Der Plan steht fest
Sony wird seine Entscheidung, physische PlayStation-Spiele aus dem Verkehr zu ziehen, nicht zurücknehmen. Das behauptet zumindest ein Branchenanalyst, der sich gegenüber GamesRadar+ geäußert hat. Der Konzern habe intern die Umstellung auf ein rein digitales Modell bereits vollzogen. "They knew what the online reaction would look like", so der Experte wörtlich.
Die Rechnung mit dem Sturm
- Sony kalkulierte den Aufschrei der Community von Anfang an mit ein.
- Der Analyst: "They now wait for this storm to pass."
- Eine Kurskorrektur sei nicht geplant, der Schritt gelte als unumkehrbar.
Die Reaktionen in Foren und sozialen Netzwerken waren heftig. Doch der Konzern setzt darauf, dass sich der Unmut legt, sobald die nächsten Hardware-Generationen ohne Laufwerk erscheinen.
Was bleibt
Für Sammler und Freunde der gebrauchten Disc ist das eine bittere Nachricht. Wer auf physische Kopien setzt, muss sich zeitnah eindecken. Die Disc ist ein Auslaufmodell, und Sony zieht den Stecker kompromisslos.
Sonys Zahlen zur digitalen Wende
Sony verkauft seit 2020 die PlayStation 5 in zwei Varianten: mit Laufwerk und als Digital Edition. Die Digital Edition machte bis 2023 rund 30 Prozent der weltweiten PS5-Verkäufe aus. Im Geschäftsjahr 2022/23 entfielen 70 Prozent der Spieleverkäufe auf dem PlayStation Store auf Downloads. Der Konzern spart pro Disc-Einheit etwa 2 bis 3 Euro für Herstellung, Verpackung und Logistik, bei 60 Millionen ausgelieferten PS5-Konsolen summiert sich das auf hohe zweistellige Millionenbeträge.
Die PlayStation 5 Pro, die im November 2024 erscheint, wird nur noch ohne Laufwerk angeboten, ein separates Disc-Laufwerk kostet 120 Euro Aufpreis. Sony hat die Fertigung eigener Blu-ray-Laufwerke in den letzten Jahren schrittweise heruntergefahren. Laut Analysten von Niko Partners wird die PlayStation 6 voraussichtlich kein optisches Laufwerk mehr enthalten.
Historie: Von der CD zur Cloud
Sony baute physische Medien immer als Kern seiner Konsolen ein. Die PlayStation 1 (1994) setzte auf CD-ROMs, die PlayStation 2 (2000) auf DVD, die PlayStation 3 (2006) standardisierte Blu-ray als Massenspeicher. Die PlayStation 4 (2013) verwendete Blu-ray und erlaubte erstmals keine CD-Wiedergabe mehr. Mit jeder Generation stiegen die Speicherkapazitäten, aber auch die Kosten für die Laufwerke.
Parallel trieb Sony die digitale Infrastruktur voran: Der PlayStation Store startete 2006, PlayStation Now (Cloud-Streaming) 2014, PlayStation Plus Essential mit monatlichen Gratisspielen 2010. 2022 führte Sony die Stufen Essential, Extra und Premium ein, um Abonnenten an die Cloud zu binden. Für den Konzern sind Discs heute vor allem ein Kostenfaktor, der den Margen des digitalen Vertriebs widerspricht.
Vergleich mit Microsoft und Nintendo
Microsoft verkauft die Xbox Series S seit 2020 ohne Laufwerk, ein reines Digitalgerät. Die Series X hat ein Laufwerk, aber Microsoft bewirbt den Game Pass als primären Zugang. Anders als Sony bietet Microsoft weiterhin physische Spiele für die Series X an, der Anteil digitaler Verkäufe liegt bei etwa 85 Prozent. Nintendo setzt bis heute auf Module für Switch und Switch 2 (geplant für 2025), die Disc-freie Handheld-Natur macht eine Abkehr vom Modul unwahrscheinlich.
Im PC-Gaming haben physische Medien praktisch keine Rolle mehr. Branchenweit sank der Umsatz mit Disc-Spielen von 10 Milliarden US-Dollar (2018) auf unter 4 Milliarden (2023). Sony folgt damit einem Trend, den andere Plattformen bereits vollzogen haben, aber für eine Konsolenmarke, die einst das Blu-ray-Format populär machte, ist der Schritt symbolisch radikal.
Folgen für Second-Hand-Markt und Archivierung
Der Gebrauchtmarkt für PlayStation-Spiele wird mittelfristig austrocknen. Disc-Spiele für PS4 und PS5, die nicht auf der letzten Hardware laufen, verlieren ihren Wiederverkaufswert. Sammler müssen sich auf schwankende Preise einstellen, seltene physische Releases wie The Lost Soul Aside oder Silent Hill 2 Remake in limitierter Auflage könnten stark im Wert steigen. Gleichzeitig entfällt die Möglichkeit, Spiele von Dritten zu leihen oder zu tauschen. Auch die Spiele-Archivierung wird schwieriger, da digitale Lizenzserver nach Jahren abgeschaltet werden können. Sony hat bislang keinen offiziellen Plan für eine Offline-Sicherung von gekauften Downloads veröffentlicht.