London drückt den Startknopf
Der Bürgermeister von London verkündet eine neue Strategie: Esports-Großereignisse sollen die lokale Wirtschaft ankurbeln und jungen Leuten Perspektiven bieten. „London is ready to level up and lead the world in esports“, heißt es aus dem Rathaus. Die Stadt sieht sich als künftige Welthauptstadt des kompetitiven Spielens.
- Große Turniere und Messen sollen Touristen anziehen
- Lokale Unternehmen profitieren von Besucherströmen
- Gezielte Förderprogramme für Jugendliche aus der Stadt
Die Ankündigung baut auf einer Reihe bereits laufender Initiativen auf. Seit 2018 unterstützt die Londoner Stadtverwaltung das London Esports Festival, das 2023 rund 15.000 Besucher in die ExCeL-Arena lockte. Parallel dazu investierte der London Legacy Development Corporation 2,5 Millionen Pfund in den Umbau des Copper Box-Areals für Esports-Turniere, ein ehemaliges Olympiagelände für Handball und Fechten, das nun Platz für 6.000 Zuschauer bietet.
Von der Münze zum Millionengeschäft, mit Retro-Flair
Das Zitat „Insert tuppence to play“ erinnert an die guten alten Arcade-Automaten: Für zwei Pennies startete ein Spiel.
Heute geht es um Millionen Pfund, und um echte Chancen für die nächste Generation. Die Stadtverwaltung plant, Bildungs- und Trainingsinitiativen direkt mit den Events zu verknüpfen.
- Workshops zu Game-Design, Eventmanagement und Streaming
- Partnerschaften mit lokalen Esports-Teams und Schulen
- Praktika und Ausbildungsplätze bei Turnierveranstaltern
Konkret sollen ab 2025 jährlich drei „London Game Design Labs“ in Stadtteilen wie Hackney und Barking stattfinden, finanziert durch einen Teil der Ticketsteuer. Die British Esports Federation (BEF) koordiniert die Curricula. BEF-Geschäftsführer Chester King: „Wir trainieren aktuell 1.200 Jugendliche pro Jahr in Großbritannien. London könnte diese Zahl verdoppeln, wenn die Infrastruktur steht.“
Frühere Turniere und ihre wirtschaftliche Wirkung
London hat Esports-Großevents bereits erprobt. Die League of Legends World Championship Finals 2020 fanden wegen der Pandemie in Shanghai statt, doch die Masters 2021 in der Copper Box zogen 18.000 Zuschauer über drei Tage. Laut London & Partners generierten allein die ESL-One-Turniere 2019 und 2022 einen direkten Umsatz von 4,7 Millionen Pfund in der lokalen Hotel- und Gastronomiebranche.
Die Insomnia Gaming Festival-Reihe, seit 2007 von der Firma Multiplay veranstaltet, brachte im letzten Jahr 28.000 Besucher in das ExCeL London. Ein Bericht des Greater London Authority bezifferte den durchschnittlichen Ausgabensatz eines Turniergasts auf 195 Pfund pro Tag, 30 Prozent mehr als ein regulärer Tourist.
Ein kalkulierter Highscore
Der Mayor verspricht keine Wunder, sondern einen konkreten wirtschaftlichen Impuls. Die Rechnung: Jede große Veranstaltung bringt Geld in Hotellerie, Gastronomie und Verkehr. Gleichzeitig entstehen Jobs abseits der Bühne, vom Techniker bis zum Marketing-Experten.
Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, da viele Städte um die Austragung von Top-Turnieren buhlen. London setzt auf seine Größe und Infrastruktur.
Die Stadtverwaltung rechnet mit einem Hebelfaktor von 1:7, jeder investierte Pfund in Zuschüsse soll sieben Pfund an Umsatz erzeugen. Vergleichbare Events in Paris (Paris Games Week) oder Berlin (ESL One Berlin 2023) erzielten Ausgaben von 8 bis 12 Millionen Euro pro Turnier. London peilt für das erste „London Esports Mega-Event“ im Jahr 2026 eine Besucherzahl von 40.000 an, kalkuliert mit einem Gesamtumsatz von 15 Millionen Pfund.
Londons Konkurrenz und Position im globalen Ranking
Im internationalen Vergleich liegt London derzeit auf Platz 8 der Städte mit den größten Esports-Investitionen, hinter Los Angeles, Shanghai, Seoul und Paris. Das Esports Market Report 2024 von Newzoo beziffert den britischen Markt auf 112 Millionen Pfund, wobei London einen Anteil von 38 Prozent hält. Die neue Strategie soll den Anteil auf 50 Prozent steigern.
Städte wie Birmingham und Manchester haben eigene Pläne vorgelegt, Birmingham investiert 3 Millionen Pfund in ein Esports-Stadion am National Exhibition Centre. London antwortet mit der Bewerbung für die Counter-Strike Major Championships 2027 und die Dota 2 International 2029. Die Kosten für die Ausrichtung eines solchen Turniers liegen zwischen 30 und 50 Millionen Pfund, inklusive Sicherheits- und Logistikaufwand.
Kein Game Over für die Jugend
Besonders Jugendliche aus weniger begünstigten Vierteln sollen profitieren. Der Bürgermeister will Esports als Sprungbrett nutzen, nicht nur für Profispieler, sondern für alle, die in der Branche Fuß fassen möchten.
Ob das Konzept aufgeht, wird sich nach den ersten Pilot-Events zeigen. Eines ist klar: London hat den Joystick in der Hand und drückt auf Start.
Die Stadt hat bereits 1,2 Millionen Pfund in die Renovierung von zwölf kommunalen Jugendzentren gesteckt, um dort Gaming-Stationen und Streaming-Equipment aufzustellen. Ein Pilotprojekt im Stadtteil Tower Hamlets führte 2023 zu 45 abgeschlossenen Berufsausbildungen im Bereich Eventtechnik und Softwareentwicklung, bei 80 Teilnehmern. Die Quote liegt damit über dem lokalen Durchschnitt von 38 Prozent.