Fast ein Jahrzehnt ist genug
Nintendo stellt die Auslieferung von Switch, Switch Lite und Switch OLED in Europa ab Februar 2027 ein. Der hauseigene Nintendo Store stoppt den Verkauf ebenfalls in diesem Monat. Das entspricht ziemlich genau zehn Jahren nach dem Launch der Hybridkonsole im März 2017.
Seit 2017 hat Nintendo rund 143 Millionen Switch-Einheiten verkauft (Stand Dezember 2024). Damit ist sie die drittmeistverkaufte Konsole aller Zeiten hinter PlayStation 2 (155 Mio.) und Nintendo DS (154 Mio.). Der Vorgänger Wii U kam auf nur 13,56 Millionen, ein kommerzieller Misserfolg, der Nintendos Existenz in der Heimkonsolenbranche infrage stellte. Die Switch rettete das Unternehmen und definierte das Konzept der portablen Heimkonsole neu.
Nintendo hatte die Switch als Antwort auf die schwachen Verkaufszahlen der Wii U entwickelt. Die Wii U verkaufte sich so schlecht, dass Nintendos hauseigene Softwareentwicklung kaum noch finanziert werden konnte. Die Switch dagegen kombinierte die Bibliothek des Handhelds 3DS (75 Millionen Einheiten) mit einer Heimkonsolen-Leistung, die für Indie-Titel und Ports ausreichte. Entwickler wie CD Projekt Red brachten „The Witcher 3“ auf die Konsole, ein technisches Wunder mit deutlichen Abstrichen bei Auflösung und Framerate, aber ein Verkaufsargument für die Zielgruppe.
EU-Regulierung zwingt zum Handeln
Grund für den Rückzug ist die EU-Batterieverordnung 2023/1542, die ab Februar 2027 vorschreibt, dass Geräte mit fest verbauten Akkus von Endnutzern austauschbar sein müssen. Die erste Switch-Generation ließe sich nur mit hohem Aufwand nachrüsten, Nintendo hielt das für unwirtschaftlich.
- Die Switch war bereits in der Spätphase ihres Lebenszyklus. Spieleentwickler konzentrieren sich längst auf die Switch 2.
- Für Nordamerika gibt es keine vergleichbare Regulierung; der Verkauf läuft dort weiter.
- Andere Hersteller reagieren ähnlich: Microsoft hat die Xbox Series S/X ebenfalls mit wechselbaren Akkus im Controller ausgestattet. Sony hingegen bietet bei der PS5 keine benutzerfreundliche Akkuwechselmöglichkeit, die EU-Verordnung betrifft primär Geräte mit wiederaufladbaren Batterien, die nicht vom Nutzer gewechselt werden können.
Die EU-Batterieverordnung trat am 17. August 2023 in Kraft und gilt ab dem 18. Februar 2027 für alle „tragbaren Batterien“ in Geräten. Nintendo hätte die Switch umkonstruieren müssen, um den Akku über eine lösbare Verbindung zugänglich zu machen. Die Kosten für eine neue Revision und die Zertifizierung wären hoch gewesen, bei einer Konsole, die ohnehin ausläuft. Sony musste 2024 für die PS5 ein Update der Akkuhalterung vornehmen, die bei älteren Modellen nur mit Spezialwerkzeug zu öffnen war. Microsoft verbaut in den Xbox Wireless Controllern bereits seit 2020 AA-Batterien, kein Problem für die Regulierung.
Switch 2 liefert, mit wechselbarem Akku
Nintendo kommt der Right-to-Repair-Richtlinie mit der Switch 2 nach. Noch diesen Sommer erscheinen Modelle mit leicht austauschbaren Batterien. Nintendo betont, die Revisionen seien „praktisch identisch“ zur bereits erhältlichen Switch 2. Wegen Bauteilengpässen könnte der Marktstart in Europa regional gestaffelt erfolgen.
Die Switch 2 nutzt einen SoC von Nvidia auf Basis der Tegra-Orin-Architektur (Codename T239). Offizielle Spezifikationen fehlen noch, aber aus Entwickler-Leaks gehen hervor: 12 GB RAM, 256 GB interner Speicher, 7,9-Zoll-LCD (kein OLED). Die Joy-Con der neuen Generation werden magnetisch befestigt, anders als die Schienen der ersten Switch. Der wechselbare Akku wird über eine Klappe auf der Rückseite zugänglich sein, ähnlich wie beim Steam Deck (2022). Valve zeigte mit dem Steam Deck, wie ein wechselbarer Akku in einem Handheld-PC funktioniert. Die Switch 2 unterstützt DLSS 3 und Raytracing, eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber der Tegra X1 der ersten Switch, die technisch bereits zum Launch 2017 veraltet war. Das Drift-Problem der Joy-Con, das zu mehreren Sammelklagen führte, soll durch verbesserte Hall-Effekt-Sensoren behoben sein.
Game-Key Cards: Ein Dorn im Auge der Preservation
Während Nintendo bei der Hardware auf Reparierbarkeit setzt, bleibt die Software-Seite umstritten. Die Switch 2 ist eine der letzten aktuellen Konsolen mit physischen Datenträgern, Sony hat Discs bei der PS5 Pro de facto aufgegeben. Nintendo drückt bei Drittanbieter-Titeln vermehrt Game-Key Cards, die nur einen Downloadcode enthalten.
- Beispiele: „Call of Duty: Black Ops Cold War“ (2020) erschien in Europa als Key-Card, ebenso „Alan Wake Remastered“ (2022) für Switch. Die Karte enthielt 256 MB Daten, den Code. Das eigentliche Spiel benötigt 12 GB. Händler wie GameStop verweigern den Ankauf solcher Karten, da der Code bereits eingelöst ist.
- Die Organisation Video Game History Foundation (VGHF) schätzt, dass etwa 87 % der vor 2010 veröffentlichten Spiele nicht mehr kommerziell erhältlich sind. Game-Key Cards verschärfen das Problem: Ohne Server-Infrastruktur sind die Titel unspielbar.
- Nintendo selbst bietet First-Party-Titel („The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom“, „Super Mario Odyssey“) weiterhin als vollständige Module an. Die Entscheidung liegt bei den Publishern.
Die EU-Kommission hat bisher keine Stellungnahme zu Key-Cards abgegeben. Die Initiative „Stop Killing Games“ sammelte 2024 über 100.000 Unterschriften für ein Verbot von Key-Cards, die als physischer Datenträger deklariert werden. Nintendo argumentiert, dass die Karten die Lagerhaltung vereinfachen und Regalfläche optimieren. Spieleerhaltungs-Aktivisten sehen darin einen Angriff auf die langfristige Archivierung von Spielen.