Die Rückkehr einer Stilikone
Shift Up hat es wieder getan. Nach dem Erfolg des Originaltitels ist Stellar Blade mit einem neuen Spiel zurück, und die charakteristische „Jiggle“-Physik bleibt unangetastet.
Kotaku berichtet, dass der erste Trailer zunächst für Verwirrung sorgte. „Nach mehreren Minuten Rätselraten wurde es sehr schnell sehr offensichtlich“, heißt es in der Zusammenfassung. Die typischen, fließenden Bewegungen der Hauptfigur verrieten die Identität.
Gegründet wurde Shift Up 2013 vom ehemaligen Blade & Soul-Art Director Kim Hyung-tae. Das Studio machte sich zunächst mit Mobile-Titeln einen Namen: Destiny Child (2016) und NIKKE: Goddess of Victory (2022) erzielten weltweit hohe Umsätze. Stellar Blade (2024) war der erste Ausflug in die AAA-Konsolenentwicklung und verkaufte sich nach offiziellen Angaben innerhalb von zwei Monaten über eine Million Mal, genug, um die Fortsetzung zu rechtfertigen. Der neue Ableger wurde nicht als DLC oder Remaster angekündigt, sondern als eigenständiges Spiel.
Was wir über das neue Spiel wissen
- Es handelt sich um einen eigenständigen Ableger, kein DLC oder Remaster.
- Der Hüftschwung („Jiggle“) ist bewusst als Markenzeichen beibehalten worden.
- Ein konkreter Titel oder Releasedatum wurde noch nicht genannt, die Enthüllung erfolgte überraschend.
Der Stil erinnert an die Hochphase der PS3-Ära, als Entwickler wie Team Ninja mit Dead or Alive oder Ninja Gaiden Maßstäbe für flüssige Animationen setzten. Shift Up knüpft daran an.
Der Vorgänger erschien im April 2024 exklusiv für PlayStation 5. Metacritic bewertete ihn mit 81 Punkten; User-Scores lagen etwas niedriger, getrieben von Diskussionen über die Sexualisierung der Protagonistin Eve. Shift Up veröffentlichte später mehrere Patches, die optionale Kostüme und einen „Photo Mode“ nachreichten, ohne die alsbald ikonische Hüftphysik zu entschärfen.
Technik mit Wiedererkennungswert
Die physikalische Simulation der Kleidung und Haare war schon im ersten Stellar Blade ein viel diskutiertes Feature. Der neue Titel setzt noch einen drauf: Die Bewegungsabläufe wirken natürlicher, aber genauso übertrieben.
- Hochauflösende Texturen in den Nahkampf-Sequenzen
- Dynamisches Schattenwurfsystem für jede Animation
- Der Soundtrack bleibt hymnenhaft, mit treibenden Synthesizern
Einige Fans befürchteten, der Nachfolger könnte die Kanten glätten. Fehlanzeige: Der gleiche (seltsam hypnotisierende) Hüftschwung ist zurück.
Shift Up nutzte für Stellar Blade die Unreal Engine 4. Ob der Ableger auf UE5 setzt, ist nicht bekannt. Die im Trailer gezeigten Szenen deuten auf höhere Polygonzahlen und weichere Übergänge hin. Ein dynamisches Schattenwurfsystem für jede Animation, wie im Kotaku-Artikel beschrieben, wäre technisch aufwendig, aber konsistent mit dem Fokus auf choreografierte Kämpfe.
Retro-Gaming-Vibes und moderne Mechaniken
Das Kampfsystem soll bewusst an Arcade-Brawler der 90er erinnern, kombiniert mit dem Parry-Fokus des Originals. Jeder Treffer fühlt sich wuchtig an.
Shift Up positioniert das Spiel als Liebeserklärung an das Genre. Kein „realistischer“ Ansatz, sondern stylisierte Übertreibung. Die Entwickler nennen Bayonetta und Vanquish als heimliche Paten.
Im ersten Stellar Blade gab es eine überschaubare Anzahl an Gegnertypen und Bosskämpfe, die teils an Sekiro erinnerten. Der neue Ableger soll mehr Variation bieten. Einige frühe Gameplay-Schnipsel zeigen einen gegnerischen Roboter, der an biomechanische Designs aus Nier: Automata erinnert. Ob die Story an die postapokalyptische Handlung des Vorgängers anknüpft oder einen völlig neuen Schauplatz einführt, bleibt offen.
Das Studio hinter dem Hype
Shift Up ist bekannter für seine Mobile-Erfolge als für Konsolenspiele. NIKKE: Goddess of Victory erwirtschaftete 2023 über 400 Millionen US-Dollar Umsatz, hauptsächlich durch Gacha-Mechaniken und stark sexualisierte Charakterdesigns. Kim Hyung-tae verteidigte diesen Stil öffentlich als künstlerische Entscheidung.
Der Erfolg von Stellar Blade zeigte, dass ein südkoreanisches Studio mit westlichen Action-Blockbustern mithalten kann. Der neue Titel erscheint in einem Markt, in dem japanische Spiele wie Bayonetta 3 (2022) und Devil May Cry 5 (2019) die Messlatte für stylishes Hack-and-Slash setzten. Shift Up setzt dagegen auf eine eigene Ästhetik: hyperrealistische Texturen kombiniert mit überzeichneten Proportionen.
Branchenkontext
Vergleichbare Releases der letzten Jahre, Hi-Fi Rush (2023), Stray (2022) oder Sifu (2022), zeigen, dass kleinere, fokussierte Actiontitel sich gegen Triple-A-Leichen behaupten können. Stellar Blade kostete bei Release 70 Euro und war dennoch ein kommerzieller Erfolg. Der neue Ableger könnte diesen Kurs fortsetzen, falls Shift Up eine Plattform-Strategie fährt: Exklusivität für PlayStation wurde im ersten Teil durch Sony finanziert, Gerüchte über einen PC-Port kursieren seit Monaten.
Ob der Titel noch 2025 erscheint oder erst 2026, hängt vom Entwicklungsstand ab. Sicher ist: Die Diskussionen über „Jiggle Physics“ werden mit jedem Trailer neu aufflammen, und Shift Up scheint genau darauf zu setzen.