Zwei Programme für eine Kamera
Die Razer Kiyo V2 ist eine echte Allrounderin: 4K-Auflösung, HDR, ein ultraweites Sichtfeld und KI-Spielereien stehen auf dem Papier. Doch statt einer einheitlichen Software-Lösung liefert Razer gleich zwei Apps mit. Neben der hauseigenen Synapse gibt es eine lebenslange Lizenz für Camo Studio Pro.
Das sorgt für Verwirrung, denn für manche Einstellungen müsst ihr in Synapse, für andere in Camo Studio wechseln. Nach mehreren Wochen Nutzung wird klar: Die Trennung ist nicht ideal, aber die gebotene Qualität entschädigt oft.
Aufnahmequalität und Mikrofon
- Die Bildqualität überzeugt mit natürlichen Farben und guter Dynamik.
- HDR glättet helle und dunkle Bereiche, ohne künstlich zu wirken.
- Das interne Mikrofon klingt klar genug für kurze Streams oder Meetings, wer hohe Ansprüche hat, greift trotzdem zu einem externen.
Die KI-Features wie Gesichtsverfolgung oder Autofokus arbeiten flüssig, benötigen aber die jeweilige App. Einmal eingerichtet, läuft die Webcam stabil. Das rosafarbene Gehäuse ist ein echter Hingucker für alle, die einen Farbtupfer auf dem Schreibtisch mögen.
Preis und Fazit
Mit 169,99 Euro liegt die Kiyo V2 im oberen Mittelfeld. Die lebenslange Camo-Studio-Lizenz ist ein netter Bonus, doch die doppelte Software-Installation ist ein Wermutstropfen. Wer mit zwei Programmen leben kann, bekommt eine solide Streaming-Webcam mit starken Features und einem ungewöhnlichen Look.
Hintergrund: Camo Studio und die Entwickler
Camo Studio stammt von Reincubate, einem britischen Unternehmen, das 2014 mit Tools zur iOS-Datenextraktion wie iPhone Backup Extractor startete. 2019 brachten sie eine Mac-App heraus, die iPhone-Kameras als hochwertige Webcams nutzbar machte, ein Nischenprodukt, das während der Pandemie rasant wuchs. Die Razer-Kooperation war die erste Lizenzintegration einer großen Hardware-Marke, die Camo Studio Pro direkt beilegt.
- Reincubate verkauft Camo Studio Pro regulär für 49,99 Euro pro Jahr oder 149,99 Euro einmalig.
- Die Version in der Kiyo V2 ist zeitlich unbegrenzt und mit allen Pro-Features ausgestattet (Rauschen, Hintergrundunschärfe, Drittanbieter-Integration).
- Allerdings aktualisiert Razer die beigelegte Lizenz nicht automatisch, für neue Features müsste der Nutzer separat eine neue Lizenz kaufen, was im Kleingedruckten steht.
Die Razer-Kiyo-Reihe im Marktvergleich
Die erste Razer Kiyo erschien 2019 als 720p-Webcam mit Ringlicht für 99,99 Euro. 2021 folgte die Kiyo Pro mit 1080p, Sony Starvis-Sensor und ebenfalls 169,99 Euro, aber ohne HDR und ohne KI-Tracking. Die V2 löst die normale Kiyo ab, nicht die Pro-Reihe, die Firma bietet aktuell drei Modelle an: Kiyo (1080p, 129 Euro), Kiyo Pro (1080p HDR, 199 Euro) und Kiyo V2 (4K HDR, 169 Euro).
- Gegenüber der Konkurrenz: Die Logitech Brio 4K kostet 199 Euro, hat kein KI-Tracking, aber eine einheitliche Logitech G Hub.
- Die Elgato Facecam (199 Euro) verzichtet auf 4K und HDR, liefert aber 1080p 60fps und eine schlanke Software ohne Cloud-Zwang.
- Im unteren Preissegment bieten AverMedia PW515 (4K, 299 Euro) und Microsoft Modern Webcam (1080p, 69 Euro) Alternativen mit weniger Software-Kosmetik.
Razer hat mit der Kiyo V2 ein eigenes Ökosystem geschaffen, das auf den wachsenden Markt der VTuber und Pastell-Gaming-Setups zielt. Die rosafarbene Version soll die Quartz-Edition ergänzen, die Razer seit 2018 für Mäuse, Tastaturen und Headsets anbietet. Die V2 in Schwarz folgt voraussichtlich im Herbst 2024, dann ohne den Farbaufpreis, aber mit gleichen Spezifikationen.