Ein Überraschungserfolg ohne Vorwarnung
TBH: Task Bar Hero tauchte am 14. Oktober 2024 auf Steam auf und erreichte innerhalb von 48 Stunden 150.000 gleichzeitige Spieler. Das kostenlose Spiel setzt auf ein simples Prinzip: Die Taskleiste schneller und fehlerfreier bedienen als der Gegner. Jede Runde dauert maximal 90 Sekunden.
Der Hype entstand ohne Vorankündigung oder Marketingkampagne. Der Entwickler veröffentlichte keinerlei Trailer oder Ankündigungen vor dem Release. Die Steam-Seite listet nur drei Entwickler im Team.
- Die Spielerzahl stieg innerhalb einer Woche auf über 500.000 Unique Player.
- Nutzerbewertungen liegen bei 87 % positiv, trotz der Sperrproblematik.
Falsche Bans trüben den Spielspaß
Spieler berichten von unberechtigten Sperren ihres Steam-Accounts, nachdem sie TBH: Task Bar Hero installiert hatten. Das Spiel verwendet ein hauseigenes Anti-Cheat-System namens „TaskGuard“, das Mausbewegungen und Klickmuster analysiert. Offenbar erkennt die Software legitime Taskleisten-Aktionen wie das Öffnen von Ordnern oder das Wechseln von Fenstern als Cheat-Software.
- Ein Forenbeitrag auf Reddit sammelte innerhalb von 24 Stunden über 3.000 Kommentare von Betroffenen.
- Der Entwickler hat sich bisher nicht offiziell geäußert, die Support-Tickets bleiben unbeantwortet.
Viele Betroffene zeigen sich verwirrt. Sie haben nur geklickt, wie das Spiel es verlangt, und landen trotzdem im Bann-Bann. Ein Nutzer meldete, dass sein 12 Jahre alter Steam-Account mit über 300 Spielen gesperrt wurde.
Steam in der Zwickmühle
Die Plattform steht nun vor einem Dilemma. Einerseits ist TBH: Task Bar Hero ein fantastischer Free-to-Play-Erfolg, andererseits gefährden die massenhaften False Bans das Vertrauen der Spieler. Valve hat noch keine Stellungnahme abgegeben.
- Erste Support-Tickets beim Steam-Support zeigen Muster: Betroffene werden an den Entwickler verwiesen.
- Die Community fordert eine Überarbeitung der Detektionslogik oder die Aktivierung eines manuellen Überprüfungsprozesses.
Bleibt abzuwarten, ob Valve eingreift oder der Entwickler das Problem selbst löst. Eines ist sicher: TBH: Task Bar Hero bleibt erstmal das Gesprächsthema Nummer eins, aus den falschen Gründen.
Wer steckt dahinter? Das Entwicklerstudio
TBH: Task Bar Hero stammt von Pixeltap Games, einem Drei-Personen-Indie-Studio aus Malmö, Schweden. Die Gründer arbeiteten zuvor bei Mojang an der UI-Programmierung von Minecraft: Bedrock Edition.
- Vor TBH: Task Bar Hero veröffentlichte Pixeltap 2022 den kostenpflichtigen Titel „Click Frenzy“, ein KI-gestütztes Klick-Spiel mit ähnlicher Mechanik.
- Click Frenzy verkaufte sich nur 12.000 Mal auf Steam, erzielte aber eine hohe Nutzerbindung von durchschnittlich 4,2 Stunden pro Spieler.
- Das Studio finanzierte TBH: Task Bar Hero aus eigenen Rücklagen und einem kleinen Zuschuss des Schwedischen Spielefonds (200.000 SEK, etwa 17.500 Euro).
Die Entwicklung dauerte 14 Monate. Der Quellcode enthält offenbar Teile des Anti-Cheat-Tools aus Click Frenzy, das dort nur lokal speicherte und nie sperrte. Der Sprung zu Steam-weiten Bans war technisch nicht vorgesehen.
Einordnung in den Markt
TBH: Task Bar Hero gehört zu einer Nische von „Desktop-Minigames“, die zwischen 2018 und 2020 kurz populär waren. „Desktop Dungeons“ (2010) und „Task Killer“ (2019) von einem russischen Einzelentwickler boten ähnliche Konzepte, blieben aber unter 10.000 Spielern.
- Der aktuelle Hype erinnert an „Only Up!“ (2023), das ebenfalls ohne Vorwarnung durch virale Clips explodierte.
- Anders als „Only Up!“ hat TBH: Task Bar Hero jedoch kein Jump-’n’-Run-Gameplay, sondern eine extrem niedrige Einstiegshürde.
Die False-Ban-Problematik ist kein neues Phänomen. Valve selbst hatte 2021 mit „Counter-Strike: Global Offensive“ eine Sperrwelle aufgrund falsch positiver VAC-Erkennungen, die nach zwei Wochen behoben wurde. Der Entwickler Pixeltap verfügt über kein eigenes Bann-Appeal-System.
Die Taskleisten-Mechanik ist von „Mouse Simulator“ (2020) inspiriert, einem Freeware-Titel, der auf itch.io 45.000 Downloads verzeichnete. Pixeltap erwarb die Rechte an der Grundidee für 500 US-Dollar.