Endlich ein Lebenszeichen für Jay Sherman
Fast 30 Jahre nach dem Ende der ersten Staffel gibt es neue Hoffnung für Fans der bissigen Zeichentrickserie The Critic. Die Macher Al Jean und Mike Reiss haben gegenüber Polygon verraten, dass ein Reboot so nah dran sei wie nie zuvor.
Die Serie lief von 1994 bis 1995 und drehte sich um den Filmkritiker Jay Sherman, gesprochen von Jon Lovitz. Mit trockenem Humor und Seitenhieben auf Hollywood wurde sie zum Kult, auch wenn sie nie die Massen erreichte.
Entwickler und Studio-Historie
The Critic entstand bei Gracie Films, der Produktionsfirma von James L. Brooks („Simpsons“, „Nachrichtenfieber“). Al Jean und Mike Reiss waren zuvor als Autoren und Showrunner für die frühen „Simpsons“-Staffeln verantwortlich, sie schrieben Folgen wie „Bart the Lover“ und „Lisa’s Substitute“.
Das Konzept einer Zeichentrick-Parodie auf Filmkritiker reichten sie Mitte der 1990er bei ABC ein. Der Sender bestellte 13 Folgen für die erste Staffel. Nach einer Pause übernahm Fox die zweite Staffel mit zehn Episoden, bevor die Serie endgültig eingestellt wurde. Grund: niedrige Einschaltquoten, damals um die 5-6 Millionen Zuschauer.
Frühere Veröffentlichungen und Franchise-Geschichte
Nach dem TV-Aus erschien 1995 ein Videospiel: The Critic für PC und Mac, ein Adventure mit Jay Sherman, entwickelt von Rocky Morton und M.J. Zetlin. 2004 produzierten Jean und Reiss eine kurze Webserie (20 Episoden, je drei Minuten) für das Portal Shockwave. Sie ist heute nur noch auf Archivseiten auffindbar.
DVD-Veröffentlichungen gibt es: 2004 brachte Sony Pictures Home Entertainment die komplette Serie in einer Box. 2021 folgte eine remasterte Version auf Blu-ray. Lizenzprobleme mit eingebauten Filmausschnitten und Musikrechten verhinderten bisher eine breite Streaming-Verfügbarkeit.
Was die Macher sagen
- Al Jean und Mike Reiss gaben ein knappes, aber vielversprechendes Update.
- Ein direkter Satz: „It’s never been closer to actually happening.“
- Details zu Sender, Plattform oder Starttermin gibt es noch nicht.
- Auch die Beteiligung von Jon Lovitz wurde nicht offiziell bestätigt.
Die beiden sind keine Unbekannten: Jean und Reiss schrieben früher für Die Simpsons und erschufen The Critic als Parodie auf die Filmbranche. Ein Reboot wäre nicht ihr erster Neustart, 2004 gab es bereits eine kurze Webserie.
Branchenkontext und Vergleichsbeispiele
Der Animationsmarkt für Reboots älterer Serien ist heiß umkämpft. Beavis and Butt-Head kehrte 2022 auf Paramount+ zurück, Futurama erhielt 2023 bei Hulu eine achte Staffel. King of the Hill wird für 2025 neu aufgelegt. Diese Projekte teilen sich oft die gleichen Produktionsfirmen (Futurama und The Critic haben beide Simpsons-Wurzeln).
Die Streaming-Plattformen suchen gezielt nach 90er-Jahre-Marken mit eingeschworener Fangemeinde. The Critic hat auf YouTube und Reddit eine aktive Community, die regelmäßig Zitate und Szenen diskutiert. Ein Reboot müsste aber mit den heutigen Urheberrechtsstandards klarkommen, die alten Folgen parodierten reale Filme und nutzten Ausschnitte, was teure Lizenzen nach sich zieht.
Nostalgie und Streaming-Ära
Der Zeitpunkt für eine Rückkehr ist günstig. Streaming-Dienste setzen verstärkt auf 90er-Jahre-Marken, und The Critic ist eine der wenigen Lücken im Angebot.
- Die Serie war nie auf modernen Plattformen wie Netflix oder Disney+ verfügbar.
- Al Jean hatte 2021 bereits Interesse an einer Neuauflage bekundet.
- Der Humor der Serie, bissig, intelligent und voller Filmreferenzen, könnte heute noch funktionieren.
Ob die Produktion tatsächlich grünes Licht bekommt, bleibt abzuwarten. Jean und Reiss haben in der Vergangenheit mehrfach Hoffnungen auf einen Reboot gemacht, die sich zerschlugen. Dieses Mal klingt es anders.
Kein Datum, aber ein Funke
Fans sollten sich noch nicht zu früh freuen. „Näher als je zuvor“ bedeutet nicht „morgen“. Konkrete Verträge oder Sendeaufträge liegen laut der Aussage nicht vor.
Trotzdem: Wenn zwei erfahrene Serien-Veteranen so offen sprechen, ist das mehr als nur ein Gerücht. Bis dahin bleibt nur das Wiedersehen mit den alten Folgen, und die Hoffnung, dass Jay Sherman bald wieder „It stinks!“ rufen darf.