Eine Brille, die wörtlich im Gesicht steht
Snap hat eine neue Augmented-Reality-Brille vorgestellt. CEO Evan Spiegel bezeichnet das Gerät als „highly wearable“, also äußerst bequem zu tragen.
Ein begleitender Videoclip zeigt jedoch etwas anderes: Die dicken, klobigen Rahmen drücken sichtbar auf Spiegels Ohrläppchen. Die Haut wird eingeklemmt, die Ohren scheinen darunter zu leiden.
Ein Widerspruch zwischen Werbung und Wirklichkeit
- Der CEO nennt die Brille „angenehm zu tragen“.
- Das Video zeigt genau das Gegenteil: Die Ohrläppchen werden gequetscht.
- Die Quelle (PCGamer) betont: „This is definitely not a joke that got out of hand.“
Es handelt sich also nicht um einen Scherz oder PR-Gag. Snap meint es offenbar ernst mit dem Design.
Retro-Gaming-Perspektive: AR-Brillen für Spieler?
Viele Gamer hoffen auf AR-Brillen für Spiele wie Pokémon Go oder Minecraft Earth. Doch bei diesem Modell stellt sich eine Frage: Wer möchte sich stundenlang etwas auf die Ohren quetschen lassen?
Snap argumentiert, dass die Brille für den ganzen Tag tragbar sei. Das Video legt nahe, dass dies eher unbequem wird.
Kein Scherz, aber eine gewisse Komik
Die Aussage aus der Redaktion, es sei definitiv kein außer Kontrolle geratener Witz, macht die Sache noch skurriler. Das Unternehmen präsentiert ein Produkt, das im selben Clip sein eigenes Verkaufsargument untergräbt.
Ob die Brille jemals in den Handel kommt, ist unklar. Fest steht: Der CEO trägt sie selbst, und zeigt dabei sichtbare Schmerzensspuren.
Snaps Weg zu AR: Von der Kamera-Brille zur Mixed Reality
Snap (früher Snapchat Inc.) brachte 2016 die erste Spectacles-Generation auf den Markt. Die Sonnenbrille filmte kurze Rundum-Videos und wurde zum Trendobjekt, verkaufte sich aber nur mäßig. 2019 folgte Spectacles 3 mit zwei Kameras für Tiefenerfassung, Preis: 380 Dollar. 2021 erschien eine Entwickler-Version mit echten AR-Funktionen (3D-Overlays, Objekterkennung), die jedoch nicht für Endkunden erhältlich war.
- Bis 2020 wurden laut Snap rund 2 Millionen Spectacles aller Generationen verkauft.
- Die neue Brille ist kein Nachfolger der Spectacles-Serie, sondern ein separates Produkt mit eigenem Betriebssystem (Snap OS).
- Snap kooperiert mit Qualcomm für die Snapdragon XR2-Chips, die auch in Meta Quest Pro und HoloLens 2 stecken.
Die gezeigte AR-Brille wirkt klobiger als die schlanken Spectacles 3, das liegt am integrierten Computer, den Projektoren und den vier Kameras. Entwickler berichten von einem Gewicht über 200 Gramm, was bei längerem Tragen Druckstellen verursacht.
Branchenkontext: Wer liefert noch AR-Brillen?
Snap tritt gegen etablierte Player an. Microsoft verkauft HoloLens 2 seit 2019 für 3500 Euro, primär an Industriekunden. Das Gerät wiegt 566 Gramm und wird oft mit Stirnband getragen. Apple stellte 2023 die Vision Pro vor (3500 Dollar), die mit einem externen Akku und 650 Gramm Gewicht ebenfalls nicht für leichten Dauergebrauch konzipiert ist.
- Meta verfolgt mit der Quest Pro (1500 Dollar) einen Hybrid-Ansatz: VR mit farbigen Passthrough-Kameras.
- Magic Leap 2 (3300 Dollar) richtet sich an Medizintechnik und Fertigung.
- Niantic, Entwickler von Pokémon Go, arbeitet an einer eigenen AR-Brille (Codename „Lightscape“), aber ein Termin fehlt.
Keines dieser Geräte hat den Massenmarkt erreicht. Die größte Hürde ist der Kompromiss zwischen Rechenleistung, Akkulaufzeit und Tragekomfort. Snaps Newcomer-Brille scheint genau an diesem Punkt zu scheitern, zumindest aus Sicht des eigenen CEOs.
Zahlen und Fakten zur neuen AR-Brille
Loxo Nach offiziellen Angaben von Snap verfügt die Brille über ein 46-Grad-Sichtfeld, das AR-Overlays ins Sichtfeld einblendet. Zum Vergleich: Microsoft HoloLens 2 kommt auf 52 Grad, Apple Vision Pro auf rund 100 Grad (allerdings per Eye-Tracking optimiert). Die Akkulaufzeit soll bei etwa 2 Stunden liegen. Ein Preis wurde nicht genannt; Analysten rechnen mit 400 bis 600 Dollar für die Entwickler-Edition.
Das Video, das die Ohrläppchen des CEO zeigt, stammt von einem internen Event. PCGamer spekuliert, dass die Bügelpolster noch nicht final abgestimmt sind. Fakt ist: Snap hat bereits Patente für flexible Bügel mit integrierten Lautsprechern eingereicht. Ob die finale Version anders aussehen wird, bleibt offen.