Götter, Flammen und ein pyromanischer Fluch
Ich dachte, ich hätte den Dreh raus. Wasserquelle platzieren, Feuerwehr stationieren, Gebäude hinstellen – und trotzdem lodert es nach 30 Sekunden Abwesenheit lichterloh. Theos: Cities of Myth von Triskell Interactive (Macher von Pharaoh: A New Era) ließ mich bei einem Event vor einer frühen Build verzweifeln. Publisher Dotemu schaute zu, wie meine Siedlung systematisch verglühte.
Die Brände kamen immer dann, wenn ich nicht hinsah. Als hätten die Pixel einen persönlichen Groll gegen mich. Ich löschte panisch brennende Hütten, bevor die Flammen auf Nachbargebäude übergriffen. Ein Kollege neben mir baute entspannt sein Panteon. Fazit: Ich bin einfach schlecht in diesem Spiel.
Triskell Interactive – Vom Remake zum eigenen Mythos
Triskell Interactive wurde 2018 in Paris gegründet. Das Team, rund 25 Entwickler, sammelte Erfahrung bei Pharaoh: A New Era (2023), einem liebevollen Remake des City-Builder-Klassikers von 1999. Das Remake verkaufte sich laut SteamDB über 300.000 Mal und erhielt auf Metacritic eine Wertung von 81. Dotemu, bekannt für Streets of Rage 4 und Windjammers 2, fungiert als Publisher. Theos ist die erste eigene IP des Studios seit dem Remake. Die Arbeit am neuen Titel begann 2022, die griechische Mythologie bewusst gewählt als Abkehr von der ägyptischen Thematik des Vorgängers.
Sieben Götter – sieben Wege, zu scheitern (oder zu triumphieren)
- Startwahl aus sieben Gottheiten, jede mit einem Startsegen: Athena schenkt Kulturpunkte für Philosophenschulen.
- Heiligtums-Segnungen: spezielle Gebäude, Dekorationen oder Produktionsboni, je nach Gott.
- Kampf-Segnungen: militärische Verstärkung für die Stadtarmee.
Die Beschreibungen sind detailliert, selbst für Genre-Neulinge. In der Theorie klingt das logisch – in der Praxis brannte bei mir alles, sobald ich das Optionsmenü öffnete. Ein Tutorial half mir, die Basics zu lernen, aber wehe, ich blinzelte.
Wo sich Theos in die Stadtbau-Tradition einreiht
Das Genre der antiken Stadtbauspiele erlebt eine kleine Renaissance. Nach Pharaoh und Zeus (beide aus den späten 1990ern) erscheinen heute Titel wie Builders of Greece, Sumerians und Farthest Frontier. Theos setzt direkt bei den Klassikern an – mit einem Fokus auf Göttergunst und Katastrophenmanagement. Die sieben olympischen Gottheiten (Athena, Zeus, Poseidon, Ares, Artemis, Hades, Aphrodite) beeinflussen spezifische Mechaniken: Athena fördert Bildung und Kultur, Ares die militärische Produktion. Solche Systeme erinnern an den Götter-Einfluss in Black & White (2001) oder den Wohlstand-Malus in Anno 1800. Anders als in Pharaoh oder Caesar gibt es keine feste Kampagne, sondern einen Sandbox-Modus mit wählbaren Bedingungen. Auf der Plattform Steam hat der Titel seit Ankündigung über 40.000 Follower gesammelt (Stand Dezember 2024).
Warum ich trotzdem immer neu anfing
Ich startete Dutzende Male neu. Jedes Mal hielt ich etwas länger durch, bevor der nächste Großbrand kam. Theos: Cities of Myth hat einen Sog, den ich nicht erklären kann. Die knalligen, lebendigen Grafiken sind eine Wohltat nach all den matschig-realistischen Strategiespielen. Die Bürger lächeln, während sie Nahrung, Kultur oder Unterhaltung genießen – selbst wenn die UI mir verrät, dass sie mich hassen.
Niemand sonst im Raum hatte meine Brandprobleme. Der Entwickler lachte leise hinter mir. Eine persönliche Vendetta gegen mich, da bin ich sicher. Vielleicht liegt es an Atalanta, meiner Göttin. Vielleicht an meiner Unfähigkeit, Feuerhydranten rechtzeitig zu setzen. Oder die Sprites haben einfach einen pyromanischen Tick – genau wie ich.
Release und technische Rahmenbedingungen
Ein konkreter Releasetermin steht noch nicht fest. Dotemu plant einen Early Access für 2025. Die aktuelle Build (v0.4.2) enthält etwa 60 Prozent der geplanten Inhalte: sieben Götter, zehn Karten und die Grundversorgungskette. Die Systemanforderungen sind moderat: empfohlen wird eine GTX 1060 (6 GB) und 8 GB RAM. Auf der Event-Maschine lief die Demo stabil mit 60 FPS bei 1080p. Die Optik ist handgezeichnete 2D mit lebendigen Farben, ähnlich Pharaoh: A New Era. Die wiederholten Brände meiner Siedlung sind ein Indiz dafür, dass die KI der Bewohner sensibel auf fehlende Feuerwehrstationen reagiert – eine Ausgewogenheit, die in späteren Builds vielleicht noch nachjustiert wird.