Endlich Schluss mit dem Dauerläufer?
Riot Games hat ein Update für seinen Vanguard Anti-Cheat veröffentlicht. Ab sofort lässt sich das Kernel-Treiber-Programm nach dem Spielen deaktivieren. Das ging bisher nicht, Vanguard lief permanent im Hintergrund und blockierte teils andere Anwendungen oder Spiele.
Wer profitiert? Nicht jeder.
- Die Funktion richtet sich an Spieler von Valorant und League of Legends.
- Eine Einschränkung gibt es: Nur wer ein unterstütztes System hat, kann den Anti-Cheat komplett herunterfahren.
- Riot spricht von "most of you", also den meisten, aber nicht allen. Details zu den Ausnahmen blieben bisher aus.
Riot Games: Vom MOBA-Pionier zum Multi-Genre-Studio
Riot wurde 2006 von Brandon Beck und Marc Merrill gegründet. Ihre Inspiration war die Warcraft-III-Mod Defense of the Ancients. 2009 erschien League of Legends, es etablierte das MOBA-Genre kommerziell und zog 2023 über 150 Millionen monatliche Spieler an. 2020 folgte Valorant, ein taktischer Shooter mit Heldenfähigkeiten. Beide Titel setzen auf Vanguard als Anti-Cheat. Riot gehört mehrheitlich dem chinesischen Tencent-Konzern, der 2011 eine Mehrheitsbeteiligung erwarb. Das Studio beschäftigt heute über 4.500 Mitarbeiter weltweit.
So funktioniert die Abschaltung
Nach dem Beenden des Spiels erscheint ein neues Symbol in der Taskleiste. Ein Rechtsklick darauf und "Vanguard beenden", fertig. Der Treiber wird gestoppft, aber nicht deinstalliert. Beim nächsten Start des Spiels startet Vanguard automatisch neu. Ein schneller Vorgang, der keine manuelle Neuinstallation erfordert.
Ein Sieg für die Privatsphäre?
Vanguard galt wegen seines Kernel-Zugriffs als kontrovers. Viele Spieler störten sich an der ständigen Ausführung und dem erhöhten Speicherverbrauch. Mit dem Update kommt Riot den Kritikern entgegen, ohne die Sicherheit zu gefährden. Das Anti-Cheat bleibt aktiv, solange das Spiel läuft, und schützt vor Cheatern.
Hintergrund: Warum Vanguard so umstritten war
Seit Einführung von Valorant 2020 läuft Vanguard als Kernel-Treiber. Viele Spieler kritisieren das als zu tiefen Eingriff. Andere Spiele oder Treiber wurden zeitweise blockiert. Vanguard belegte im Leerlauf bis zu 200 MB Arbeitsspeicher, ein Problem vor allem auf Low-End-Systemen. Riot hielt jedoch an dem System fest, mit Verweis auf die Effektivität gegen Cheater. Nun kommt ein Kompromiss.
Anti-Cheat-Systeme im Vergleich: Kernel-Zugriff bleibt Standard
Vanguard ist kein Einzelfall. Easy Anti-Cheat (EAC), eingesetzt in Fortnite und Apex Legends, läuft ebenfalls im Kernel-Modus. BattlEye in Rainbow Six Siege hatte ähnliche Kontroversen. Anders als Vanguard erlaubten beide oft eine Deaktivierung nach Spielende. Riot zieht nun nach. Laut einer PC-Gamer-Umfrage von 2022 befürworteten 68 Prozent der Spieler eine Abschaltoption. Branchenweit nutzen schätzungsweise 70 Prozent der kompetitiven Online-Shooter Kernel-Anti-Cheat.
Fazit: Mehr Kontrolle, kein Freibrief
Riot bietet eine sinnvolle Option für alle, die Vanguard nicht dauerhaft im System haben wollen. Die Einschränkung "most of you" zeigt: Nicht jedes Setup wird unterstützt. Wer zu den Ausnahmen zählt, muss weiter mit dem Dauerlauf leben.