Ein Ende mit Ansage
Ubisoft schaltet die Server für Champions Tactics: Grimoria Chronicles im Oktober offiziell ab. Das taktische Spiel, das auf der Oasys-Blockchain basierte, erreichte trotz des Verzichts auf NFT-Handel keine langfristige Spielerbindung.
Das Projekt wurde von dem internen Ubisoft Paris Studio entwickelt, welches primär für die Ghost Recon-Serie und Just Dance bekannt ist. Die Entwicklung dieser taktischen Nische war ein untypischer Abstecher für ein Team, das normalerweise AAA-Produktionen für den Massenmarkt fertigt.
Der gescheiterte Rettungsversuch
Im Mai 2024 entfernte Ubisoft die Web3-Funktionalitäten und den Marktplatz für digitale Sammelobjekte aus dem Spiel. Die Entwickler versuchten, durch eine Umstellung auf ein klassisches Free-to-Play-Modell neue Nutzer zu gewinnen.
Die Nutzerzahlen blieben jedoch unter den internen Erwartungen für einen dauerhaften Betrieb. Die Community-Resonanz auf die Entfernung der Blockchain-Elemente war gering, da das Spielprinzip ohne die spekulativen Anreize kaum Alleinstellungsmerkmale bot.
Was nun bleibt
Am 29. Oktober werden die Server endgültig offline gehen. Damit verliert Ubisoft ein weiteres Experiment aus dem Bereich der digitalen Eigentumsrechte.
Alle Käufe innerhalb des Spiels werden mit der Serverabschaltung wertlos. Es gibt keine Pläne für einen Offline-Modus oder eine Archivierung des Titels durch den Publisher.
Hintergrund zum Projekt
Ubisoft präsentierte Champions Tactics erstmals Ende 2023 als ein rundenbasiertes Taktikspiel. Das Projekt nutzte NFTs, um Charaktere als einzigartige Assets handelbar zu machen.
Die Reaktionen der klassischen Spielerschaft waren von Beginn an negativ. Viele Nutzer kritisierten die Verbindung von Blockchain-Technologie mit einem Spiel, das rein spielerisch wenig Substanz bot.
Branchenkontext und Vergleichswerte
Der Misserfolg von Champions Tactics reiht sich in eine Serie gescheiterter Versuche großer Publisher ein, Web3-Elemente zu etablieren. Konami und Square Enix haben ähnliche Projekte gestartet, kämpfen aber ebenfalls mit der Akzeptanz durch die Kernzielgruppe.
Das Scheitern von Ubisoft erinnert an den Fall von Ghost Recon Breakpoint. Damals implementierte der Publisher die Ubisoft Quartz-Plattform, zog diese jedoch nach massiver Kritik der Fans schnell wieder zurück.
- Ubisoft Quartz war der erste offizielle Vorstoß des Unternehmens in den NFT-Markt.
- Die Plattform wurde 2022 nach wenigen Monaten faktisch eingestellt, da die Handelsvolumina fast bei null lagen.
- Im Gegensatz zu Champions Tactics waren die NFTs in Ghost Recon lediglich kosmetische Items ohne spielerische Auswirkungen.
Historie und Entwicklung
Ubisoft investierte massiv in die Infrastruktur von Web3-Projekten, darunter Beteiligungen an Unternehmen wie Animoca Brands. Diese Strategie zielte darauf ab, neue Monetarisierungskanäle jenseits der klassischen DLCs oder Season-Pass-Modelle zu erschließen.
Die internen Teams unter dem Dach von Ubisoft Strategic Innovation Lab waren maßgeblich an der Konzeption beteiligt. Dieses Labor war darauf spezialisiert, technologische Trends frühzeitig zu testen, bevor sie in die großen Marken einflossen.
- Das Spiel Champions Tactics nutzte ein System aus 75.000 generierten Champions.
- Ein Großteil dieser Assets wurde bereits in der frühen Phase zu hohen Preisen gehandelt, bevor der Wert der Kryptowährungen einbrach.
- Der Kurs der Oasys-Token, auf denen das Spiel basierte, konnte den Mangel an aktiven Spielern nicht kompensieren.
Die Abschaltung markiert das Ende einer Phase, in der Ubisoft aktiv versuchte, das eigene IP-Portfolio mit Blockchain-Mechaniken zu verknüpfen. Aktuell konzentriert sich das Unternehmen wieder auf die Kernmarken wie Assassin’s Creed und Far Cry. Der operative Fokus liegt auf dem Ausbau von Ubisoft+ als Abo-Dienst, statt auf dem Aufbau einer NFT-Wirtschaft.