Patent-Alarm bei Sony
Sony hat mal wieder ein Patent eingereicht, das auf den ersten Blick wie ein Scherz wirkt. Diesmal geht es um einen Joystick mit einem sogenannten "operation member", dessen Widerstand sich während des Spielens verändert, er wird härter, je länger man ihn benutzt.
Die Optik der Patentskizzen erinnert unweigerlich an ein Sexspielzeug. Doch hinter dem kuriosen Design steckt möglicherweise echtes Gaming-Potential. Die Mechanik zielt darauf ab, das haptische Feedback eines Controllers dynamisch anzupassen.
Sonys Geschichte mit skurrilen Patenten
Sony Interactive Entertainment reicht jährlich Dutzende Patente ein, viele nie in Produkten umgesetzt. 2023 etwa beschrieb ein Patent einen Controller, der die Temperatur der Oberflächen verändert, um virtuelle Umgebungen fühlbar zu machen. Ein weiteres aus 2021 skizzierte einen modularen DualSense, bei dem sich die Griffform per Knopfdruck anpassen lässt. Keines dieser Konzepte erschien später in einem realen Gerät.
Der aktuelle Vorschlag stammt von einer Forschungsgruppe um Yoshihiro Sakai, der zuvor an der Adaptiv-Trigger-Technologie des DualSense arbeitete. Sakai veröffentlichte 2020 einen internen Report über variable Drehmomente an Analogsticks, die Grundlage dieses Patents. Sony schützt solche Ideen oft, bevor Konkurrenten wie Microsoft oder Nintendo ähnliche Wege gehen.
Vergleichbare Technologien im Markt
Variable Widerstände an Sticks sind kein neues Konzept. Thrustmaster bot 2018 mit dem T16000M eine einstellbare Federkraft für Flugsimulatoren, allerdings manuell, nicht adaptive. Valve Index Controller ändern den Druckpunkt der Trigger je nach Spiel, aber nicht den Stick.
Das Besondere an Sonys Ansatz: Der Stick soll automatisch und spielspezifisch reagieren. Das Patent beschreibt Sensoren, die sowohl die Bewegungsgeschwindigkeit als auch die Nutzungsdauer messen. Ein Algorithmus steuert dann Aktuatoren, die den Widerstand in Echtzeit erhöhen oder senken. Dafür nötig: Mikromotoren im Stickgehäuse, die kompakt genug für einen Controller sind, eine Herausforderung, die an Linaros Arbeiten zu miniaturisierten Schrittmotoren aus 2021 erinnert.
Branchenkontext: Adaptive Controller werden zum Standard
Seit Sonys DualSense (2020) setzen immer mehr Hersteller auf haptisches Feedback. Microsoft integrierte 2023 in den Xbox Elite Series 3 verstellbare Sticks, aber nicht dynamisch, per Ring-Schraube. Nintendo bot im Joy-Con (2017) eine Rumble-Funktion, jedoch ohne veränderbaren Widerstand.
Wirtschaftlich lohnt sich das Patent auch als Schutzschild: Sony meldet jährlich über 1.000 Patente im Bereich Controller-Haptik an, laut Daten des Japan Patent Office. Der Markt für adaptive Gaming-Hardware wuchs 2024 um 14 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Dollar, ein Segment, das Sony nicht ignorieren will.
Ein Härtegrad für neue Spielerlebnisse
- Denkbar sind Anwendungen in Simulationen: Ein Flugzeugknüppel, der bei hohen g‑Kräften schwergängig wird.
- In Shootern könnte der Stick nach langer Nutzung nachgeben, als Indikator für Erschöpfung der Spielfigur.
- Oder einfach als Gimmick: Der Stick wird härter, je näher man einem Bossgegner kommt.
Ob das Patent jemals den Weg in die Läden findet, bleibt abzuwarten. Sony hat mit dem DualShock 4 und DualSense gezeigt, dass sie bereit sind, ungewöhnliche Ideen umzusetzen. Ein Joystick, der beim Dauereinsatz "steif" wird, wäre jedenfalls ein Gesprächsthema, und ein weiterer Schritt weg vom standardisierten Gamepad.