Retail-SSD-Markt: "Fast verschwunden"
Silicon Motion, einer der großen Controller-Hersteller für SSDs, hat eine düstere Prognose für Spieler veröffentlicht. Der Retail-Markt für Solid-State-Drives sei „fast verschwunden“, so das Unternehmen.
Die produzierten NAND-Chips landen kaum noch in den Regalen für Endkunden. Stattdessen fließen sie in KI-Server und werden von OEMs in großer Stückzahl aufgekauft.
Silicon Motion: Vom PC- zum KI-Lieferanten
Silicon Motion wurde 1995 in Taiwan gegründet und hat sich auf NAND-Flash-Controller spezialisiert. Die Chips steuern das Lesen und Schreiben auf SSDs, ohne sie läuft kein Laufwerk.
Das Unternehmen beliefert Marken wie Kingston, Crucial und WD mit Controllern. 2023 erzielte Silicon Motion rund 650 Millionen US-Dollar Umsatz, ein Großteil davon aus Kundengeschäften mit PC-Herstellern und Rechenzentren. Der Anteil der KI-Server-Aufträge stieg von 15 Prozent (2022) auf geschätzte 40 Prozent im laufenden Jahr.
Der RAMpocalypse trifft die Gaming-Szene
- Die aktuelle Lage erinnert an die Zeiten der RAM-Knappheit, nur diesmal trifft es SSDs.
- „Yet another day during the RAMpocalypse“, die Kommentatoren bei PCGamer fassen es knapp zusammen.
- High-End-SSDs, die normalerweise in Gaming-PCs stecken, werden direkt an Serverfarmen für Künstliche Intelligenz ausgeliefert.
Ein Teil der Kapazitäten geht an Systemhersteller, die Laptops und Office-Rechner bestücken. Der einzelne Gamer, der eine schnelle NVMe-SSD kaufen will, steht hinten an.
Frühere Engpässe: Von RAM zu GPUs zu SSDs
Die SSD-Krise wiederholt ein Muster, das Spieler bereits kennen. 2018 bis 2020 trieben Bitcoin-Miner die Preise für GDDR5-Speicher in die Höhe, RAM-Riegel wurden knapp und teuer. 2021 folgte der Grafikkarten-Boom: Nvidias RTX 3000-Serie und AMDs RX 6000-Serie waren monatelang ausverkauft, Scalper verlangten das Doppelte.
Diesmal ist der Treiber die künstliche Intelligenz. Hyperscaler wie Microsoft, Amazon und Google ordern SSDs in Terabyte-Mengen für ihre KI-Cluster. Ein einzelner H100-Server von Nvidia kann bis zu 30 TB NAND-Flash fassen, das entspricht dem Speicher von 30 Gaming-PCs mit 1-TB-SSDs.
Was heißt das für Spieler?
- Wer einen neuen Gaming-PC bauen will, dürfte aktuell auf starke Preisaufschläge oder leere Lager treffen.
- Auch externe SSDs für Konsolen wie PlayStation 5 oder Xbox Series X könnten knapp werden.
- Silicon Motion selbst liefert die Controller-Chips für viele Markenmodelle, wenn die nicht an Retail gehen, bleiben die Regale leer.
Die Lage erinnert an die Grafikkarten-Krise vor einigen Jahren, nur mit Speichermedien. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht, solange KI-Server ungebremst NAND verschlingen.
OEMs sichern sich die knappe Ware
Große PC-Hersteller kaufen die verfügbaren SSDs in Vertragsmengen auf, bevor sie überhaupt auf den Retail-Markt kommen. Für Dell, HP & Co. sind solche Deals Routine.
Retail-Händler und Onlineshops bekommen dagegen nur Restposten. Der Preis pro Gigabyte dürfte weiter steigen, bis die Produktion von NAND-Flash wieder ausgeweitet wird. Bis dahin bleibt die SSD-Jagd für Gamer ein Geduldsspiel.
Konkrete Zahlen: Preise und Nachfrage
Laut Marktforscher TrendForce stieg der durchschnittliche Verkaufspreis für NAND-Flash im ersten Quartal 2024 um 23 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Für das zweite Quartal wird ein weiteres Plus von 15 Prozent erwartet. 1-TB-NVMe-SSDs, die im Herbst 2023 noch für 50 Euro zu haben waren, kosten inzwischen 80 bis 90 Euro.
Die Produktion neuer Speicherchips kann erst mittelfristig hochgefahren werden. Samsung, SK Hynix und Micron haben zwar neue Fabriken angekündigt, aber der Bau dauert zwei bis drei Jahre. Bis 2025 bleibt das Angebot knapp, und Gamer zahlen die Zeche.