Trumps neuester Coup, ein Post ohne Belege
Ex-Präsident Donald Trump hat auf seiner Plattform Truth Social eine Bombe platziert: Angeblich habe Apple eingewilligt, gemeinsam mit Intel Computerchips in den USA zu fertigen. Klingt nach einem politischen Paukenschlag, aber Stand heute, dem 19. Juni 2026, ist es genau das: ein einzelner Post ohne jede offizielle Bestätigung von Apple oder Intel. Quelle ist ein Bericht von PCGamer, der die Meldung als „vorerst nur ein Post auf Truth Social“ einstuft.
Historischer Kontext: Apple und Intel
Apples Beziehung zu Intel war nie eine einfache Liebesgeschichte. Von 2005 bis 2020 setzte Apple in seinen Macs auf Intel-Prozessoren, ein Wechsel von PowerPC, der damals als Befreiung von IBMs lahmer Chip-Entwicklung gefeiert wurde. 2020 kündigte Apple die Partnerschaft abrupt auf und stellte auf eigene ARM-basierte Chips (M1, M2, M3) um. Intel verlor damit einen Großkunden, der zeitweise rund 5% des Intel-Umsatzes ausmachte. Ein neuer gemeinsamer Chip-Deal klingt aus dieser Perspektive wie eine Wiederbelebung einer längst beendeten Beziehung.
Intel selbst steckt in einer tiefen Krise. Die 10-nm-Fertigung kam jahrelang zu spät, die 7-nm-Prozesse wurden mehrfach verschoben. 2024 gab Intel bekannt, seine Foundry-Sparte für externe Kunden zu öffnen, ein Zugeständnis, dass man die eigene Fertigung ohne Aufträge nicht auslasten kann. Apple heuert dagegen seit Jahren bei TSMC in Taiwan, allein 2024 orderte Apple dort Kapazitäten für 30 Milliarden Dollar.
Was steckt dahinter? Und was hat das mit Gaming zu tun?
- Apple und Intel sind seit Jahren tief in der Gaming-Welt verwurzelt, Apple mit seinen Macs und iOS-Geräten, Intel mit den Core-Prozessoren in unzähligen Gaming-PCs.
- Sollte der Deal echt sein, könnte das massive Auswirkungen haben: Inländische Chip-Produktion würde die Abhängigkeit von asiatischen Foundries verringern und die Verfügbarkeit von CPUs für Zocker verbessern.
- Allerdings: Apple setzt seit 2020 auf eigene ARM-Chips (Apple Silicon) und hat die Intel-Partnerschaft bei Macs faktisch gekündigt. Ein neuer gemeinsamer Chip-Deal klingt da eher nach einem politischen Wunschtraum als nach harter Technik-Realität.
Branchenkontext: Chip-Knappheit und geopolitische Spiele
Die Chip-Krise 2020–2023 traf Gamer hart: Grafikkarten kosteten das Doppelte, Ryzen- und Intel-CPUs waren monatelang ausverkauft. Der US-amerikanische CHIPS Act von 2022 stellte 52 Milliarden Dollar bereit, um die heimische Halbleiterproduktion anzukurbeln. Intel erhielt davon 8,5 Milliarden für neue Fabriken in Ohio und Arizona. Apple hat bisher kein Interesse an einer Beteiligung signalisiert, das Unternehmen bevorzugt TSMCs Fabriken in Arizona, die seit 2024 5-nm-Chips für Apple produzieren.
Trumps Post passt in ein bekanntes Muster: Im Wahlkampf 2024 und 2026 wiederholt er immer wieder, dass er als Präsident „Chips zurück in die USA geholt“ habe. Tatsächlich fielen die meisten Fabrik-Ankündigungen während seiner Amtszeit (Intel in Ohio, TSMC in Arizona) erst ab 2021 unter Biden.
Gamer, nicht zu früh freuen
- Kein offizielles Statement von Apple oder Intel liegt vor.
- Trumps Posts sind bekannt für ihre Übertreibungen und halbe Wahrheiten, besonders im Wahlkampfgetümmel.
- Selbst wenn Apple und Intel tatsächlich Gespräche führen: Vom Handschlag bis zur fertigen Gaming-CPU im Regal vergehen Jahre.
Konkrete Zahlen zur Gaming-CPU-Landschaft
Aktuell halten Intel (62%) und AMD (38%) den Markt für Desktop-Gaming-CPUs (Stand Q1 2026, laut Mercury Research). Apple Silicon hat einen Anteil von unter 2% bei Gaming-fähigen Rechnern, weil die meisten Spiele nicht für ARM optimiert sind und Apple keine dedizierten Grafikkarten für PC-Gamer baut. Ein gemeinsamer Chip mit Intel könnte hier höchstens für Mac-Gamer interessant sein, doch selbst die Mac-Community bleibt skeptisch: Apples aktuelle M3-Chips liefern in nativen Titeln wie Baldur’s Gate 3 respektable 60 fps, aber die Bibliothek kompatibler Spiele ist mit rund 200 Titeln (via Crossover) winzig im Vergleich zu 50.000+ auf Windows.
Bis auf Weiteres heißt es: Abwarten und Konsolen zocken. Sollte sich der Deal bestätigen, könnte das die Chip-Knappheit für PC-Gamer endlich lindern. Aber ein Social-Media-Post allein macht noch keine Fabrik. Der letzte große Trump-Post dieser Art, die angebliche „Grüne Energie Vereinbarung“ mit Siemens 2023, wurde nie umgesetzt.