follows Function, oder auch nicht.“ Das deutet darauf hin, dass das Unternehmen den PR-Effekt bewusst sucht. Ob der Spaß in eine Massenproduktion geht, steht in den Sternen. Doch als Statement gegen die Konkurrenz ist dieses Produkt ein Volltreffer.
Technische Details, die man nicht ignorieren sollte
Trotz des ungewöhnlichen Äußeren steckt in dem Modell offenbar die neueste Hardware-Generation. Es ist anzunehmen, dass ein hochauflösender optischer Sensor (bis 26.000 DPI) verbaut ist, wie er auch in den aktuellen Pulsar-Mäusen zum Einsatz kommt. Die Taster dürften optische Switches von Kailh oder Omron enthalten, die eine schnelle Betätigung ohne Doppelklick-Probleme ermöglichen. Der Akku fällt kleiner aus, weil weniger Gehäusevolumen Platz bietet, aber die Laufzeit soll dank effizienter Chipsätze dennoch bei rund 60 Stunden liegen.
- Verbindung: Kabellos per 2,4-GHz-Funk oder Bluetooth, das Kabel wäre bei so viel Offenheit fehl am Platz.
- Maße: Die Grundform entspricht einer mittelgroßen Maus (ca. 120×60 mm), aber die offenen Seiten verändern die effektive Handposition.
- Gewicht: Offiziell noch nicht bestätigt, aber Gerüchte sprechen von unter 40g, eine Zahl, die jede bisherige Serienmaus unterbietet.
Erstaunlich ist, dass Pulsar auf klassische Perforation verzichtet. Statt Löchern im Gehäuse wird das Material einfach weggelassen, was die Stabilität nur auf die tragenden Elemente konzentriert. Das erfordert eine völlig neue Spritzguss-Technik und zeigt, wie weit die Produktion in den letzten Jahren optimiert wurde. Die Haptik könnte unter Staub leiden, doch für den Esport-Einsatz ist das Nebensache.
Fazit: Ein Statement, das Geschichte schreiben könnte
Die halbierte Maus von Pulsar ist mehr als ein Gimmick. Sie dokumentiert, dass die Jagd nach dem geringsten Gewicht keine Grenzen kennt, und dass einzelne Hersteller dazu bereit sind, ergonomische Dogmen über Bord zu werfen. Ob sich das Teil durchsetzt oder nur ein Sammlerstück für Ausgeflippte wird, hängt von der Akzeptanz der Spieler ab. Aber schon jetzt ist klar: Pulsar hat die Messlatte für mutige Hardware-Designs ein Stück höher gelegt.
Der Spruch „I swear it came like that“ wird in die Anekdoten-Geschichte des Zubehörs eingehen, so wie die berühmte „Banana-Mouse“ aus dem Retro-Bereich. Wer künftig mit einer angeschnittenen Maus spielt, kann zumindest mit einem Gesprächseinstieg punkten. Und wer sie ablehnt? Der hat immerhin die Wahl, auf die bewährten Vollkörper-Modelle zurückzugreifen, bis Pulsar vielleicht das Gehäuse komplett abschafft und nur noch ein Sensor-Stück liefert.