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The Gentlemen Staffel 2: Wenn der Pate-Anspruch an der eigenen Inszenierung scheitert
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The Gentlemen Staffel 2: Wenn der Pate-Anspruch an der eigenen Inszenierung scheitert

Guy Ritchies Netflix-Fortsetzung will episch wie Der Pate sein, verzettelt sich aber im eigenen Netz aus Intrigen und verpasst den großen Wurf.

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Tommes Parzl
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Eine Möchtegern-Saga im Londoner Untergrund

Die zweite Staffel von The Gentlemen auf Netflix hat sich viel vorgenommen: Sie will nicht weniger sein als ein moderner Der Pate für die Streaming-Ära. Die Serie um britische Kriminelle, Aristokraten und Dealer versucht, den Ton von Francis Ford Coppolas Mafia-Epos zu treffen: große Familiendramen, blutige Loyalitäten und eine alles umspannende Erzählung. Doch genau an diesem Anspruch scheitert sie. Statt eines dicht gewobenen Teppichs aus Intrigen liefert Regisseur Guy Ritchie ein loses Sammelsurium an Figuren und Nebenhandlungen, das niemals die Tragweite des Vorbilds erreicht.

Wo „Der Pate“ über drei Filme hinweg eine kohärente Chronik einer Verbrecherfamilie erzählte, springt die zweite Staffel zwischen Cliquen, Grundstücksgeschäften und Boxkämpfen hin und her. Die ambitionierte Erzählstruktur zersplittert in einzelne Schauplätze, die nur lose miteinander verbunden sind. Der Zuschauer verliert dabei schnell den Überblick, wer gerade wem welche Schuld eintreibt. Ritchies typischer Stil mit rasanten Schnitten und beißendem Humor funktioniert im Kino, doch für ein episches Familienporträt braucht es mehr Geduld und Fokussierung.

Das Vorbild Pate, ein unerreichbares Erbe

  • Der Pate etablierte 1972 ein Drama, das persönliche Tragödie und organisierte Kriminalität untrennbar verknüpfte.
  • Die Serie kopiert die Grundstruktur des Aufstiegs eines Außenseiters, verliert aber den emotionalen Kern.
  • Es fehlen ikonische Momente, die das Publikum an die Figuren binden.
  • Die epischen Dialoge der Vorlage werden durch flotte Sprüche ersetzt, die selten Gewicht haben.
  • Selbst die Rache- und Verratsmomente wirken beliebig, weil die Beziehungen zwischen den Charakteren zu dünn gezeichnet sind.

Der Vergleich mit „Der Pate“ erweist sich als Bürde, weil er die Schwächen der Serie schonungslos offenlegt. Während Coppola die Corleones als tragische Helden inszenierte, die Mitleid herausfordern, bleiben Ritchies Kriminelle blasse Karikaturen. Die Serie versucht, den düsteren Ton zu treffen, untergräbt ihn aber ständig durch ironische Brechungen. Das Ergebnis ist ein Hybrid, dem weder die Leichtigkeit eines Heist-Films noch die Gravitas eines Mafia-Epos gelingt.

Woran die Staffel im Detail scheitert

Zum einen leidet die zweite Staffel unter einem überladenen Personal. Fast jede Episode führt neue Mitspieler ein, die sofort wieder verschwinden oder sich als unwichtig entpuppen. Die Konzentration auf eine durchgehende Protagonistenlinie fehlt. Zum anderen übernehmen Nebenplots wie eine Erbschaftsangelegenheit oder ein Streit um ein Fußballstadion zu viel Raum. Diese Nebenstränge hätten besser in einer eigenen Serie aufgehoben, als in einer Geschichte, die doch das große Ganze erzählen will.

Die Inszenierung von Guy Ritchie bleibt weiterhin stilsicher: schicke Anzüge, schmutzige Hinterhöfe, flotte Cameos. Doch die Dramaturgie gehorcht keinem inneren Gesetz. Wendungen wie plötzliche Todesfälle oder Verhaftungen kommen aus dem Nichts und werden genauso schnell vergessen, wie sie eingeführt wurden. Was bleibt, ist ein Eindruck von Beliebigkeit, der dem Pate-Vergleich nicht standhält.

Guy Ritchie zwischen Film und Serie

  • Regisseur Guy Ritchie machte sich mit Werken wie „Lock, Stock & Two Smoking Barrels“ (1998) und „Snatch“ (2000) einen Namen als Chronist des Londoner Gangstermilieus.
  • Seine Filme lockern Kriminalität oft mit komödiantischen Übertreibungen auf, was ihm ein treues Publikum einbrachte.
  • Mit The Gentlemen als Film von 2019 überführte er seine Themen erstmals auf die Plattform Netflix.
  • Die Serie von 2024 dehnte die Prämisse auf acht Episoden aus, ein Schritt vom Film zur Langform.
  • Staffel 2 nun erhöht den erzählerischen Einsatz, offenbart aber gleichzeitig die strukturellen Probleme des Serienformats.

Der Sprung vom Kino zum Streaming gelingt Ritchie nicht vollständig. Seine Stärke liegt in abgeschlossenen Stories mit hohem Tempo, nicht in der langsamen Entfaltung eines Familienepos. Die Serie selbst wirkt wie eine missglückte Expansion etablierter Charaktere aus dem Film. Der Wechsel vom kompakten Kinoerlebnis zur ausufernden Serienerzählung verlangt einen anderen Umgang mit Motivationen und Backstory, den Ritchie nicht leistet.

Wenn das Pate-Prinzip auf Spiele trifft

Videospiele haben einen ähnlichen Kampf, wenn sie epische Mafia-Geschichten erzählen wollen. Mafia: The City of Lost Heaven (2002) und Mafia II (2010) schafften es, eine persönliche Geschichte vor dem Hintergrund einer großen Verbrecherwelt zu weben. Das Geheimnis lag in einer straffen Erzählung, die sich auf wenige Figuren konzentrierte. Die Spiele boten Zwischensequenzen, die den Ton des Paten aufgriffen, ohne in Pathos zu verfallen. The Gentlemen Staffel 2 könnte sich davon eine Scheibe abschneiden: weniger Belanglosigkeiten, mehr Fokus auf die tragische Entwicklung einer einzelnen Figur.

Auch The Godfather selbst bekam 2006 ein eigenes Spiel, das als Adaption des ersten Films mit einer persönlichen Geschichte eines Außenseiters aufwartete. Dieser Titel bewies, dass man den Stoff nicht nur als Handlungscopierer für Filme nutzen kann, sondern als interaktive Sandbox mit verzweigten Entscheidungsoptionen. Die Serie verpasst diese Chance, indem sie auf lineare Nebenschauplätze setzt und dabei die Emotionalität verliert. Wo Spiele dem Spieler Wahlmöglichkeiten geben, bleibt die passiv konsumierte Serie auf eine oberflächliche Oberfläche reduziert.

Streaming-Epos oder Fließbandware?

  • Die Streaming-Landschaft sehnt sich nach langen, prestigeträchtigen Reihen im Stil von The Sopranos oder Breaking Bad , aber nur wenige schaffen das Niveau.
  • Viele Serien greifen zu äußeren Mitteln wie Gewalt und Twists, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
  • The Gentlemen Staffel 2 übernimmt die dunkle Optik des Gangster-Dramas, ohne die psychologische Tiefe ihrer Vorbilder zu erreichen.
  • Das betrifft auch die Musik und die Ausstattung, die hochwertig sind, aber keine eigene Identität schaffen.
  • Die Serie reagiert damit auf den Druck, beim globalen Publikum zu punkten, und verliert dabei ihre ursprüngliche britische Eigenheit.

Der Erfolg von Streaming-Serien hängt häufig von wenigen starken Saisonfinales ab. Kopieren sie jedoch bekannte Erfolgsrezepte, erzeugen sie schnell den Eindruck von Austauschbarkeit. Die zweite Staffel von The Gentlemen setzt auf bekannte Muster des Mafia-Genres, ohne eigene Akzente zu setzen. Die Folge ist, dass selbst die gelungenen Szenen im Schatten der großen Vorbilder verblassen.

Fazit mit Stilbruch

Am Ende bleibt eine Serie, die deutlich ambitionierter auftritt, als sie inhaltlich ist. Der Versuch, wie „Der Pate“ zu sein, scheitert nicht an mangelnder Ausstattung oder fehlenden Schauspielern, sondern an einer Konzeption, die zu viele Fäden gleichzeitig spinnen will. Wenn die Serie in ihrer dritten Staffel ihre eigene Sprache finden will, muss sie von der epischen Erzählung Abstand nehmen und zu ihren Wurzeln zurückkehren: einem humorvollen, schnellen Verbrechenspuzzle. Bis dahin bleibt der Pate ein Denkmal, vor dem diese Serie lieber stehen sollte als es nachzuahmen.

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