Meister der Silberkugel
Steve Ritchie ist ein Name, der in der Flipperszene wie ein Gütesiegel funkelt. Der Mann, der mit dem Terminator 2-Tisch eine ganze Generation von Spielern an die Kugel brachte, hat sich nun einem neuen Helden zugewandt: Sonic the Hedgehog.
Der Tisch ist real, kein Konzept, kein Leak. Ritchie hat persönlich an dem Design gearbeitet, das Tempo und Winkel des Originals aufnehmen soll.
Pinball-Handwerk: Ritchies Erbe
Ritchie begann seine Karriere 1979 bei Williams Electronics und entwarf Firepower (1980), den ersten Flipper mit regelrechtem Multi-Ball-Modus. Später wechselte er zu Stern Pinball, wo er mit Terminator 2 (1991) den meistverkauften Flipper der frühen Neunziger schuf. In über 40 Jahren hat er mehr als 30 Tische entwickelt, darunter Star Trek: The Next Generation (1993) und The Getaway: High Speed II (1992).
Jeder seiner Tische folgt einem klaren Credo: schnelle Rampen, harte Federn, viel Lärm. Dass er jetzt einen Sonic-Tisch angeht, ist keine Zufallswahl, Ritchie hat mehrfach betont, dass er Action-orientierte Lizenzen bevorzugt. Ein Tisch zu einem Videospielhelden war für ihn nur eine Frage der Zeit.
Sonic auf der schiefen Ebene
- Der Tisch setzt auf rasante Rampen und Multiball-Action mit Tails und Knuckles.
- Typische Ritchie-Elemente wie satte Rampen-Trigger und knackige Flipperfedern sind eingebaut.
- Das Spielbrett soll die ikonischen Loopings und Ring-Spuren von Sonics Spielen nachbilden.
Details zur Anzahl der Bälle oder exakten Mechaniken wurden nicht genannt. Klar ist: Ritchie bringt seine Erfahrung aus über 40 Jahren Flipperbau mit, und seine Vorliebe für explosive, temporeiche Tische.
Sonic im Flipper-Format: Bisherige Versuche
Sonic hat eine lange, aber überschaubare Geschichte mit Pinball. Sonic Spinball (1993) für das Mega Drive war ein Hybrid aus Flipper und Jump ’n‘ Run: Der Igel selbst war die Kugel. Das Spiel verkaufte sich rund 1,5 Millionen Mal. Später folgten Sonic Pinball Party (2003) für den Game Boy Advance und ein digitaler Tisch in Pinball FX3 (2017) von Zen Studios.
Keiner dieser Titel erreichte die Spielfläche eines echten Flippers. Ein physischer Tisch von Ritchie wäre der erste lizenzierte Sonic-Flipper überhaupt, abgesehen von Fan-Umbauten. Die Frage ist, ob Stern Pinball oder ein anderer Hersteller die Produktion übernimmt.
Mehr als nur ein Gimmick?
Pinball-Fans kennen Ritchie nicht nur von Terminator 2, sondern auch von Star Trek: The Next Generation und The Getaway: High Speed II. Seine Tische gelten als technisch ausgereift und spielerisch anspruchsvoll.
Für viele Spieler war der Terminator 2-Tisch der erste physische Flipper, oft in einer schummrigen Kneipe, weit weg von glitzernden Spielhallen. Dass derselbe Designer nun einen Sonic-Tisch umgesetzt hat, verbindet zwei Welten: das knallbunte Sega-Universum und die harte Schule des realen Flipperns.
Branchenkontext: Lizenz-Flipper heute
Die Flipperbranche erlebt seit 2015 eine neue Blüte, angetrieben von Lizenzen. Stern Pinball veröffentlichte zuletzt Tische zu Godzilla, The Mandalorian, Deadpool und Scooby-Doo. Ein Sonic-Tisch passt in diese Reihe, weil das Maskottchen auf eine besonders junge Zielgruppe abzielt. Allerdings ist Sonic bisher nur selten in physischen Spielgeräten aufgetaucht, ein Risiko, das Ritchie offenbar eingeht.
Laut Branchenzahlen kostet ein neuer Premium-Flipper zwischen 7.000 und 10.000 Euro. Der Markt für Heimgeräte wächst, aber die Auflagen bleiben klein: Ein erfolgreicher Tisch bringt es auf 3.000 bis 5.000 Einheiten. Ob der Sonic-Tisch diese Schwelle erreicht, wird auch von der finalen Preisgestaltung und der Auslieferung als physisches oder digitales Produkt abhängen. Fest steht: Steve Ritchie hat schon so manche Kugel auf Trab gebracht.