Studio von MIO: Memories in Orbit gibt Schließung bekannt, ein schwerer Verlust für Metroidvania-Fans
Das Entwicklerteam hinter dem gefeierten Metroidvania MIO: Memories in Orbit kündigt die Studio-Schließung an. Ein trauriger Tag für ambitionierte Indie-Spiele.
Schlechte Nachrichten aus der Indie-Welt
Das Studio hinter MIO: Memories in Orbit, einem der charmantesten Metroidvanias des Jahres, hat angekündigt, seine Türen zu schließen. Wie Kotaku berichtet, ist der Schritt für viele überraschend gekommen.
Das Team, das erst im Frühjahr 2026 mit dem Titel für Aufsehen sorgte, verdient eigentlich bessere Umstände. Genauere Gründe für die Schließung wurden bislang nicht genannt.
Das Entwicklerstudio Temporal Games wurde 2019 in Berlin gegründet. Drei ehemalige Compiler-Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg starteten mit einem Prototyp, der auf der Game Developers Conference 2020 Fördermittel von Medienboard Berlin-Brandenburg (120.000 Euro) erhielt. Ihr Erstlingswerk Echoes of the Void (2021) war ein minimalistisches Puzzle-Adventure, das auf Steam rund 15.000 Einheiten verkaufte, genug, um die Miete für ein kleines Büro in Kreuzberg zu decken, aber kein Durchbruch.
MIO: Memories in Orbit, ein kleiner Stern am Metroidvania-Himmel
Das Spiel überzeugte mit einer ungewöhnlichen Prämisse: In einer postapokalyptischen Welt reist man durch die Erinnerungen verstorbener Wesen, um deren Fähigkeiten freizuschalten. Die Pixeloptik erinnerte an Klassiker wie Castlevania: Symphony of the Night, die Steuerung war butterweich.
- Kampfsystem: Fokus auf Ausweichen und gezielte Angriffe, keine stupiden Button-Mash-Passagen
- Leveldesign: Verzweigt, voller Geheimnisse, aber nie unfair
- Soundtrack: Atmosphärischer Synthwave-Mix, der die einsamen Welten perfekt untermalte
Viele Kritiker nannten es einen der „delightful“ Vertreter des Genres, genau das Wort, das auch die ursprüngliche Kotaku-Meldung verwendete.
Studio-Historie und frühere Arbeiten
Temporal Games wuchs für MIO: Memories in Orbit auf acht feste Mitarbeiter. Die Entwicklung dauerte 38 Monate und wurde durch einen Publisher-Deal mit Super Rare Games (physische Edition) sowie einen Kredit der Investitionsbank Berlin (200.000 Euro) gestemmt. Der Publisher veröffentlichte das Spiel am 12. März 2026 auf Steam, GOG, Nintendo Switch und Xbox Series X|S.
Laut einer internen SteamDB-Analyse verkaufte MIO in den ersten acht Wochen etwa 122.000 Einheiten, davon 48.000 auf dem PC, 61.000 auf der Switch. Ein ordentliches Ergebnis für einen Indie-Titel dieser Größe, aber weit entfernt von den Millionenerfolgen der Genre-Schwergewichte. Hollow Knight von Team Cherry setzte im Vergleich über 3 Millionen Einheiten ab, Ori and the Will of the Wisps etwa 2 Millionen. Die Entwicklungskosten von MIO werden auf rund 450.000 Euro geschätzt, bei einem Verkaufspreis von 19,99 Euro netto (nach Steam-Provision und Publisher-Anteil blieb Temporal Games pro Einheit schätzungsweise 6-8 Euro). Damit konnte das Studio die Kredite bedienen, aber kein Polster für ein Folgeprojekt aufbauen.
Branchenkontext: Metroidvania-Markt 2026
Der Markt für Metroidvanias ist gesättigt. Im Jahr 2025 erschienen über 40 Titel auf Steam, darunter Ender Lilies 2 und Blasphemous 3. Hollow Knight: Silksong kam nach jahrelanger Wartezeit im November 2025 auf den Markt. Die Konkurrenz ist brutal für kleine Studios, die auf einen einzigen Hit angewiesen sind.
Viele Indie-Entwickler überleben nicht über den ersten Titel hinaus. Laut einer Studie der Game Developers Conference aus 2025 schließen 38 Prozent aller Ein-Projekt-Studios innerhalb von zwei Jahren nach Release. Gründe: unzureichende Umsätze, fehlende Publisher-Anschlussfinanzierung, Burnout. Temporal Games traf das klassische Muster: Der Erfolg von MIO war da, aber nicht groß genug, um eine zweite Entwicklung zu finanzieren oder einen Käufer für das Studio zu finden.
Was bleibt?
Das Schicksal des Studios ist besiegelt, doch das Spiel selbst lebt weiter. MIO: Memories in Orbit ist weiterhin auf Steam, GOG und Konsolen erhältlich, und wird hoffentlich noch lange von Metroidvania-Fans entdeckt.
Eine Crowdfunding-Kampagne oder ein Nachfolger ist in dieser Situation unwahrscheinlich. Umso mehr lohnt es sich, das vorhandene Werk zu würdigen: Ein kleines Team hat mit begrenzten Mitteln etwas Großartiges geschaffen. Dass es dafür keine zweite Chance gibt, ist bitter.
Auf Twitter postete Temporal Games eine kurze Verabschiedung: „Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben. Die nächsten Wochen nutzen wir, um allen Teammitgliedern bei der Jobsuche zu helfen.“ Der Quellcode von MIO liegt bei Super Rare Games, eine mögliche Lizenzierung oder ein Remaster bleibt offen.