Überraschung aus Cambridge
Ninja Theory hat ein neues Hellblade-Spiel enthüllt. Es trägt nicht den Titel „Hellblade III“ und geht einen völlig anderen Weg. Das Studio aus Cambridge, 2000 von Nina Kristensen, Mike Ball und Tameem Antoniades gegründet, machte sich mit Heavenly Sword (2007) und Enslaved: Odyssey to the West (2010) einen Namen. 2013 folgte DmC Devil May Cry, ein kontroverses, aber actionreiches Reboot. 2018 übernahm Microsoft die Firma; seither gehört Ninja Theory zu Xbox Game Studios.
Statt psychologischem Horror steht Action-Adventure im Mittelpunkt. Die Spielmechaniken wurden komplett überarbeitet. Das ist nicht der erste Richtungswechsel des Studios: Mit Senua’s Saga: Hellblade II (Mai 2024, Xbox Series X|S und PC) blieb man noch beim düsteren Psychothriller. Der neue Titel erscheint laut Ankündigung zeitgleich für alle Plattformen, inklusive PlayStation 5, eine Premiere für das Franchise.
Was sich geändert hat
- Das Gameplay fokussiert auf schnelle Kämpfe und Rätsel in offenen Arealen.
- Die düstere Atmosphäre bleibt, doch der Fokus liegt auf direkter Action.
- Senua kämpft gegen konkrete Gegner, nicht gegen innere Dämonen.
Die Quelle Dot Esports berichtet von einer deutlichen Temposteigerung. Keine langsamen Schreitpassagen mehr, sondern dynamische Verfolgungsjagden und Bosskämpfe. Im Vergleich zu Senua’s Sacrifice (2017), das mit klaustrophobischen Korridoren und langsamer Kameraführung arbeitete, setzt der Neuling auf weite Schluchten und vertikale Bewegungsfreiheit. Entwickler Tameem Antoniades deutete in einem Interview an, dass die Spielzeit rund 12 bis 15 Stunden betragen wird, der Vorgänger lag bei 20 Stunden für den Hauptweg.
Neben Project Mara, einem separaten Horrorprojekt von Ninja Theory, ist dies der zweite neue Titel des Studios seit der Microsoft-Übernahme. Der Fokus auf schnelle Action erinnert an die Arbeit des Teams an DmC Devil May Cry, das 2013 für seine flüssigen Kombos und knallharten Bosskämpfe gelobt wurde.
Kein Hellblade III
Das Spiel ist kein direkter Nachfolger der ersten beiden Teile. Es handelt sich laut der Meldung um ein separates Projekt.
- Die Handlung knüpft nicht an Hellblade: Senua’s Sacrifice an.
- Senua selbst kehrt zurück, aber mit einer neuen, aktiveren Rolle.
- Der emotionale Tiefgang soll erhalten bleiben, nur anders verpackt.
Ninja Theory experimentiert mit dem Franchise. Ob das Experiment aufgeht, bleibt abzuwarten. Der erste Eindruck ist jedoch energiegeladen und überraschend. Die Verkaufszahlen der Vorgänger zeigen, warum das Studio ein Risiko eingeht: Senua’s Sacrifice verkaufte sich über eine Million Mal, Senua’s Saga erreichte laut Microsofts Angaben im ersten Monat rund 500.000 Spieler via Game Pass. Ein actionlastiger Ableger könnte ein breiteres Publikum ansprechen.
Studio-Historie: Ninja Theory
- Gegründet 2000 in Cambridge als Independent-Studio.
- Durchbruch mit Heavenly Sword (PS3), das filmische Inszenierung mit Hack-and-Slay verband.
- Enslaved: Odyssey to the West (2010) bekam für seine Story und Performance-Capturing viel Kritikerlob, verkaufte sich aber schwach.
- DmC Devil May Cry (2013) polarisierte: Fans der Serie kritisierten den neuen Look, das Spiel selbst bekam hohe Wertungen (Metacritic 86/100).
- Seit 2018 First-Party-Studio von Microsoft; parallel zu Hellblade arbeitet das Team an Project Mara, einem narrativen Horror-Titel ohne konkrete Veröffentlichung.
Das Studio hat also mehrfach bewiesen, dass es Genregrenzen überschreiten kann. Der Wechsel von Hellblade vom Psychohorror zum Action-Adventure ist kein Novum: Bereits Heavenly Sword war ein reines Actionspiel, DmC ein explosiver Brawler. Die Frage ist, ob die Marke ihren wiedererkennbaren Kern behält.
Branchenkontext: Action-Adventure-Markt
Der Schritt erinnert an Serien wie God of War (2018), das von einer isometrischen Hack-and-Slay-Reihe zu einem narrativen Action-Adventure mit Kameraperspektive wechselte, mit großem Erfolg (über 20 Millionen verkaufte Einheiten). Auch Resident Evil driftete nach Resident Evil 6 von Survival-Horror zur Action, bevor es mit Resident Evil 7 zurückfand.
Konkret: Das neue Hellblade bewegt sich in einem Feld, das von Titeln wie Sekiro: Shadows Die Twice oder Ghost of Tsushima dominiert wird, beide setzen auf präzises Timing, offene Level und Bosskämpfe. Senua’s Sacrifice war dagegen ein Nischenerfolg mit atmosphärischer Dichte statt Actiondichte. Ninja Theory riskiert, die treue Fanbase zu verprellen, könnte aber neue Spieler gewinnen.
Laut Metacritic hat Senua’s Sacrifice eine Wertung von 83/100 (PC), Senua’s Saga liegt bei 81/100. Der neue Titel müsste sich in diesem Bereich bewegen, um als gelungener Experiment zu gelten. Ein Vergleich mit DmC (86/100) zeigt, dass das Studio actionlastige Spiele beherrscht. Ob das Publikum den Schwenk akzeptiert, hängt von der Qualität der Kämpfe und der Einbindung von Senuas psychischer Thematik ab.
Ein Risiko mit Potenzial
Fans der düsteren Psychoreise müssen sich umstellen. Wer schnelle Reaktionen und actionreiche Kämpfe mag, könnte belohnt werden. Das Spiel ist ab sofort erhältlich. Eine Demo gibt es nicht, aber erste Gameplay-Videos zeigen die neue Richtung deutlich. Das Team von Ninja Theory arbeitet nach eigenen Angaben bereits an einem weiteren, noch unangekündigten Projekt, möglicherweise ein dritter Hellblade-Teil im alten Stil.