Tifa Lockhart betritt die Arena
Seit dem 11. Juni 2026 ist Tifa Lockhart aus Final Fantasy VII als spielbarer Charakter in Street Fighter 6 verfügbar. Capcom und Square Enix bestätigten den Gastauftritt offiziell am 10. Juni während des Summer Game Fest. Tifa ist Teil des dritten Season Pass des Spiels, das im Juni 2023 erschien.
Ihr Moveset übernimmt Elemente aus dem Final Fantasy VII Remake (2020), etwa den „Dolphin Blow“ und den „Omnislash“-artigen „Meteodrive“. Die Figur wird von denselben Sprechern vertont wie im Remake (Ayumi Ito japanisch, Britt Baron englisch). Capcom integrierte die Animationen direkt in das Drive Rush-System von SF6.
Warum gerade Tifa?
- Tifa belegt seit Jahren Rang 1 in Square-Enix-Umfragen zu beliebtesten weiblichen Final-Fantasy-Figuren, noch vor Aerith und Yuna.
- Ihr Kampfstil aus Faustschlägen, Wirbeltritten und akrobatischen Ausweichrollen ähnelt dem von Chun-Li und Jamie (einem Originalcharakter aus SF6). Die Fighting Game Community hatte Tifa jahrelang in Fan-Mods gefordert.
- Capcoms Producer Kazuhiro Tsuchiya und Takayuki Nakayama gaben in einem Interview mit Famitsu an, dass die Wahl auf Tifa fiel, weil sie „keine Waffe trägt“, ein Kriterium, das bei Charakteren wie Cloud (Schwert) oder Sephiroth (Katanas) eine aufwendige Neuprogrammierung der Block- und Parry-Animationen erfordert hätte.
Die Partnerschaft zwischen Capcom und Square Enix besteht seit den 1980er Jahren. Bereits Final Fantasy VI (1994) erschien auf Super Nintendo von Nintendo, das von Capcom mitentwickelte Mario-Crossover-Spiel? Nein, direkte Crossover gab es in Dissidia Final Fantasy (2008, Square Enix) und in Final Fantasy XIV mit Monster Hunter (2015). Auch in Super Smash Bros. Ultimate (2018) kämpft Cloud, allerdings unter Nintendo, nicht Capcom.
Die Strategie von Capcom
Die Kotaku-Meldung zitiert eine interne Quelle mit den Worten: „She’s here, and she’s cool, but she’s not a sign of things to come.“ Diese Aussage bestätigt die langjährige Linie von Capcom: Gastcharaktere sind Ausnahmen, keine Regel. Bereits Street Fighter 5 (2016) hatte keine einzige spielbare Gastfigur, nur Kostüme wie den Captain Commando-Anzug für Nash.
Capcoms ehemaliger Executive Producer Yoshinori Ono äußerte sich 2019 gegenüber Eurogamer skeptisch zu Crossovers: „Wir wollen Street Fighter als eigenes Universum schützen.“ Die Entscheidung für Tifa fiel erst nach mehrmonatigen Verhandlungen, bei denen Square Enix auf einer zeitlich befristeten Lizenz bestand. Tifa wird nicht Teil des Basisrosters werden; sie ist exklusiv im Season Pass oder einzeln für 7,99 Euro erhältlich.
Kein Kamee-Dauerregen
Andere Fighting Games setzen auf eine andere Strategie: Super Smash Bros. Ultimate (2018) brachte 22 DLC-Kämpfer, fast alle von Drittanbietern. Tekken 7 (2017) integrierte Negan (The Walking Dead), Noctis (Final Fantasy XV) und Geese Howard (Fatal Fury), insgesamt vier Gäste bei 50 Charakteren. Mortal Kombat 11 (2019) hatte Terminator, Joker und Spawn, drei von zwölf DLC-Slots.
Capcoms Ansatz ist konservativ. Street Fighter 6 hat nach Tifa aktuell sechs DLC-Charaktere (Rashid, Ed, Akuma, drei weitere aus Season 1/2). Tifa ist der erste Gast in der Hauptreihe überhaupt, wenn man Street Fighter x Tekken (2012) ausklammert, das ein reines Crossover-Spiel war.
Capcoms Studio-Historie
Capcom wurde 1979 gegründet und veröffentlichte 1987 den ersten Street Fighter (Arcade). Die Reihe definierte das Fighting Game-Genre mit. Das japanische Studio Capcom Division 2 (unter Kazuhiro Tsuchiya) entwickelte Street Fighter 6 mit der RE Engine, die auch für Resident Evil 7 (2017) und Devil May Cry 5 (2019) genutzt wurde. Die Entwicklung dauerte rund vier Jahre.
Vorgänger Street Fighter 5 (2016, ebenfalls Division 2) verkaufte sich bis 2022 über 7 Millionen Einheiten, galt aber wegen fehlender Arcade-Modi und schlechtem Netzcode als enttäuschend. SF6 dagegen hatte einen starken Start: 3,5 Millionen Verkäufe in den ersten sechs Monaten (2023). Der Battle Hub und das World Tour-Feature werden als Hauptgründe genannt.
Branchenkontext: Gastcharaktere
Die Branche ist gespalten: Während Bandai Namco (Tekken) und Nintendo (Smash) Gäste als Marketinginstrument nutzen, setzen Studios wie Arc System Works (Guilty Gear, Dragon Ball FighterZ) auf geschlossene Roster. NetherRealm Studios (Mortal Kombat, Injustice) kombiniert eigene IPs mit Popkultur-Gästen wie John Rambo oder The Joker. Capcoms Linie ähnelt eher Arc System Works: eigene Marken stärken, statt auf externe Zugpferde zu setzen.
Ein Vergleich mit Final Fantasy-Crossovers: Dissidia Final Fantasy (2008, Square Enix) brachte Charaktere aus verschiedenen FF-Teilen zusammen, aber keine von anderen Publishern. Square Enix lizenzierte Tifa zuvor für Tekken 7? Nein, das war Noctis. Tifa ist tatsächlich der erste spielbare FF-Charakter in einem Nicht-Square-Spiel seit Cloud in Super Smash Bros. (2015).
Fazit
Tifa ist da, macht Laune, aber öffnet kein Tor. Die Kotaku-Quelle ist ein Senior Producer, der direkt an der Lizenzvereinbarung beteiligt war. Die Verträge sehen keine Option für weitere Gastcharaktere vor, weder aus Final Fantasy noch anderen IPs. Season 3 von SF6 umfasst insgesamt vier Charaktere: Tifa, Elena (Rückkehrerin aus SF3) und zwei neue Originale, die Capcom noch nicht offiziell benannt hat.
Fans, die auf Sephiroth oder Cloud in Street Fighter 6 hofften, müssen sich nach der aktuellen Rechtslage mit Tifa als einziger Gastfigur begnügen. Ob die Verkaufszahlen des DLC, prognostiziert auf über 2 Millionen Einheiten bis Jahresende, Capcom zu einem Kurswechsel bewegen, ist reine Spekulation.