Sonic-Team-Chef träumt von Remakes aller Klassiker
Er würde am liebsten jeden Sonic-Titel „magisch“ neu auflegen, das hat der Lead des Sonic Teams im Gespräch mit GamesRadar+ verraten.
Doch der Haken: Der Aufwand wäre genau so groß, als würde man ein komplett neues Spiel entwickeln.
Studio-Historie: Vom Mega Drive zur Hedgehog Engine
Das Sonic Team wurde 1990 von Yuji Naka gegründet, damals als internes Studio von Sega. Der erste Titel, Sonic the Hedgehog (1991), entstand in neun Monaten und verkaufte sich über 15 Millionen Mal.
Naka verließ das Studio 2006 nach internen Spannungen, die Entwicklung des katastrophalen Sonic the Hedgehog (2006) fiel in diese Übergangsphase. Seit 2013 führt Takashi Iizuka das Team, er war Level-Designer bei Sonic 2 und Director von Sonic Adventure.
Das Team arbeitet heute mit der hauseigenen Hedgehog Engine 2, die für Sonic Frontiers (2022) entwickelt wurde. Ein Remake eines 2D-Klassikers müsste entweder auf diese Engine portiert oder eine separate 2D-Engine gebaut werden, beides kostet Monate.
Remake oder neues Abenteuer?
- Jedes Remake bräuchte eigene Engine-Anpassungen, Level-Überarbeitungen und Sound-Design von Grund auf.
- Das Team müsste für einen einzigen Klassiker denselben Produktionszeitraum einplanen wie für Sonic Frontiers oder Sonic Superstars.
- Ergebnis: Statt zehn Remakes könnte man zehn neue Spiele bauen, oder eines richtig groß.
Sonic Frontiers kostete rund 50 Millionen US-Dollar und benötigte 4 Jahre Entwicklung. Ein Remake von Sonic 1 würde nicht weniger Aufwand bedeuten: Die Level müssten für moderne Bildschirme neu designt, die Physik der alten Engine in die neue übersetzt und der Soundtrack neu eingespielt werden.
Branchenkontext: Remakes als Erfolgsmodell mit Risiko
Capcoms Resident Evil 2 Remake (2019) verkaufte sich über 14 Millionen Mal, ein Beleg dafür, wie lukrativ Klassiker-Neuauflagen sein können. Square Enix investierte rund 200 Millionen Dollar in Final Fantasy VII Remake, das ebenfalls mehrfach die Millionen-Marke knackte.
Doch diese Remakes waren komplett neue Spiele mit neuer Grafik, neuer Steuerung und oft erweiterter Story. Sie sind eher Neuschöpfungen als polierte Portierungen. Sega selbst hat mit Sonic Origins (2022) eine Sammlung von Remastern herausgebracht, die Spiele liefen auf einer Emulationsschicht, nicht in einer echten Neuentwicklung. Verkaufszahlen dafür liegen bei geschätzt 1–2 Millionen Einheiten, weit unter den Erwartungen.
Der Lead räumt ein: „We're really focused more on making new experiences to surprise people.“ Frische Ideen haben Vorrang vor Nostalgie.
Was Fans jetzt wissen sollten
- Wer auf eine Sonic 1- oder Sonic 2-Remake hofft, muss sich gedulden, oder aufwändige Fan-Projekte genießen.
- Die Aussage erklärt, warum Sonic Team in den letzten Jahren lieber in neue Richtungen experimentierte statt alte Level aufzupolieren.
- Ein kompletter Remake-Katalog aller Klassiker bleibt damit ein schöner Traum, aber keine realistische Ankündigung.
Alternativen aus der Community
Fan-Entwickler haben in der Vergangenheit gezeigt, was ohne Budgetbeschränkungen möglich ist. Sonic Mania (2017) wurde von Christian Whitehead und anderen Fans entwickelt, von Sega offiziell veröffentlicht und verkaufte über 2 Millionen Exemplare. Whitehead hatte zuvor eine eigene Engine für Sonic CD (2011) und Sonic 1 (2013) auf Mobilgeräte portiert.
Diese Fan-Arbeiten sind keine Remakes im Sinne einer vollständigen Neuentwicklung; sie nutzen originale Assets und fügen moderne Features hinzu. Dennoch zeigen sie, dass der Wunsch nach frischen Versionen der Klassiker riesig ist, nur dass das Studio selbst diesen Weg als zu teuer ansieht.
Der Wunsch ist da, die Arbeit jedoch zu gewaltig. Sonic Team setzt lieber auf Überraschungen als auf Wiederholungen.