Ein Schaf kehrt zurück
Shaun the Sheep bekommt einen neuen Kinofilm. Der Ableger der Wallace-&-Gromit-Reihe vollzieht dabei offiziell einen Genrewechsel. Die Ankündigung setzt früh auf Gruselstimmung, lange bevor der Herbst beginnt. Konkrete Angaben zu Titel, Starttermin oder Handlung liegen bislang nicht vor. Sicher ist nur die Rückkehr der Figur aus Mossy Bottom.
Was der Wechsel bedeutet
- Bisher war Shaun the Sheep reine Slapstick-Comedy ohne ein gesprochenes Wort, getragen von Timing und Mimik.
- A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon von 2019 war eine Science-Fiction-Parodie mit Anspielungen auf Alien-Filme und Space-Operas.
- Der nächste Film verlässt dieses Terrain und bewegt sich in eine deutlich dunklere Richtung.
- Bestätigt ist der Genrewechsel selbst, nicht das konkrete Zielgenre.
- Wer jetzt schon von einem Horrorfilm für Kinder ausgeht, spekuliert. Aardman hat dazu nichts erklärt.
Von A Close Shave zum eigenen Franchise
Seinen ersten Auftritt hatte Shaun 1995 in Wallace & Gromit: A Close Shave. Der Kurzfilm von Nick Park gehört zu den bekanntesten Arbeiten des Studios und gewann einen Oscar. Aus der Nebenrolle wurde 2007 eine eigene Serie, die das Schaf und seine Herde in kurzen, dialogfreien Episoden zeigte. Seitdem hat sich Shaun zur zweiten großen Marke neben Wallace und Gromit entwickelt. Für viele Zuschauer ist er der zugänglichste Einstieg in die Stop-Motion-Welt von Aardman.
Aardman Animations aus Bristol
Aardman wurde 1972 von Peter Lord und David Sproxton gegründet, lange bevor Knete im Kino regelmäßig Geld einspielte. Der Durchbruch kam mit Nick Parks Wallace & Gromit-Kurzfilmen ab 1989 und dem Oscar für The Wrong Trousers 1993. Ein Brand im Oktober 2005 zerstörte einen Großteil des Archivs mit Originalfiguren und Kulissen, das Studio arbeitete danach weiter. 2018 wurde Aardman mehrheitlich in die Hände der eigenen Belegschaft übergeben, ein in der Branche seltener Schritt. Der Sitz ist bis heute Bristol.
Die Filmografie des Schafs
- A Close Shave (1995): erster Auftritt als Nebenfigur im Wallace-&-Gromit-Kurzfilm.
- Shaun the Sheep (ab 2007): eigene Serie mit kurzen, dialogfreien Folgen fürs Fernsehen.
- Shaun the Sheep Movie (2015): Kinofilm mit Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Animationsfilm.
- The Farmer’s Llamas (2015): halbstündiges Special, das die Lamas in die Serie brachte.
- Farmageddon (2019): zweiter Kinofilm, diesmal als Science-Fiction-Parodie, international über Netflix verbreitet.
- The Flight Before Christmas (2021): Weihnachts-Special mit rund 30 Minuten Laufzeit.
Stop-Motion als Nischenhandwerk
Reine Stop-Motion-Produktionen sind heute teuer und langsam. Ein Kinofilm dieser Machart braucht Jahre, weil jede Bewegung Bild für Bild entsteht. Aardman ist neben Laika (Coraline, Kubo) eines der wenigen Studios, die dieses Verfahren noch im Langformat durchhalten. Gleichzeitig setzt der Markt stark auf digital produzierte Animationsfilme, die schneller und günstiger fertig werden. Dass Aardman trotzdem neue Shaun-Filme ankündigt, ist wirtschaftlich bemerkenswert. Der Erfolg von Wallace & Gromit: Vengeance Most Fowl dürfte diese Entscheidung gestützt haben.
Offene Fragen zum neuen Film
- Ist der Genrewechsel eine Parodie oder ein ernst gemeinter Ausflug ins Gruselfach?
- Bleibt Shaun stumm, oder bekommt der Film erstmals Dialoge?
- Erscheint der Film im Kino oder direkt beim Streamingdienst?
- Kehren bekannte Figuren wie der Farmer, Bitzer oder die Herde zurück?
- Wie dunkel darf ein Film werden, dessen Kernpublikum Familien mit kleinen Kindern sind?
Ein Fakt zum Schluss
Aardmans Knetoptik ist kein Zufall, sondern eine Produktionsentscheidung mit Konsequenzen: Fingerabdrücke auf den Figuren bleiben sichtbar und sind Teil des Looks. Shaun selbst existiert seit über 30 Jahren als physische Figur aus Modelliermasse, nicht als Datensatz. Ein Genrewechsel ändert an dieser Herstellung nichts. Nur die Geschichten, die mit ihr erzählt werden, werden andere.