Peinlicher Start: Ubisoft verkauft ein Spiel ohne Spiel
Der Steam-Wiederveröffentlichung von Heroes of Might and Magic 3 hätte ein Triumphzug werden sollen: Der Strategiespiel-Klassiker von 1999, dazu beide Erweiterungen, für gerade einmal zehn Dollar im Paket. Stattdessen staunten Käufer nach der Installation über eine Dateigröße von 23,49 Kilobyte. Ein Doppelklick auf die Exe öffnete lediglich ein Eingabeaufforderungsfenster mit dem Text „Dummy executable ensure that you are on the right Steam branch”. Die eigentlichen Spieldateien fehlten komplett.
Spieler reagieren mit Spott und Häme
Die Steam-Nutzerbewertungen verwandelten sich in einen Shitstorm mit humoristischen Untertönen.
- „Best CMD prompt simulator of 2026. 10/10.”
- „You will own nothing and be happy.”
- „Dude, where’s my game?”
- Zahlreiche Spieler rieten anderen, stattdessen Heroes of Might and Magic 3 Complete bei GOG zu kaufen, wo es aktuell für fünf Dollar im Angebot ist.
Ubisoft korrigierte den Fehler nach rund elf Stunden, ließ aber jede offizielle Stellungnahme vermissen.
Ein Dummy-Executable als Tiefpunkt der Release-Geschichte
Der Fehler ist in seiner Absurdität nicht ohne Vorbild, aber selten so offensichtlich geworden. Die Veröffentlichung sollte offenbar eine schnelle Einnahmequelle vor dem großen Remake sein, das nächsten Jahres erscheint. Stattdessen lieferte Ubisoft eine leere Hülle, die selbst den minimalsten Qualitätscheck vermissen ließ. Für ein Spiel, das in der Community als eines der besten Rundenstrategie-Spiele aller Zeiten gilt, wirkt dieser Schlamperei-Moment fast wie ein Eigentor mit Ansage.
Studio-Historie: New World Computing und der Aufstieg der Serie
Heroes of Might and Magic 3 stammt nicht von Ubisoft, sondern vom ursprünglichen Entwickler New World Computing. Das Studio gehörte lange zum Publisher 3DO, der im Jahr 2003 Insolvenz anmeldete. Ubisoft sicherte sich die Rechte an der Marke und veröffentlichte später Teile wie Heroes of Might and Magic 5 und 6, konnte aber nie ganz an die Magie des dritten Teils anknüpfen. Viele Fans halten HoMM 3 bis heute für den unangefochtenen Höhepunkt der Serie, vor allem wegen des taktischen Tiefgangs und der unverwechselbaren Fantasy-Atmosphäre. Der aktuelle Steam-Release sollte diese Fans versöhnen, sorgte aber erst einmal für Kopfschütteln.
Remake in Sicht: Ubisoft bekommt eine zweite Chance
Für nächstes Jahr angekündigt ist ein Heroes of Might and Magic 3 Remake mit überarbeiteten 4K-Grafiken.
- Enthalten sein sollen die komplette Original-Kampagne samt beider Erweiterungen.
- Eine neue Prolog- und Epilog-Geschichte sowie Zwischensequenzen sollen eine einheitliche Erzählung bilden.
- Ubisoft betont, die beiden Add-ons würden „in einer vereinten Geschichte” aufgehen.
Bis dahin bleibt der GOG-Version als verlässliche Bezugsquelle für Retro-Fans, die ohne Steam-Drama spielen wollen.
Branchenkontext: Digitale Distribution und ihre Fallstricke
Kuriose Fehlstarts wie dieser zeigen, wie fragil moderne Veröffentlichungsketten sein können. Schon früher gab es Fälle, in denen Publisher falsche Builds hochluden oder Schutzmechanismen den Start blockierten, aber ein fehlender Spieldatensatz gehört zu den plumpesten Pannen. Für ein publisheres Unternehmen wie Ubisoft, das seit Jahren mit internen Umstrukturierungen und gemischten Release-Ergebnissen kämpft, ist dieser Vorfall ein weiteres Negativsignal. Es dürfte kaum Vertrauen schaffen, wenn selbst ein Klassiker wie HoMM 3 nicht ohne technischen Schiffbruch ausgeliefert werden kann. Die Ironie: Die Community rettet das Spiel bereits durch den GOG-Hinweis, während der Steam-Auftritt fast schon als Negativwerbung für das kommende Remake dient.
Fazit: Ein peinlicher Ausrutscher mit klaren Lehren
Die korrigierte Steam-Version ist mittlerweile spielbar, aber der Schaden im öffentlichen Bild bleibt. Ubisoft hat sich bislang nicht erklärt, warum eine Dummy-Exe ausgeliefert wurde. Für ein Studio mit so langer Geschichte wäre eine transparente Entschuldigung angebracht gewesen, zumal die Community die Marke liebt und ihr vieles verzeiht. Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Remake die Wogen glätten kann. Fans jedenfalls haben gelernt: Vorbestellungen sind bei Ubisoft aktuell kein Akt des Vertrauens, sondern ein Wagnis. Die GOG-Version bleibt bis dahin die sichere Bank für alle, die einfach nur in die Welt von Erathia eintauchen wollen.